Blaston verbindet Shooter-Elemente, physisch intensive Matrix-Action und einen gnadenlosen Online-Wettkampf zu einem einzigartigen Mix. Ob das Spielkonzept aufgeht, erfahrt ihr in meinem Test.

Blaston ist schnell erklärt: Zwei Kontrahenten erscheinen auf erhöhten Plattformen und beharken sich aus nächster Nähe mit futuristischen Waffen, die sich fortlaufend an den Seiten der Plattform materialisieren.

Die Plattform hat einen Durchmesser von circa 1,5 Metern, innerhalb derer man sich unter Körpereinsatz bewegt. Künstliche Fortbewegung gibt es nicht. Wer an den Rand der Plattform gerät, dem werden Lebenspunkte abgezogen.

Das Außergewöhnliche an den Schussgefechten ist, dass sich die Projektile zeitlupenartig durch die Luft bewegen. Dadurch entsteht ein Kampfballet, das an Matrix erinnert: Als Blaston-Kämpfer muss man den vollen Raum zu seinen Gunsten nutzen, von vorne, hinten, links und rechts angreifen, sich beugen, niederkauern, seitlich ausweichen und beständig durch den Raum tänzeln, um den Projektilen zu entkommen.

Das Ziel ist, dem Gegner durch Treffer alle Lebenspunkte abzuziehen. Jedes Match besteht aus maximal drei Runden, nach denen der Sieger gekürt wird.

Ein Matrix-Shooter

Blaston bietet zum Launch mehr als 20 Wummen. Neben Standardwaffen wie Pistolen, Schrotflinten und Railguns gibt es Kampfgerät, das riesige Kugeln verschießt oder mörserartige Blaster, mit Hilfe derer man Projektile von oben herab auf den Gegner regnen lassen kann.

Durch die Langsamkeit der Projektile und Vielfalt der Waffen gewinnen die Kämpfe ein strategisches Element: Wer den Gegner treffen will, muss dessen nächste Bewegung vorausahnen und Ausweichmöglichkeiten durch Projektile und spezielle Waffen blockieren. Mit defensivem Gerät baut man Barrieren vor sich oder macht gegnerische Projektile unschädlich.

In einem Loadout-Menü können Spieler ihr ballistisches Repertoire anpassen und entscheiden, wie viel offensives und defensives Kampfwerkzeug sie in die Schlacht führen. Für strategische Vielfalt ist gesorgt, auch wenn viele Wummen lediglich Abwandlungen ein- und dergleichen Waffentyps sind.

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Voicechat gibt es nicht und das ist wohl besser so. Durch Gesten kann man auch kommunizieren. | Bild: Resolution Games

Blaston soll wachsen

Durch absolvierte Kämpfe erhält man Erfahrungspunkte und steigt im Level auf. Dadurch erhält man Zugriff auf neue Waffen. Die können mit Spielwährung oder echtem Geld gekauft werden.

Ich spielte zwei oder drei Stunden und hatte immer genug Spielgeld, um mir neue Waffen zu kaufen. Wie das im späteren Spielverlauf ist und ob man sich durch Zukäufe einen spielerischen Vorteil sichern kann, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Neben Waffen kann man rein kosmetische Dinge wie Avatare, Plattformtexturen und Banner erwerben.

Mit den Mikrotransaktionen soll die Weiterentwicklung des Titels finanziert werden. Für die Zukunft sind entlang des Spielerfeedbacks neue Waffen, Spielmodi, Avatare und Kampfumgebungen geplant. So soll es zum Beispiel mit einem der ersten Updates möglich werden, Duelle von der Zuschauertribüne aus mitzuverfolgen, verrät mir der Chefentwickler Mathieu Castelli.

Zweckmäßige Grafik

Apropos Tribüne: Die Duelle spielen sich in der immergleichen Cyberpunk-Arena ab, die recht leb- und lieblos gestaltet ist. Auf den dunklen Rängen tut sich jedenfalls nicht viel.

Ich hätte es besser gefunden, wenn Resolution Games auf diese Umgebung gänzlich verzichtet und die Leistungsreserven der Oculus Quest in die optische Aufmachung der Kämpfe und Avatare gesteckt hätte. Blastons Grafik ist nämlich bestenfalls zweckmäßig und bietet keinerlei grafische Schmankerl.

Auch bei den Spielmodi haben die Entwickler gespart: Es gibt lediglich wettkampforientierte Online-Duelle mit Matchmaking und Liga sowie private Scharmützel mit Freunden. Einen Einzelspielermodus vermisst man schmerzlich, und das obwohl das Spiel durchaus KI-Gegner bietet. Findet man im Matchmaking-Modus keine menschlichen Mitbewerber, tritt man automatisch gegen KI-Gegner an. Doof: Das Spiel markiert nicht einmal, ob man gegen eine KI oder einen Mensch spielt. Die kann man nämlich nicht immer unterscheiden.

