Weshalb Augmented Reality so verdammt hart ist

Weshalb Augmented Reality so verdammt hart ist

Techkonzerne investieren Milliarden in AR-Brillen, dennoch kommt die Technik kaum voran. Warum ist das so?

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Cool und elegant wie eine Ray-Ban-Brille muss sie sein, bequem zu tragen und auf Befehl lebensechte Hologramme in die Umgebung werfen. Und so günstig sein, dass sie sich Normalsterbliche leisten können.

So sieht die Sci-Fi-Brille aus, von der Konzerne wie Meta, Apple und Microsoft träumen und deren Marktstart immer wieder hinausgeschoben wird, weil die dafür benötigte Technologie erst noch erfunden werden muss.

Techbrillen heute sind entweder schlank und schmal und können (fast) keine Augmented Reality, wie die Ray-Ban Stories, oder sie sind so groß und schwer wie das AR-Headset Hololens 2, die im Alltag keinen Nutzen haben. Das ist das grundlegende Dilemma der AR-Brillen.

Sci-Fi-AR: 22 Probleme von der Wirklichkeit entfernt

In einem YouTube-Video spricht der Display-Experte Karl Guttag über die technischen Hürden bei der Entwicklung massentauglicher AR-Brillen. Guttag ist als Skeptiker von AR-Brillen bekannt: Auf seinem Blog begleitet er mit fundierter Kritik die Entwicklungen der Industrie und den AR-Hype der letzten Dekade.

Im Gespräch mit dem Industrieanalysten Brad Lynch präsentiert er eine Liste von 22 Design-Herausforderungen, die Hersteller für AR-Brillen meistern müssen, sofern sie Massentauglichkeit und einen iPhone-Moment der Augmented Reality, anstreben.

Guttags Liste an Herausforderungen bei der Entwicklung massentauglicher AR-Brillen.

Guttags lange Liste an Design-Problemen. | Bild: Karl Guttag

Die Liste liefert eine gute Übersicht der größten Hürden und reicht von harten Problemen der Ingenieurskunst (Größe, Gewicht, Energieverbrauch, Abwärme) über Nachteile aktueller AR-Displays (Bildqualität, Transparenz, Sichtfeld) bis hin zu unbeantworteten gesellschaftlichen Fragen (Datenschutz, Privatsphäre, soziale Stigmatisierung).

AR-Brillen: Eine Prise Pragmatismus

Neben der Zahl technischer Herausforderungen ist es insbesondere deren Verhältnis untereinander, das die Branche vor ernsthafte Probleme stellt. Wurde eine geeignete Lösung für einen oder mehrere Punkte gefunden, wirkt sich diese häufig negativ auf andere Punkte aus.

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Guttag spricht in diesem Zusammenhang von einem mehrdimensionalen Schachspiel, das man gewinnen müsse. Egal, welchen Zug man macht, man kommt vielleicht einem Ziel näher, verliert aber dafür bei einem anderen Ziel.

Der Display-Experte hält perfekte AR-Brillen für unmöglich, aber er hat auch eine gute Nachricht: dass es solche Sci-Fi-Geräte womöglich gar nicht benötigt. Dem überbordenden Hype und hochfliegenden Visionen setzt er Pragmatismus entgegen: AR-Brillen haben eine Existenzberechtigung, wenn man von den Maximalanforderungen abrückt und sich anderen, kleineren Märkten und Anwendungen zuwendet.

So könnten sich Techbrillen weiterentwickeln

Es bedürfe gar nicht eines weiten Sichtfelds und aufwendiger Grafiken, damit AR-Brillen als Produkt überzeugten. Diese Faktoren seien wichtiger für Immersion und Gaming statt alltäglichen Nutzen und sind bei VR-Headsets besser aufgehoben.

Augmented Reality spiele ihre Stärken aus, wenn sie die Umwelt zurückhaltend erweitere und geradezu kärglich sei in ihren Mitteln. Dafür brauche es weniger Highend-Technik. „In Virtual Reality lieferst du alles. In AR willst du so wenig wie möglich liefern“, sagt Guttag im Hinblick auf die visuellen Reize.

Könnte es sein, dass sich Techbrillen erfolgreich in Richtung zweier recht unterschiedlicher Geräteklassen diversifizieren? Zum einen in Mixed-Reality-Headsets, die besonders leistungsfähig und immersiv sind, zum anderen in schlanke und alltagstaugliche AR-Brillen, die die Wirklichkeit nur subtil erweitern und sich auf die Alltagshilfe beschränken.

Die Frage ist, wie groß der Markt für diese Arten von Techbrillen wirklich ist. Denn das eingangs genannte Dilemma löst keines dieser Geräte.

Quellen: Karl Guttags Blog: KGOnTech

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