Nach dem Launch von Pokémon Go im Sommer 2016 reichten genervte US-Bürger eine Sammelklage gegen das Entwicklerstudio Niantic ein. Der Grund: Horden von Spielern, die in private Grundstücke drangen und Lärm oder Schäden verursachten. Nun konnte sich Niantic mit den Klägern einigen und will in Zukunft mehr Verantwortung für seine digitalen Wesen übernehmen.

In der Anklageschrift werden eine Reihe von Vorfällen geschildert. So wären auf einem privaten Anwesen in Florida jeden Morgen hunderte Spieler aufgetaucht, die sich “wie Zombies” verhielten.

Ein New Yorker beschwerte sich, dass große Gruppen über Wochen hinweg sein Grundstück belagerten und dabei Schäden hinterließen. Eine Frau aus Kalifornien gab zu Papier, dass ihr Swimmingpool als Pokéstop diente.

Regeln für die Mixed Reality

Die Einigung sieht vor, dass sich Niantic zu einer Reihe von Maßnahmen verpflichtet, durch die zukünftige Beschwerden eingedämmt werden soll, schreibt The Hollywood Reporter.

Dazu gehören:

  • Das Unternehmen muss in Zukunft auf Reklamationen reagieren, eine “wirtschaftlich angemessene” Lösung für sie finden und diese binnen 15 Tagen mitteilen.
  • Eigentümer von Einfamilienhäusern dürfen die Entfernung eines Pokéstops oder Gyms im Umkreis von 40 Metern ihres Grundstücks verlangen.
  • Niantic muss eine Beschwerdedatenbank führen, um nach Möglichkeit eine unangemessene Platzierung von Versammlungsorten zu vermeiden.
  • Treffen mehr als zehn Spieler an einem Punkt zusammen, erhalten sie automatisch eine App-Mitteilung, die sie auffordert, sich höflich zu verhalten und auf ihre Umgebung Acht zu geben.
  • Niantic muss Bitten von Parks entgegenkommen, sich an deren Öffnungszeiten zu halten.
  • Das Unternehmen hat auf eigene Kosten eine unabhängige Firma beauftragt, die Einhaltung dieser Regeln in den nächsten drei Jahren zu überwachen.

Die Kläger reichten die Einigung beim zuständigen US-Gericht ein. Nun muss der Richter sie noch absegnen.

Heißt der Richter die Einigung gut, erhalten die Sammelkläger von Niantic eine Schadensersatzzahlung von jeweils 1.000 US-Dollar. Das Unternehmen muss außerdem die Anwaltskosten übernehmen, die acht Millionen US-Dollar betragen. Die Anwälte investierten mehr als 2.500 Stunden in den Gerichtsfall.

Ungeklärte Fragen

Der Gerichtsprozess berührt im Kontext real-digital vermischter Orte bedeutende rechtliche Fragen, deren eindeutige Beantwortung aussteht. Zum Beispiel, wem der die reale Welt überlagernde digitale Raum gehört und in welchen Fällen AR-Entwickler die Verantwortung für Konsequenzen übernehmen müssen, die sich aus einer Platzierung digitaler Objekte in der echten Welt ergeben.

In einem anderen Fall klagte ein AR-Entwickler gegen den Landkreis Milwaukee. Der forderte weitgehende Maßnahmen von App-Entwicklern, sofern sie öffentlichen Raum als Spielfläche nutzen. Das zuständige US-Gericht entschied zugunsten des Studios und hielt fest, dass es verfassungswidrig sei, AR-Zonen einzuschränken.

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Titelbild: Zander 7589 (Screenshot bei YouTube)


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