US Army testet Militär-Hololens mit Panzern und im Bodenkampf

US Army testet Militär-Hololens mit Panzern und im Bodenkampf

Microsofts AR-Brille fürs Militär machte bisher primär Negativschlagzeilen. Bei einer Übung zeigt sich die U.S. Army aber zufrieden.

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Nach Berichten über technische Problemen und Budgetkürzungen gibt es zur Abwechslung gute Nachrichten zur Militär-Hololens: Bei einer Einsatz-Vorführung mit Stryker-Schützenpanzern am 24. und 25. August zeigte sich die U.S. Army zufrieden mit Microsofts AR-Brille.

Bei der abschließenden Einnahme eines Hauses in einem städtischen Szenario sei die nötige Truppenstärke für eine solche Mission bereits deutlich geschrumpft, da die Brille die Truppe dank zusätzlicher, stets verfügbarer Missionsdaten effizienter agieren lässt.

Eine Operation dieser Größenordnung hätte zuvor eine größere Personenanzahl in Kompanie-Stärke benötigt, erklärte Phillip Landan im offiziellen Netzauftritt der U.S. Army. In seiner Rolle als „Assistant Program Manager“ leitet er die Integration von „Bodenkampf-Produkten“. Dazu gehört auch Microsoft militärisch modifizierte AR-Brille „IVAS“ (Integrated Visual Augmentation System).

Vorteile im Häuserkampf mit Microsofts AR-Brille

Neuerdings könne auch ein Platoon eine solche Operation durchführen, so Landan. Bei der Abschluss-Präsentation im Bundesstaat Washington wurden das Platoon und seine fünf Schützenpanzer allerdings von zwei bis drei Infanterieregimenten und ein bis zwei Combat-Teams begleitet.

Ein Soldat legt im Häuserkampf mit der AR-Brille IVAS ein Sturmgewehr an.

Die Militär-Hololens „IVAS“ bietet eine transparente Optik, die ein Bild über der realen Umgebung einblendet. | Bild: U.S. Army photo by Spc. Chandler Coats, 5th Mobile Public Affairs Detachment

Die Möglichkeiten seien bei der aktuellen IVAS-Iteration „signifikant“ erweitert worden, erläutert der leitende Netzwerk-Ingenieur Ph.D. David Morris vom Kooperationspartner MITRE Corporation. Im Laufe der Übung sei vor allem mit dem mobilen, skalierbaren MANET-Netzwerk experimentiert worden: Es sendet Daten zur Orientierung an die abgesessenen Soldat:innen an der Front und verbessert so die Kommunikation zu den Fahrzeugen.

Die Umsetzung erinnert an moderne Videospiele. Die AR-Brille zeigt grafische Overlays, Missionsdaten und Nachrichten im Sichtfeld an. Dank Augmented Reality kämen sie neuerdings an Informationen, die zuvor nur dem Kommandoposten vorbehalten waren, statt auf dem Weg zur Mission oft nur sinnlos auf eine Wand zu starren.

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Neue Kameras an den Fahrzeugen sollen die situative Aufmerksamkeit in einem 360-Grad-Radius stärken, so Morris: „Statt nur der Waffenkamera und der relativ kleinen Front- und Heckkameras haben wir auch High-End-Kameras um das komplette Fahrzeug herum, jeweils mit Tag- und Nachtsicht“.

Soldaten können die Videoübertragungen auf ihrer Brille einblenden. So erfahren sie, was gerade auf verschiedenen Seiten des Panzers vor sich geht. Auch eine taktische Karte des weiteren Missionsgebiets können sie aufrufen. Darunter befinden sich Freund- und Feind-Positionen, Navigationsinformationen sowie Thermal- und Nachtsicht in hoher Auflösung.

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„Wenn alle Türen und Luken im Stryker geschlossen sind, kann ich mein Fahrzeug in einem 360-Grad-Rundumblick auf Sprengfallen untersuchen, überprüfen, wo sich meine anderen Fahrzeuge befinden, und ihre Bewegungen überprüfen, und all das war in den letzten zwei Wochen ein großer Vorteil für uns“, sagte Sgt. 1st Class Kyle Williams, dritter Zugführer der Blackhorse Company. „Das verbessert unsere Einsatzfähigkeit erheblich.“

Übung gelungen – trotz Bildschirm-Schwächen?

In anschließenden Umfragen unter Soldaten seien die neuen IVAS-Features gut angenommen worden. Ein Platoon-Leader etwa lobte die bessere Übersicht über seine Soldaten in Form sichtbarer Icons:

„Ich kann Routen planen, ich kann die Mission planen, ich kann grafische Overlays senden, ich kann wortwörtlich mit einer Turn-by-Turn-Navigation arbeiten, ich kann Nachrichten zu den Platoon-Mitgliedern hin- und herschicken“, so 1st Class Kyle Williams.

Die erwähnte Turn-by-Turn-Navigation bezeichnet bei Navigationssystemen die Möglichkeit, im Terrain rechtzeitig auf Richtungs- oder Fahrspurwechsel hinzuweisen.

Zuletzt gab es wiederholt schlechte Nachrichten zu Microsofts Militär-Hololens: Die unreife Technologie, insbesondere Schwächen beim Bildschirm, führten unter anderem zu massiven Einsparungen beim Projektbudget für das kommende Jahr.

Die US-Armee hält jedoch am Projekt fest und kaufte eine erste Charge der initialen Liefermenge von bis zu 5000 Hightech-Kampfbrillen im Gesamtwert von 373 Millionen US-Dollar. Das Gesamtprojekt umfasst ein mögliches Budget von bis zu 22 Milliarden US-Dollar.

Quellen: U.S. Army