Virtual Reality-Büro: Entwickler arbeitet seit zwei Jahren nur mit VR-Brille

Virtual Reality-Büro: Entwickler arbeitet seit zwei Jahren nur mit VR-Brille

Paul Tomlinson ist Programmierer und arbeitet seit 2,5 Jahren nur noch mit VR-Brille. Jetzt erzählt er, wie das funktioniert und was es ihm bringt.

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Für den großen Durchbruch muss Virtual Reality aus der Gaming-Nische ausbrechen. Erst wenn VR-Brillen auch für andere Dinge wie Arbeit und Kommunikation eingesetzt werden, wird sich die Technologie auf breiter Basis durchsetzen können.

Klar: Noch sind die Geräte zu klobig, unbequem und das Interface ist zu umständlich, um effektives Arbeiten in VR für Normalverbraucher interessant zu machen. Außerdem fehlt die Produktivsoftware. Doch Virtual Reality steht erst am Anfang ihrer technologischen Entwicklung und in einigen Jahren könnte der Stand der Technik ein ganz anderer sein.

4.500 Arbeitsstunden in VR

Paul Tomlinson sieht sich als Pionier der VR-Arbeit und lässt sich von den gegenwärtigen technischen Unzulänglichkeiten nicht abschrecken. Seit April 2019 arbeitet er Vollzeit in Virtual Reality: 40 bis 50 Stunden die Woche, acht bis zehn Stunden am Tag. Das sind laut seiner Rechnung etwa 4.500 Arbeitsstunden.

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Mit der VR-App Immersed lassen sich Bildschirminhalte in die VR-Brille streamen. | Bild: Immersed

Mit der VR-Brille im Gesicht findet sich Tomlinson in einer virtuellen Gegend seiner Wahl wieder: inmitten eines Sternnebels, auf dem Olymp oder in einer Lagune. Vor ihm schweben riesige Bildschirme, die eine Vielzahl Fenster und Programme gleichzeitig darstellen. Sich durch einzelne Fenster klicken? In Virtual Reality gehört das der Vergangenheit an.

Ein virtuelles Büro nach Maß

Sein virtuelles Büro setzt nicht viel Technik voraus: einen handelsüblichen Laptop, Eingabegeräte und eine Oculus Quest 2 (Test), die ohne externes Zubehör und Kabel auskommt und nur wenige hundert Euro kostet.

Auf dem Laptop sind alle Programme installiert, die Tomlinson zum Arbeiten benötigt. Eines davon streamt die Bildschirminhalte via WLAN in die VR-Brille, die das virtuelle Büro samt den Monitoren generiert.

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Tomlinson nutzt drei virtuelle Bildschirme: einen 300 Zoll (ca. 8 m) großen Hauptbildschirm, einen kleineren Referenzbildschirm, der Details anzeigt und Spotify-Zugriff erlaubt und einen Kommunikationsbildschirm, der Konferenz-Apps, den Kalender, Code-Dokumentation und anderes enthält.

Arbeiten in VR ohne physischen Einschränkungen

In Gänze füllen die drei Bildschirme fast das gesamte Sichtfeld aus und wären in physischer Form nur schwer in einem Arbeitszimmer unterzubringen. Von der aufwendigen Technik, die das Bildschirm Set-up in echt bräuchte, ganz zu schweigen.

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Die virtuellen Bildschirme im Vergleich zu einem physischen Multimonitor-Set-up. | Bild: Paul Tomlinson

Da das virtuelle Büro nicht viel mehr als einen Laptop und eine VR-Brille voraussetzt, kann Tomlinson seinen Traum-Arbeitsplatz überallhin mitnehmen. Einen klassischen Arbeitstisch braucht der Programmierer nicht mehr.

Für seine Arbeit nutzt Tomlinson klassische Eingabemethoden wie Tastatur und Trackball, da VR-eigene Interfaces wie Handtracking und Blicksteuerung noch in den Kinderschuhen stecken.

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VR ist wie ein Noise-Canceling-Kopfhörer für die Augen

Und wie arbeitet es sich in VR? „Mit einem Wort: bequem. Mit ein paar mehr Worten würde ich sagen: produktiv und effektiv“, schreibt Tomlinson.

„Ich kann die Größe des Bildschirms beliebig verändern, neu positionieren und so viel Bildschirmraum hinzufügen oder entfernen, wie ich benötige. Ich muss nie blinzeln oder mich nach vorne lehnen, den Nacken verrenken, nach einem Fenster suchen, das ich gerade geöffnet hatte oder mich abmühen, einen Platz für etwas zu finden. Viele Kompromisse, die ich in der Vergangenheit eingegangen bin, gelten nicht mehr.“

Die komplette Kontrolle über die visuelle Umgebung zu haben, vergleicht Tomlinson mit Noise-Cancelling-Kopfhörern für die Augen. Einen ähnlichen Vergleich bemühte der frühere Oculus-Technikchef John Carmack, der in der Isolation die Superkraft von VR vermutet.

Das VR-Büro hat auch Einschränkungen

Das virtuelle Büro hat nicht nur Vorteile und Tomlinson benennt die Hürden und Probleme: Man könne die echte Umgebung nicht mehr oder nur eingeschränkt wahrnehmen, müsse sich an das Gewicht, das Tragen und Reinigen der VR-Brille gewöhnen, die Raumtemperatur regulieren und viel Zeit darauf verwenden, die Soft- und Hardware kennenzulernen und alles richtig einzustellen. Derzeit ist die Technologie noch sehr sperrig und kompliziert.

In der Realität benötigt das virtuell ausladende Büro nur sehr wenig Raum. Bild: Paul Tomlinson

In der Realität benötigt das virtuell ausladende Büro sehr wenig Raum. | Bild: Paul Tomlinson

Außerdem brauche nicht jede und jeder so viel Platz für Bildschirme oder habe die Möglichkeit, sich für die Arbeit komplett aus der Realität zu verabschieden. Normalverbraucher dürften sich außerdem an der geringen Auflösung, fehlenden Features und dem Formfaktor stören.

VR-Arbeit steht noch am Anfang

Tomlinson weiß, dass der gegenwärtige Stand der Technik nicht für den Mainstream taugt.

„Derzeit befindet sich Virtual Reality im Stadium der 80er-Jahre-Computer: Sie ist eine Attraktion für Geeks und Neuheit für Verbraucher. Das, was kommt, wird ganz anders aussehen als das, was jetzt ist. Und es wird keine weiteren 40 Jahre dauern, bis sie die Welt verändert.“

Tomlinsons Erfahrungsbericht wurde auf dem Blog der VR-App Immersed veröffentlicht, die der Programmierer für sein virtuelles Büro nutzt. Tomlinson arbeitet weder für das Unternehmen, noch wurde er laut eigenen Angaben für diesen Artikel bezahlt. Wer VR-Arbeit selbst einmal ausprobieren möchte, findet im Artikel Tipps zur optimalen Einrichtung eines virtuellen Büros.

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Quelle: Immersed Blog