Augmented Reality muss nicht zwingend visuell sein. Digitale Töne, Geräusche und Stimmen können ebenso die reale Umgebung überlagern und bereichern. Genau dieser Idee nahm sich der Audiospezialist Bose an und brachte im Mai die Audio-AR-Brille Frames auf den Markt. Mittlerweile gibt es erste Software für das Gerät.

Ein Beispiel ist das AR-Spiel “The Other” (Deutsch: Die Anderen), das von einem autoritären Überwachungsstaat in der Zukunft handelt. Im Zuge einer kulturellen Revolution durchstreifen gewaltbereite Banden die Straßen, um “Andersartige” und “Nicht-Konforme” zu fangen und, falls nötig, mit Gewalt auf Parteilinie zu bringen.

Als AR-Spieler schlüpft man in die Rolle eines “Anderen”, der, von einem Menschenschmuggler per Funk angewiesen, an den Häschern vorbei in Sicherheit gebracht werden soll.

Die Bose Frames hat in jedem Brillenbügel drei Minilautsprecher für räumliches Audio verbaut sowie Sensoren, die Kopfdrehungen sowie die Blickrichtung erfassen. Mit Hilfe dieser Daten und GPS kann die Brille verorten, wo der Spieler ungefähr steht und in welche Richtung er läuft.

So lotst das Spiel den Nutzer mittels einer 3D-Klanglandschaft und den Anweisungen des Schmugglers an zahlreichen virtuellen Gefahren vorbei durch eine simulierte Stadt. Das Smartphone kann derweil in der Hosentasche bleiben: Das Spiel nutzt lediglich Audio.

Audio als nächstes großes Interface

The Other wurde von Numinous entwickelt, den Machern des Indie-Kunstspiels That Dragon, Cancer und der VR-Erfahrung Untethered. The Other ist im Google Play Store verfügbar und ist nur eine von circa 30 Apps, die derzeit für die Bose Frames veröffentlicht wurden oder noch in  Entwicklung sind.

Ermöglicht wurde sie durch eine finanzielle Förderung seitens Bose. Um Inhalte für die Audio-AR-Plattform zu schaffen, investiert das Unternehmen 50 Millionen US-Dollar in Entwicklerprojekte. In den nächsten Monaten sollen weitere Spiele und Apps erscheinen. Bose nennt auf der offiziellen Seite Beispiele für die Bereiche Navigation, Unterhaltung und Sport.

“Diese Technologie stellt eine weitere Facette der Revolution immersiver Computer dar. […] Wir haben im Smartphone-, VR- und AR-Bereich große Fortschritte in Sachen Interfaces erlebt, aber Audio als Schnittstelle und Eingabemöglichkeit ist noch unterentwickelt”, sagt Numinous Games in einem Interview mit Venturebeat.

Die Bose Frames ist in einer eckigen und abgerundeten Variante bei Amazon erhältlich und kostet 230 Euro. Die Audio-AR-Brille kann auch als Ersatz für Kopfhörer verwendet werden und unterstützt dank eines integrierten Mikrofons Sprachsteuerung per KI-Assistent. Bei Interesse kann man die Brille in einem Bose-Store ausprobieren.

Titelbild: Bose, Quelle: Venturebeat 

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