Augmented Reality: Buchautor warnt vor totaler Überwachung

Augmented Reality: Buchautor warnt vor totaler Überwachung

VR-Pionier und Techjournalist Mark Pesce hat ein Buch über Augmented Reality geschrieben, das vor dem Überwachungspotenzial und dem wirklichkeitsverzerrenden Effekt der Technologie warnt.

Pesce prägte die frühe Geschichte der Virtual Reality: Er gründete Anfang der 90er ein VR-Startup, entwickelte einen kostengünstigen Bewegungssensor für Segas nie erschienene VR-Brille und arbeitete an einer frühen Form des WebVR.

Sein neues Buch mit dem Titel „Augmented Reality“ (Amazon-Link) handelt von den „aufregenden und nutzenbringenden Eigenschaften der Augmented Reality, aber auch von den Problemen und Risiken, die die aufkommende Technologie mit sich bringt.“

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AR wird als eine Technologie beschrieben, die Menschen dadurch prägt, dass sie auf fundamentale Weise gestaltet, was man sieht und hört. „Ist die Realität erst einmal augmentiert, wird sie nie wieder die gleiche sein“, heißt es in der Buchbeschreibung.

Die Bausteine der AR-Technik

Das Buch beginnt mit einem Ereignis im Sommer 2016: Massenaufläufe von Pokémon Go-Spielern in einem Park im australischen Rhodes sorgen für viel Unmut bei der Nachbarschaft. Es kommt zu einer Räumung des Parks durch die Polizei und das Spielestudio Niantic entfernt die Pokéstops des Parks, um weitere Versammlungen zu vermeiden.

„Pokémon Go veränderte das Verhältnis der Spieler zum Raum und deren Verhalten im Raum“, sagt Pesce in einem Gespräch mit der Webseite ARPost, die eine Buchkritik veröffentlicht hat.

Nach der Einführung holt Pesce aus und taucht in die (Kultur-)Geschichte der Augmented Reality ein: Sie beginnt beim antiken Ägypten und endet in der Gegenwart. Der Autor nennt drei Entwicklungen, die das Konzept der Augmented Reality technisch umsetzbar machten: Microsoft Kinect, der Google Maps-Vorgänger Keyhole und das Smartphone.

„Als in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre die drei Schlüsseltechnologien 3D-Scanning, Geodatensätze und kostengünstige, aber leistungsstarke Hardware zusammenkamen, war es zum ersten Mal möglich, voll funktionsfähige AR-Werkzeuge zu entwickeln“, schreibt Pesce.

Der Kampf um die Deutungshoheit

Das restliche Buch sei eher ein kritischer Kommentar zu wichtigen Meilensteinen der AR-Entwicklung, als historischer Rückblick, meint ARPost. Einer dieser Meilensteine ist Microsoft Hololens, ein laut Pesce weltveränderndes Produkt, das so wichtig sei wie der Macintosh und das iPhone. Von da an, meint Pesce, sei alle AR-Hardware Überwachungshardware.

„Wenn Millionen von Menschen ein Gerät im Gesicht tragen, das die Welt erfasst, analysiert und integriert, dann könnten sie unbeabsichtigt dazu beitragen, das umfassendste Überwachungssystem der Menschheitsgeschichte zu schaffen.“

Diese Überwachung treffe die Außenwelt und das Individuum: „AR-Geräte müssen uns lesen, um ihre Illusionen zu kreieren. So werden wir zu einem offenen Buch“, sagt Pesce. Die gesammelte Information könnte genutzt werden, das Verhalten der Menschen zu steuern.

In der vollen Ausbaustufe der Augmented Reality, einer allumfassenden AR-Cloud, sei die Welt und das Internet eins geworden. Hassrede wäre nicht mehr nur auf Facebook und Internetseiten zu finden, sie manifestierte sich in der realen Welt, etwa in Form hasserfüllter Botschaften auf Häuserwänden.

Wenn physische und digitale Information sich überlagern oder eins werden, dann verlagere sich der Kampf um Deutungshoheit in die materielle Realität und werde allgegenwärtig.

Quelle: ARPost, Titelbild: Mark Pesce

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