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Die Entwickler gestalteten Waffen und Kämpfe so, dass sie nicht brutal oder gewaltverherrlichend wirken. | Bild: Resolution Games.

Im Kampf gegen Agent Smith

Bevor das Spiel am 8. Oktober erschienen ist, waren für Tester lediglich KI-Matches möglich. Die erwiesen sich als unterhaltsam, aber nicht besonders herausfordernd. Voller Vorfreude stürzte ich mich deshalb nach dem Launch in Online-Duelle, die jedoch gemischte Gefühle hinterließen.

Mehrspielertitel wie Blaston leben von ihrer Spielerschaft und an der scheint es noch zu hapern: So traf ich häufig mehrere Male hintereinander auf die gleichen ein bis zwei Gegner. Frustrierend ist das, wenn die Kontrahenten einem klar überlegen sind.

In manchen Kämpfen fühlte ich mich wie Neo, der zum ersten Mal auf Agent Smith trifft: Der Gegner weicht selbst schnellen Projektilen elegant aus, sieht jeden meiner Schritte voraus und durchsiebt die Luft gleichmäßig mit Projektilen, sodass ich bei Null Lebenspunkten bin, bevor ich weiß, was mich getroffen hat.

Nichts für Bewegungsmuffel

Dazu muss ich anmerken, dass ich kein sonderlich kompetitiver Spieler bin und damit sicher nicht zur Zielgruppe dieses Spiels gehöre. Wer das Online-Kräftemessen liebt, wird mit Blaston glücklich.

Apropos Herausforderung: Wer die Online-Ranglisten erobern will, muss fit und beweglich sein, denn in Blaston wird der eigene Körper zum Controller. Fingerakrobatik und schnelle Reaktionen allein bringen nicht viel.

Blaston ist zunächst für Oculus Quest erschienen und diesen Winter folgt die PC-VR-Version, die hoffentlich mehr Spieler in die Blaston-Liga lockt. Derzeit läuft eine Aktion, die es Liga-Spielern mit Gold-Rang erlaubt, eine Gratiskopie des Spiels für einen Freund zu erhalten. Wie das geht, steht im Spiel unter “News”.

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Auf die Arena hätte Resolution Games ebensogut verzichten können. | Bild: Resolution Games

Fazit: Ballistische Matrix-Action für Wettkämpfer

Wer die Wahl hat, sollte sich nicht auf die PC-VR-Version warten und sich Blaston für Oculus Quest holen. Die autarke VR-Brille ist die ideale Plattform für ein Spiel dieser Sorte, sofern man genug Platz zum Spielen hat: Zwei auf zwei Meter sollten es schon sein für ein unbeschwertes Spielerlebnis. Ansonsten muss man Vorsicht walten lassen, was den Spielspaß trüben kann.

Zum Launch wirkt Blaston etwas arm an Spielmodi und Funktionen. Klar: Das Spiel kostet auch nur zehn Euro und soll durch Mikrotransaktionen der Spieler am Leben erhalten und weiterentwickelt werden.

Auf ihre Kosten kommen zum Anfang ganz sicher wettbewerbsorientierte, bewegungsfreudige VR-Spieler. Gelegenheitsspieler ohne besonderen Ehrgeiz sollten warten, bis Blaston eine Einzelspielerkampagne spendiert bekommt oder mit Freunden zocken und trainieren, die das gleiche Skill-Niveau haben.

 

Blaston wird euch gefallen, wenn ihr …

  • den Online-Wettkampf liebt,
  • euch beim Spielen bewegen wollt und
  • kurze, aber intensive VR-Sessions mögt.

Blaston wird euch nicht gefallen, wenn ihr …

  • ihr einen Einzelspielertitel mit vielen, abwechslungsreichen Inhalten sucht,
  • nur wenig Platz zum Spielen habt und
  • Bewegungsmuffel seid.

Blaston könnt ihr hier kaufen:

Unterstützte GeräteStorePreis
Oculus QuestQuest Store9,99 Euro
Valve Index, HTC Vive (Pro, Cosmos), Oculus Rift (S), Windows MRSteamErscheint Winter 2020

Oculus Quest 2 aus Deutschland bestellen

Oculus Quest 2 wird in Deutschland vorerst nicht verkauft. Wie lange dieser Verkaufsstopp anhält, ist nicht bekannt.

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Oculus Quest – 64 GB | Oculus Quest – 256 GB

Hinweis: Wie lange die Bestellung über Amazon Frankreich möglich sein wird, ist noch nicht bekannt, auch nicht, ob die VR-Brille tatsächlich ausgeliefert wird. Die dauerhafte Funktion nach einem Login mit einem deutschen Facebook-Account ist ebenfalls nicht garantiert – auch wenn eine regionale Sperre seitens Facebook zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich ist.

Titelbild: Resolution Games

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