Zombiespiele gibt es viele – doch The Walking Dead: Saints & Sinners ist anders. Wie anders, klären wir im Test.

Dieses Jahr erwarten uns gleich zwei VR-Spiele aus dem Walking-Dead-Universum. Das Survival-Spiel „The Walking Dead: Saints and Sinners“ (TWD:SS) von Skydance und der Coop-Titel „The Walking Dead Onslaught“ von Survios. Doch während Survios’ Spiel noch immer keinen festen Release-Termin hat, ist TWD:SS da und ich habe es getestet.

Im Test erfahrt ihr, wie viel Survival im Spiel steckt, ob dabei auch eine gute Geschichte erzählt wird und ob die Entwickler das alles in eine glaubwürdige VR-Erfahrung verpacken.

(Zombie)Flut in New Orleans

Die Geschichte von TWD:SS beginnt etwa drei Jahre nach einem Zombie-Ausbruch im überfluteten New Orleans. Ihr spielt den „Touristen“, der auf der Suche nach Ressourcen und Abenteuern auf einen alten Mann trifft. Der erzählt von einem Bunker mit einer großen Hilfslieferung für zehntausende Menschen. Er schlägt euch einen Deal vor: 50 Prozent, wenn ihr ihm helft.

Über die Stadt herrscht „The Tower“, eine ordnungsliebende Macht, die mit harter Hand für ihr Überleben kämpft. Ihnen gegenüber stehen „The Reclaimed“, die dem Tower nicht länger die Macht überlassen wollen. Zwischen den Stühlen: Diejenigen, die sich keiner Gruppierung anschließen – die „Exiles“.

Gleich am Anfang geht es erstmal auf den Friedhof. Nett!

Gleich am Anfang geht es erstmal auf den Friedhof. Nett! BILD: Skydance

Story: Kleine Welten, große Entscheidungen

TWD:SS ist kein Zombiespiel, es ist ein Spiel über Menschen in einer Zombie-Apocalypse. Damit orientiert sich Entwickler Skydance klar an Comics, TV-Serie und auch Telltales Videospielumsetzungen.

In einer Situation suche ich in einem Haus nach einem mechanischen Bauteil. Der Boss des Hauses könnte mir helfen, wenn ich seinen Bruder von den Reclaimed befreie. Dort angekommen erfahre ich mehr über die Hintergründe und werde vor eine Entscheidung gestellt: Bekämpfe ich die Reclaimed oder richte ich den Bruder hin?

Immer wieder gibt es schwere Entscheidungen zu treffen. Die hervorragende englische Vertonung, stimmungsvolle Musik und glaubwürdig gestaltete NPCs helfen zusätzlich, in die Welt abzutauchen.

Das Spiel stellt euch vor eine harte Entscheidung: Tötet ihr diesen Mann?

Töten oder nicht töten, das ist hier die Frage. BILD: Skydance

Jedes Level ist ein kleiner Stadtteil, in dem es neben einzusackenden Ressourcen die Haupt- und eine Reihe Nebenquests gibt. Wie ihr die löst liegt bei euch: Ihr könnt alle Konflikte wild schießend beenden oder euch lautlos bewegen und wo notwendig mit einem gezielten Hieb einen Zombie oder Überlebenden ausschalten.

Wer laut ist, findet sich schnell umzingelt, wer leise ist, muss sich durch kaputte Wände quetschen oder Dachrinnen hochklettern. Größere Zombie-Ansammlungen sind besonders gefährlich: Da hilft es, sich mit Zombieeingeweiden einzuschmieren und für eine Weile Zombie zu spielen.

Innerhalb der Level finden sich häufig Stützpunkte der rivalisierenden Gruppen. Die gehen nicht zimperlich miteinander um: Bei einem meiner Ausflüge sehe ich eine Überlebende gegen Zombies kämpfen, die kurz danach von einer anderen Gruppe Überlebender kaltgemacht wird. Das erinnert ein wenig an Fraktionskämpfe, wie wir sie etwa aus den Fallout-Titeln kennen.

Nachts oder in Häusern wird es schnell gruselig - selbst mit Sturmgewehr.

Nachts oder in Häusern wird es schnell gruselig. Da hilft auch das Sturmgewehr nur bedingt. BILD: Skydance

Survival in The Walking Dead: Saints & Sinners

TWD:SS ist ein Survival-Spiel: Ihr müsst regelmäßig essen, um eure Ausdauer wiederherzustellen und euch von Krankheiten heilen. Bei Verletzungen wickelt ihr hastig Bandagen um den virtuellen Arm  und eure Waffen gehen nach einer Weile kaputt.

Also seid ihr ständig auf der Suche nach Klebstoff, vergammelten Süßigkeiten, Feuerzeugen oder anderem Schrott. Den könnt ihr in eurem Bus – dem Hub-Bereich des Spiels – in seine Einzelteile zerlegen und dann über das vielfältige Crafting-System euren Charakter aus- und aufrüsten.

Bessere Schuhe für mehr Ausdauer? Ein gesunder Eintopf? Ein paar Klebebomben? Ein stabiler Baseballschläger? Oder gleich ein Sturmgewehr? Da ihr nur eine begrenzte Anzahl Gegenstände in eurem Rucksack tragen könnt, müsst ihr euch entscheiden was ihr mitnehmt.

