Update vom 5. Juni:

Die YouTuber von Tested hatten auf der Augmented World Expo 2019 Gelegenheit, Varjos neue XR-Brille auszuprobieren.

Ihr Fazit fällt zwiegespalten aus: Einerseits seien digitale Objekte solide statt semitransparent wie bei Hololens und Magic Leap One. Außerdem sei das Sichtfeld im Vergleich deutlich weiter. Auch die Auflösung der zugrundliegenden Varjo VR-1-Brille sei hervorragend und schlage jedes andere VR-Gerät am Markt.

Andererseits habe man nie das Gefühl, durch die Augenkameras direkt in die echte Welt zu schauen, sondern immer deutlich spürbar auf ein Display. Für eine glaubhaftere Videoübertragung sei unter anderem wohl ein HDR-Display notwendig, das Kontraste beispielsweise bei Sonnenlicht realistischer darstellt.

Hinzu käme, dass man im Vergleich zu AR-Brillen “einen dicken Klotz” im Gesicht trage. Insgesamt sei Durchguck-VR ein interessanter Lückenfüller, bis die technischen Defizite bei offen gebauten AR-Brillen behoben seien.

Die Tester berichten außerdem von leichten Schmiereffekten auf dem Display, die sie unter der XR-Brille als Verzögerung wahrnahmen. In Anbetracht dessen sind sie verwundert, dass Volvo die XR-Brille tatsächlich Testfahrern aufsetzte und sie auf öffentliche Straßen ließ – über eine Stunde lang bei Geschwindigkeiten, “über die wir nicht laut reden”, so ein Varjo-Manager.

Update vom 31. Mai:

Auf der Fachmesse Augemented World Expo 2019 zeigt Varjo mit Partnern die XR-1-Brille als teilweisen Ersatz für Profi-Flugsimulatoren: Der Pilot sitzt an einem interaktiven Nachbau des echten Cockpits, das durch die beiden Augenkameras in die Brille übertragen wird und mit dem er wie im echten Flugzeug interagieren kann. Alles außerhalb des Cockpits ist jedoch virtuell gerendert. Das erspart die aufwendigen Display-Aufbauten herkömmlicher Flugsimulatoren.

Ursprünglicher Artikel vom 29. Mai:

Varjo kündigt Mixed-Reality-Brille XR-1 an

Mit VR-Videodurchsicht will Varjo Unternehmen neue XR-Anwendungsszenarien interessant machen.

Mit der Mixed-Reality-Brille XR-1 verspricht der finnische Brillenhersteller Varjo täuschend echte Augmented-Reality-Effekte: Grundlage ist die hochauflösende VR-Brille VR-1, die durch eine Frontplatte mit zwei Zwölf-Megapixel-Kameras erweitert wird.

Kameras als Augenersatz: Durchsicht-VR bietet ein weiteres Sichtfeld und bessere Grafik als offen gebaute AR-Brillen. Bild: Varjo

Zwei Kameras als Augenersatz: Durchsicht-VR bietet ein weiteres Sichtfeld und bessere Grafik als offen gebaute AR-Brillen. Bild: Varjo

Die beiden Kameras übertragen ein stereoskopisches Bild der Außenwelt in die Brille, wo es dann mit digitalen Elementen erweitert wird. Das funktioniert laut Varjo mit einer Latenz unter 15 Millisekunden. Wie die VR-1-Brille hat XR-1 ein Eye-Tracking-System integriert.

Zusätzlich hat die Brille einen Tiefenscanner verbaut, der bei der 3D-Kartografierung der Umgebung hilft und so realistischere AR-Effekte ermöglicht. Sogar das Wechselspiel von realer Beleuchtung und digitalen Schatten soll visuell korrekt vermischt werden. Digitale Objekte, die hell leuchten, sollen auch die reale Umgebung erhellen und reale Objekte korrekt verdecken.

“Im Gegensatz zu Konkurrenzgeräten, die Mixed Reality mit geisterhaften, semitransparenten Grafiken in einem engen Sichtfeld bieten, ermöglicht XR-1 eine fotorealistische Mischrealität im vollen Sichtfeld”, heißt es bei Varjo vollmundig in der Pressemitteilung. Zweifelsohne ein Seitenhieb auf Microsofts Hololens-Brille oder Magic Leap One.

Ganz der Wahrheit entspricht die Aussage allerdings nicht: Natürlich ist auch das Sichtfeld der XR-1-Brille beschränkt, nämlich auf das Sichtfeld der VR-Trägerbrille VR-1 von circa 90 Grad. Das ist allerdings deutlich weiter als die 35 bis 55 Grad aktueller AR-Brillen – und sicher ein Wettbewerbsvorteil. Und im Gegensatz zu reinen AR-Brillen bietet XR-1 einen schnellen Wechsel zwischen AR- und VR-Modus. Dafür ist das VR-Gerät viel klobiger und sozial isolierend im Vergleich zu AR-Brillen.

Bei Volvo darf man mit der Mixed-Reality-Brille sogar hinters Steuer. Bild: Varjo

Bei Volvo darf man mit der Mixed-Reality-Brille sogar hinters Steuer. Bild: Varjo

Visuelle Qualität: Gut genug für Probefahrten bei Volvo

Viel Vertrauen in die visuelle Korrektheit der Videoübertragung hat der Autobauer Volvo: Für Probefahrten lässt er Angestellte mit der Brille sogar hinters Steuer.

Seit Sommer 2018 benutzt Volvo die Brille für detaillierte Auswertungen des Fahrerverhaltens unter anderem in Fahrsituationen, die mittels Augmented Reality dargestellt werden. Zum Beispiel kreuzt ein digitaler Elch die reale Straße. Das folgende Video zeigt laut Varjo Originalbilder aus der Brille während einer Probefahrt:

Die beiden Videos unten zeigen ein virtuelles Auto, das auf einem realen Parkplatz beziehungsweise in einem Autohaus gerendert wird:

Rund zweieinhalb Jahre Forschung stecken in der XR-Brille, gibt Varjo an. Erscheinen soll das Gerät in der zweiten Jahreshälfte 2019. Der Preis ist noch nicht bekannt. Volvo will zukünftig mehr sein als nur Partner und investiert in das Startup eine nicht genannte Summe.

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