Autonomes Fahren: Reglementierung, Tesla hat Brems-Probleme & mehr

Autonomes Fahren: Reglementierung, Tesla hat Brems-Probleme & mehr

In den USA soll autonomes Fahren stärker reglementiert werden, Waymo will Daten behalten und Cruise fährt allen davon – ohne Fahrer. Der Robo-Auto-Wochenrückblick.

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Die letzte Woche stand ganz im Zeichen der Sicherheit. Autonomes Fahren soll den Verkehr vor allem in den Innenstädten optimieren. Mehr Platz, weniger Unfälle, effizientere Fahrweise, kein CO2-Ausstoß. Die Technologie dahinter ist für viele Menschen aber noch immer eine Black Box und schürt Skepsis. Wie sicher sind selbstfahrende Vehikel wirklich?

In den USA richten sich Gewerkschaften und Verbraucherschützer jetzt an die Regierung. Sie wollen mehr Reglementierung. Waymo streitet derweil um seine Daten, während sich Tesla mal wieder für fragwürdige Funktionen rechtfertigen muss. Der Wochenrückblick auf autonomen Fahren.

Waymo streitet mit Verkehrsbehörde um Daten

Die Google-Schwester Waymo klagt gegen die Verkehrsbehörde im US-Bundesstaat Kalifornien. Das California Department of Motor Vehicles (DMV) überwacht das größte Testprogramm für autonomes Fahren in den USA.

Der Blick durch das Cockpit eines autonom fahrenden Trucks.

Waymo testet gern und viel. Daten zur Problembehebung möchte das Unternehmen aber gern für sich behalten. | Bild: Waymo / TTNews

Um daran teilzunehmen und eine entsprechende Lizenz für Tests auf öffentlichen Straßen zu erhalten, müssen die Entwickler detaillierte Berichte über Sicherheitsmaßnahmen abgeben. Die werden anschließend teilweise veröffentlicht.

Laut Waymo stelle dies einen Wettbewerbsnachteil dar. Konkurrenten könnten Einblick in Betriebsgeheimnisse erhalten. Waymo klagt nun gegen eine angeforderte Offenlegung sensibler Daten. Eine schnelle Einigung ist wahrscheinlich. Am 22. Februar steht der nächste Gerichtstermin an.

Ruf nach mehr Reglementierung in den USA

US-Gewerkschaften und ein Anwalt für Verbrauchersicherheit verlangen stärkere Reglementierungen für autonomes Fahren. Die Regierung wird aufgefordert, dafür zu sorgen, dass autonom fahrende Autos wirklich sicher sind, bevor sie die öffentlichen Straßen fluten.

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John Samuelsen, Vorsitzender der Transport Workers Union of America, macht sich Sorgen um Arbeitsplätze und fordert ordnungsgemäße und unabhängige Bewertungen seitens der Sicherheitsbehörden. Cathy Chase, Präsidentin von Advocates for Highway and Auto Safety, plädiert für Mindestleistungsstandards: „Wir müssen wissen, was auf unseren Straßen passiert und der Weg, Sicherheit zu erreichen ist die Regulierung.“

Die Gegenseite sieht das natürlich anders. Autonom fahrende Vehikel seien nicht nur sicher, sie sorgen auch für sicherere Straßen, so die Autonomous Vehicle Industry Association (AVIA). Die Zahl der Verkehrstoten in den USA war 2021 so hoch wie seit fünfzehn Jahren nicht mehr.

Eigentlich soll die neue Technologie für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen und die Zahl der Kollisionen deutlich reduzieren. Laut Waymos Studie verhindert autonomes Fahren schon heute tödliche Unfälle. Noch fühlen sich US-Bürgerinnen und Bürger aber wohl nicht sicher in der Gegenwart von Künstlicher Intelligenz.

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Quelle: Businesslive / Reuters

Tesla Full-Self Driving: Immer noch Probleme mit Phantom-Bremsungen

An der öffentlichen Skepsis zur Sicherheit von autonomen Fahrsystemen dürfte ein Unternehmen nicht ganz unschuldig sein: Tesla. Die kombinierten Fahrassistenzsysteme und die dazugehörige Beta-Software des Konzerns werden als „Autopilot“ und „Full Self-Driving“ vermarktet, was man als dezent irreführend bezeichnen könnte.

Ein Fahrer filmt eine autonome Fahrt mit einem Tesla und Full Self-Driving Beta Version 10.

Teslas Full Self-Driving Beta 10 hatte Probleme mit dem Erkennen von Warnschildern. | Bild: AI Addict (YouTube)

Zuletzt zeigte sich Teslas Full Self-Driving Beta 10 beständig unbeständig und ignorierte gelegentlich Warnschilder. Auch nach weiteren Updates kann von einem sicheren autonomen Fahrsystem gemäß der SAE-Norm keine Rede sein. FSD ist immer noch fehleranfällig und bekommt seine Phantom-Bremsungen nicht in den Griff. Dabei bremst das Fahrzeug bei Highway-Geschwindigkeiten ohne ersichtlichen Grund ab.

Laut der Washington Post seien die Beschwerden über unangebrachte automatische Bremsvorgänge in den letzten Monaten gestiegen. Zudem stimmte Tesla diese Woche unter dem Druck von Aufsichtsbehörden zu, eine FSD-Funktion zu deaktivieren. Sie soll es Fahrzeugen ermöglicht haben, Stopp-Schilder bei niedrigen Geschwindigkeiten zu überfahren, ohne vorher zum Stillstand zu kommen. Keine gute Woche für Full Self-Driving.

In Schweden wird eine Sehprüfung für Robo-Autos entwickelt

Die Antwort nach der Art der Reglementierung könnte vielleicht bald aus Schweden kommen. Laut TechCrunch konnte sich das Start-up Annotell knapp 24 Millionen US-Dollar an Investorengeldern sichern. Annotell stellt eine Plattform bereit, die es Entwicklern von autonomen Fahrsystemen ermöglicht, ihre Technologien umfassenden Tests zu unterziehen.

Die Analysen sollen unter anderem die Qualität der erhobenen Verkehrs- und Umgebungs-Daten wie HD-Karten prüfen und sie gegebenenfalls verbessern können. Mitbegründer und CEO Daniel Langkilde beschreibt Annotells Arbeit als „Sehprüfung für Autos, damit sie ihren Führerschein machen können, so wie man einen Test macht, um festzustellen, ob man fahrtüchtig ist.“

Cruise fährt fahrerlos in San Francisco

Während sich Waymo und Tesla mit Behörden streiten und Gewerkschaften die ganze Branche kritisieren, fährt ein Unternehmen auch ohne schwedischen Sehtest allen davon. Cruise startete diese Woche den ersten fahrerlosen Robo-Taxi-Dienst in den USA. In San Francisco dürfen sich Interessent:innen für eine kostenlose Taxi-Fahrt anmelden und werden ohne Sicherheitsfahrer:in durch die Stadt kutschiert.

Die ersten Fahrberichte von Passagieren waren laut Cruise durchweg positiv. Zwar fühlte sich das Fahrerlebnis ohne Fahrer:in für viele surreal an, dennoch seien die Robo-Taxis teils geschmeidiger unterwegs als von Menschen gesteuerte Fahrzeuge. GM-Chefin Mary Barra bezeichnete ihre Test-Fahrt als ein „Karriere-Highlight“.

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