US-Militär: Mit VR gegen Selbstmord und sexuelle Übergriffe

US-Militär: Mit VR gegen Selbstmord und sexuelle Übergriffe

Das amerikanische Militär kämpft nun mit VR-Training statt Powerpoint gegen steigende Selbstmordraten bei Soldaten.

von Nicklaas F. Falb

Wenn der militärische Einsatz von AR und VR bislang an Deals wie den von Microsoft und Hololens denken lässt, so soll in Zukunft die VR-Brille auch erklären, wie mit selbstmordgefährdeten Kameraden umzugehen ist.

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Hohe Anzahl an Selbstmorden innerhalb des US-Militärs

Der im letzten Jahr vom amerikanischen Verteidigungsministerium veröffentlichte „Annual suicide report“ berichtet von 498 Selbstmorden im Jahr 2019 innerhalb der US-Armee. Noch eindrücklicher wird diese Zahl, wenn man einen prozentualen Vergleich anstellt: 83 Prozent aller Tode durch Schusswaffen wurden als Selbstmord verbucht, aber nur 3,5 Prozent im Rahmen von Gefechtseinsätzen.

In der Zeit der COVID-19-Pandemie ist die Zahl der Suizide noch weiter angestiegen und das Militär versucht, die Selbstmord-Prävention, die in Schulungen bislang noch überwiegend mit Powerpoint-Folien durchgeführt wurde, mit VR-Erfahrungen zu ersetzen.

Im Präventionsprogramm des US-Militärs lernen die Teilnehmer jetzt in Virtual Reality, woran man selbstmordgefährdete Kameraden erkennt und wie man mit ihnen richtig umgeht. Für die technische Umsetzung kooperiert die US-Army mit einem externen auf virtuelle Schulungen spezialisierten Unternehmen.

Janis Doss, die Beauftragte für Gewaltprävention der McGuire Air Force Base, auf der die Schulung getestet wird, hofft, dass das neue Trainingsprogramm die Selbstmordraten verringern kann.

Leben retten mit VR

Das 30 Minuten lange VR-Training beginnt mit einem kurzen, allgemeinen Gespräch über Selbstmord mit einem virtuellen Air Force-Mitarbeiter. Danach tritt Tony Dungy auf, ein Vater, der seinen Sohn durch Selbstmord verloren hat. Er erklärt den üblichen Umgang innerhalb der Armee mit gefährdeten Personen.

Danach startet die eigentliche Simulation mit einem computergesteuerten Soldaten als Gegenüber, der sich als suizidgefährdet herausstellt. Der Ablauf ähnelt dabei einem klassischen Adventure-Game: Mittels Multiple-Choice-Verfahren wird der weitere Verlauf des interaktiven Gespräches bestimmt.

Die Auswahl der Dialoge erfolgt mittels Sprachsteuerung. Die Soldaten müssen jeweils einen der drei vorgegebenen Texte laut vorlesen, um die Schulung fortzusetzen. Zum einen soll durch das aktive, laute Aussprechen die Hemmschwelle aufgebrochen werden, die mit solchen Tabuthemen verbunden ist. Zum anderen sollen sich die empfohlenen Dialoge besser einprägen. Von den bisherigen Teilnehmern wird das Programm bislang positiv bewertet.

Weitere VR-Schulungseinheiten sind in Planung und sollen in Zukunft für das Thema „sexuelle Übergriffe“ sensibilisieren. Bislang ist nur bekannt, dass es sich dabei um ein Szenario in einer Bar handeln wird. Das neue Modul geht im Juli an den Start. Die US-Army verwendet Oculus Quest 2 (Test) als VR-Trainingsbrille.

Titelbild & Quelle: Defense.gov, U.S. Air Force, Foto von Nicholas Pilch / New York Times

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