Google: 3D-Malprogramm Tilt Brush wird Open Source

Google: 3D-Malprogramm Tilt Brush wird Open Source

Die beliebte VR-Mal- und Zeichen-App Tilt Brush wird Open Source und soll zukünftig von der Community statt von Google weiterentwickelt werden.

Mit viel Vorausschau kaufte sich Google circa 2015 das Design-Studio Skillman & Hackett, das an einer der vielversprechendsten und grundlegendsten VR-Apps bastelte: Tilt Brush schickte sich damals an, die neue Grundlagen-App für 3D-Design und -Kunst in VR zu werden.

Die Aussichten waren rosig: Die Kreativ-App riss selbst die größten Mal-Muffel mit dem ersten 3D-Zeichenstrich vom Hocker. Und VR sollte bekanntlich das nächste große Ding werden.

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Tilt Brush goes Open Source

Nach einigen Jahren der Weiterentwicklung gibt Google Tilt Brush jetzt als Open Source unter der Apache 2.0 Lizenz frei. Das ist einerseits positiv, da Tilt Brush so schneller besser werden könnte und eine dauerhafte Fortentwicklung durch die Community wohl gesichert ist. Dafür ist Tilt Brush groß genug.

Auf der anderen Seite macht Google bei der Ankündigung der Open-Source-Veröffentlichung keinen Hehl daraus, dass die Freigabe von Tilt Brush das Ende der ohnehin kaum noch vorhandenen VR-Ambitionen bedeutet und sich der Fokus weiter zu Augmented Reality verschiebt.

„Während wir weiter hilfreiche und immersive AR-Erlebnisse entwickeln, möchten wir die Künstler, die Tilt Brush verwenden, weiterhin unterstützen, indem wir es in Ihre Hände geben“, heißt es im Text zur Open-Source-Bekanntgabe.

Google weist explizit darauf hin, dass Tilt Brush kein aktiv entwickeltes Google Produkt mehr ist und keine Anfragen mehr entgegengenommen werden. Erst im Dezember 2020 beerdigte Google die 3D-Asset-Plattform Poly, die 2017 ebenfalls für VR und AR ins Leben gerufen wurde und eine direkte Anbindung an Tilt Brush bot.

Tilt Brush-Erfinder sprangen schon früher ab

Im Sommer 2019 hieß es seitens Google noch, dass VR-Projekte mit eindeutigem Nutzen weiter betreut werden sollen. Zu denen gehörte Tilt Brush damals noch explizit – jetzt offensichtlich nicht mehr.

Die Open-Source-Bekanntgabe folgt auf den Abschied von Tilt Brush-Miterfinder Patrick Hackett Anfang Januar 2021, der sich ein neues VR-Projekt suchte. Hackett bewertet Googles Open-Source-Entscheidung positiv: „Einige mögen das als das Ende von Tilt Brush sehen. Für mich bedeutet es Unsterblichkeit.“

Der zweite Tilt Brush-Miterfinder Drew Skillman arbeitet schon seit November 2018 nicht mehr an der Mal-App. Er betreibt derzeit Forschung und Entwicklung in Googles Stadia-Team.

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