Das Schweizer Start-up Creal arbeitet an einem vielversprechenden AR-Display. Dank frischem Kapital und neuen Fachkräften könnte die Technologie schon bald Marktreife erreichen.

Creal will eines der größten Probleme von XR-Displays lösen und variable Fokusebenen ermöglichen. Was heißt das?

Wenn das Auge einen Gegenstand in unmittelbarer Nähe fokussiert, sollte der Hintergrund unscharf werden und umgekehrt. Bei XR-Brillen ist das nicht der Fall, weil die Geräte eine fixe Fokusebene haben: Digitale Welten und AR-Objekte erscheinen gleichmäßig scharf, unabhängig davon, was man fokussiert. Dies führt zum sogenannten Vergence-Accommodation-Konflikt, der mit Augen- und Kopfschmerzen sowie Unwohlsein einhergehen kann.

Creal arbeitet an einem Lichtfelddisplay, das variable Fokusebenen simuliert und auf diese Weise ein angenehmes und natürliches Seherlebnis mit AR-Brillen ermöglicht. Das Start-up will eine besonders effiziente und verlässliche Lösung für das Problem gefunden haben, die eine hervorragende Bildqualität liefert und keines Eye-Trackings bedarf.

Wie schwierig ein solche Vorhaben ist, zeigt Facebooks XR-Forschung: Mehr als fünf Jahre brauchte eine Gruppe hochspezialisierter Forscher, um eine VR-Brille mit variablem Fokus zu entwickeln.

Lichtfeldtechnik-Miniaturisierung in zwei Jahren

Diese Woche gab Creal bekannt, in einer Investitionsrunde umgerechnet sechs Millionen Euro eingesammelt zu haben. Die Finanzierung folgt auf eine Reihe früherer Förderungen. Insgesamt konnte sich Creal bislang circa 13 Millionen Euro sichern. Die jüngste Investition wurde angeführt von Swisscom Ventures, während bestehende Investoren nachlegten.

Das frische Kapital will Creal in neues Personal stecken: Das Start-up übernahm Fachkräfte von Magic Leap, die zuvor an Intels Datenbrille Vaunt arbeiteten. Das Know-How der AR-Spezialisten soll Creals Entwicklungsfahrplan beschleunigen: Binnen der nächsten zwei Jahre soll ein voll funktionsfähiger AR-Brillenprototyp entstehen, verrät mir CEO Tomas Sluka.

Beim aktuellen Prototyp, der vereinzelt an ausgewählte Unternehmen verkauft wird, handle es sich noch um eine recht klobige Techbrille. “Unsere gegenwärtigen Kunden sind Unternehmen, die Forschung und Entwicklung betreiben und es sich leisten können, die Technologie für ihre Anwendungsszenarien und Produkte anzueignen”, sagt Sluka.

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Ein Lichtfeld-Prototyp von Creal aus dem Jahr 2018. | Bild: Creal

AR-Massenmarkt ist Jahre entfernt

Es werde noch drei bis vier Jahre dauern, bis AR-Brillen mit Creal-Technologie den Massenmarkt erreichen würden, erklärt Sluka.

Das Start-up plane nicht, das Produkt selbst herzustellen oder zu vermarkten. “Wir sind eine Technologiefirma und verkaufen das Know-How und die Blaupausen für Hersteller. Augmented Reality wird ein riesiges Ökosystem und Displays sind nur ein Teil davon”, meint der Creal-CEO. Das Start-up könne unabhängig bleiben und ist offen für Übernahmen.

“Die ersten Datenbrillen großer Techkonzerne sollen um das Jahr 2023 erscheinen, aber hierbei wird es sich eher um eine Smartwatch für die Nase oder einen  externen Bildschirm fürs Smartphone handeln. Es wird den Rest des Jahrzehnts dauern, bis AR-Brillen das Smartphone ersetzen und weit darüber hinaus gehen”, sagt Sluka voraus.

Titelbild: Creal

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