Ihr könnt allerhand Waffen und Ausrüstung bauen. Stehts an eurer Seite: Ein praktisches Notizbuch in dem alle Quests, Notizen und Karten gespeichert sind.

Ihr könnt allerhand Waffen und Ausrüstung bauen. Stehts an eurer Seite: Ein praktisches Notizbuch, in dem alle Quests, Notizen und Karten gespeichert sind. BILD: Skydance

Von eurem Bus aus fahrt ihr per Boot in die verschiedenen Stadtteile, wo ihr Hauptquests erledigt und benötigte Ressourcen sammelt. Wenn sich der Tag dem Ende nähert, tauchen größere Mengen Zombies auf und es wird gefährlich auf der Straße. Das ist ein guter Zeitpunkt, zurück zu euren Bus zu schippern und dort den nächsten Tag zu beginnen.

Aber aufgepasst: Jeden Tag werden die verfügbaren Ressourcen etwas weniger und die Zombies mehr.

Gute VR-Mechaniken, gutes VR-Spiel

TWD:SS hat Survival-Aspekte, die nicht nervig sind, eine gute Story mit harten Entscheidungen und ist zum Glück auch noch ein gutes VR-Spiel. Die Entwickler haben ihre Hausaufgaben gemacht und liefern ein durchdachtes Interface, ausbalancierte Kämpfe, viele Komfortfunktionen und einen hohen Grad an Interaktivität.

Eure virtuellen Hände bleiben an Wänden, Zombies und Überlebenden hängen – ohne wie in Boneworks (Test) euren eigenen, virtuellen Körper wegzudrücken. Schraubenzieher fühlen sich leichter an als Äxte und große Waffen lassen sich nur mit zwei Händen verwenden.

Steckt eure Waffe in einem Zombieschädel, müsst ihr sie wieder herausziehen – das kann im Zombiegemenge schnell wertvolle Zeit kosten. Und wer nicht ordentlich ausholt, wird überrannt.

Das Spiel bietet neben diversen Nahkampfwaffen ein ansehnliches Arsenal an Schusswaffen. Doch die sind nie übermächtig.

Das Spiel bietet neben diversen Nahkampfwaffen ein ansehnliches Arsenal an Schusswaffen. Doch auch die sind nie übermächtig. BILD: Skydance

Viele Aktionen führt ihr per Hand aus, drückt Knöpfe, dreht Regler und öffnet Türen. Gegenstände könnt ihr aus etwas Entfernung in eure Hände fliegen lassen. Notizen und Flyer müsst ihr nicht lesen – sie sind alle mit Sprachausgabe versehen. Fürs Craften wählt ihr Rezept-Zettel von einer Wand aus und wählt auf ihnen eine gut leserliche Option aus. Niemals wird es fummelig – auch bei vielen Optionen.

Doch es gibt auch zwei seltsame Versäumnisse: TWD:SS bietet aktuell keine Teleport-Funktion und ducken lässt sich nur per Knopfdruck. In meinem Test blieb mein Charakterkopf stehts auf der gleichen Höhe – egal ob ich stand, saß oder lag.

Aktuell können nur PC-Spieler New Orleans besuchen. Im ersten Quartal 2020 soll dann eine Playstation-VR-Version veröffentlicht werden. Mittlerweile ist auch bekannt, dass es eine Version für die Oculus Quest (Test) geben wird – inklusive Cross-Buy. Wer sich also die Rift-Version im Oculus Store kauft, kann voraussichtlich im dritten Quartal auch auf der Quest losziehen.

Test-Fazit zu The Walking Dead: Saints & Sinners

Skydance liefert mit The Walking Dead: Saints & Sinners den ersten VR-Kracher des Jahres. Die atmosphärische Welt erzählt spannende Geschichten, das Crafting-System ist motivierend und Umgebung und Charaktere fühlen sich lebendig an. Das Spiel setzt auf glaubwürdige, physikbasierte Interaktionen, egal ob ihr klettert oder kämpft.

Wer also keine absolute Aversion gegen das Zombie-Genre hat, sollte sich den Titel anschauen. Denn der Blick lohnt sich: TWD:SS bietet einen für VR-Titel ungewohnten Grad an Feinschliff, der mich positiv in die Zukunft der VR-Games blicken lässt.

Ihr solltet The Walking Dead: Saints & Sinners spielen, wenn ihr …

  • Walking-Dead-Fans seid,
  • Survival-Spiele mit Story liebt,
  • gern schwere Entscheidungen trefft und
  • von Tech-Demos genug habt.

Ihr solltet The Walking Dead: Saints & Sinners nicht spielen, wenn ihr …

  • nichts mit brutalen Videospielen anfangen könnt,
  • Zombies blöd findet,
  • keine Horror-Elemente vertragt und
  • Inventar-Management verabscheut.

The Walking Dead: Saints & Sinners könnt ihr hier kaufen

Unterstützte GerätePlattformPreis
Oculus Quest (via Oculus Link), Oculus Rift (S)Rift Store33,99 Euro
Valve Index, HTC Vive (Pro), Oculus Rift (S), Windows MRSteam33,99 Euro

Letzte Aktualisierung am 12.02.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

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