Anfang 2016 stand die erste Generation Highend-VR-Brillen in den Startlöchern und der Virtual-Reality-Hype erreichte seinen Höhepunkt. Bis Oculus und HTC den unerwartet hohen Preis ihrer VR-Systeme bekanntgaben. Hätte die VR-Geschichte einen anderen Verlauf genommen, wenn der Preis eher den geschürten Erwartungen entsprochen hätte?

Die naheliegende Antwort auf diese Frage lautet Nein. Oculus und HTC hätten vermutlich ein paar mehr VR-Brillen verkauft, aber würde der VR-Markt deswegen weniger vor sich hindümpeln als heute? Das ist eher zweifelhaft.

Und dennoch frage ich mich des Öfteren, wie sich der Markt entwickelt hätte, wenn Oculus und HTC das Hype-Momentum voll und ganz mitgenommen hätten. Die Probleme der ersten VR-Generation waren noch nicht ins Bewusstsein gerückt so wie in der darauffolgenden Zeit, als sich die VR-Brillen nur schleppend verkauften und man nach den (zahlreichen) Ursachen der Marktmisere suchte.

Im Lichte des Hypes

Umständlicher Aufbau, wenig gute Software, geringer Nutzerkomfort: Gut möglich, dass die meisten der potenziellen Käufer, die vom Hype-Fieber angesteckt waren, gar nicht darüber wussten oder wissen wollten. Vielleicht wären solche Zweifel von der allgemeinen Begeisterung übertönt worden, die ja im Rückspiegel betrachtet wirklich bizarr erscheint.

Wie verzerrt die Wahrnehmung war, sieht man an nichts so gut wie an den Preisen, die Facebook und HTC anfänglich aufriefen. Für Oculus Rift wurden zum Launch 599 US-Dollar fällig (699 Euro in Deutschland) – und das mit Gamepad statt Oculus Touch. Die 3D-Controller kamen erst Ende des Jahres auf den Markt und machten das Produkt noch kostspieliger (fast 1.000 Euro). Für ein Vive-System mit 3D-Controllern verlangte HTC zum Marktstart 799 US-Dollar (899 Euro in Deutschland).

Die hohe Bepreisung legt nahe, dass Facebook und HTC in Sachen Verkaufserfolg eine gewisse Zuversicht hatten und glaubten, dass eine breite Käuferschicht bereit wäre, diesen Preis zu zahlen. Dem war offensichtlich nicht so.

Oculus-Manager räumt Fehler ein

Nach mehreren Preissenkungen reduzierte Facebook den Preis von Oculus Rift und Touch Anfang 2019 dauerhaft auf 349 US-Dollar. Das entspricht der ursprünglichen Preisschätzung des Oculus-Gründers Palmer Luckey und wohl dem, was Standard-Gamer 2016 zu zahlen bereit gewesen wären, um in die Virtual Reality reinzuschnuppern.

Selbst Oculus-Manager Jason Rubin räumte vor kurzem ein, dass der Originalpreis der Oculus Rift “nicht akzeptabel” gewesen sei und fügte hinzu, dass die Preissenkungen eine “massive Verkaufssteigerung” zur Folge gehabt hätten – jedoch ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Wahrscheinlich hätte sich Oculus Rift besser verkauft, wenn Facebook mit einem geringeren Preis an den Start gegangen wäre. Denn Anfang 2016 war die öffentliche Wahrnehmung der Virtual Reality eine andere – voller Erwartung, mit Spannung, irgendwie aufgeregt. Die VR-Brille wäre zwar mit einem niedrigeren Startpreis nicht aus der Nische herausgewachsen, aber möglicherweise Mark Zuckerbergs Ziel, zehn Millionen Nutzer in die Virtual Reality zu holen, ein gutes Stück näher gekommen.

Was meint ihr? Hätten tiefere Preise und stärkere Subventionen den Markterfolg beschleunigen können? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!

Titelbild: Oculus

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