Bei der Techdemo “Agency” für Oculus Quest kommt Googles spezielles Mobile-VR-Renderverfahren “Seurat” zum Einsatz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Googles VR-Renderverfahren “Seurat” funktioniert ähnlich wie Photogrammetrie: Eine 3D-Szene wird anhand von Fotos nachgebaut. Zuerst wird die 3D-Szene dafür digital abofotografiert. Anschließend wird aus diesen Aufnahmen dieselbe 3D-Szene wie eine Pappkulisse in Hollywood nachgebaut.

Der Foto-Nachbau benötigt nur einen Bruchteil der Rechenleistung der vollständig gerenderten 3D-Szene. Dafür zeigt er allerdings nur die für die Kamera sichtbaren grafischen Details, keine vollwertige 3D-Welt. Das folgende GIF veranschaulicht das Prozedere.

Googles Vorzeige-VR-App für Seurat ist das Daydream-Spiel “Blade Runner Revelations”, das in der Tat deutlich detaillierter aussieht als andere Mobile-VR-Anwendungen. Grafisch reicht es an einen einfache PC-Titel heran.

Laut Google konnten die Entwickler des Spiels die Polygon-Anzahl dank Seurat von 46,6 Millionen auf 307.000 reduzieren. Die Performance soll um den Faktor 100 steigen bei gleicher Grafikqualität.

Google machte mit Seurat sogar die VR-Vorzeige-App “Earth VR” auf Lenovo Mirage Solo lauffähig – leider nur als Demo. Auch der interaktive Quest-VR-Film “Vader: Immortal” nutzt stellenweise Seurat.

Seurat für Oculus Quest hat Potenzial

Der VR-Entwickler Blair Renaud (Technolust) rendert mit Seurat in der Techdemo “Agency” für Mobile-VR-Verhältnisse grafisch anspruchsvolle Cyberpunk-Szenen. Im folgenden Video habe ich sie einmal für euch durchlaufen.

Mit Agency testete Renaud, ob sein PC-VR-Spiel Technolust auf die mobile VR-Brille Oculus Quest portiert werden kann. Oculus bekundete Interesse an dem Port.

Leider kommt er vorerst nicht zustande, da der Aufwand insgesamt so hoch gewesen wäre, dass Renaud ein komplett neues, entsprechend finanziertes Projekt nur für die Portierung hätte starten müssen. In die Agency-Demo steckte er ein paar Tage Arbeit, “hauptsächlich, um Seurat zu verstehen”.

“Ich probiere es vielleicht noch mal, aber vorerst konzentriere ich mich auf mein neues PC-Spiel LOW-FI”, sagt mir Renaud. Der inoffizielle Nachfolger zu Technolust startet im Sommer bei Kickstarter.

Eingeschränkter Bewegungsbereich

Technisch gibt es bei Seurat noch einen Haken: Da die 3D-Szene wie eine Pappkulisse aus digitalen Fotos zusammengesteckt ist, kann sie nur in einem eingeschränkten Trackingbereich betrachtet werden.

Verlässt man diesen, also wirft sozusagen einen Blick hinter die Kulissen, sieht man die unvollständig gerenderte Rückseiten der 3D-Szene.

Laut Renaud könnte mit Seurat dennoch eine vollwertige VR-App für Oculus Quest mit guter Grafik programmiert werden. Dafür müsse man allerdings den Bewegungsbereich des VR-Brillenträgers auf circa zwei Quadratmeter einschränken. Möglich wäre das zum Beispiel mit Teleport-basierter Fortbewegung an vorgesehene Stellen wie bei Googles Blade-Runner-Spiel mit Seurat-Technologie.

Renaud hat bei YouTube ein Tutorial-Video für die Seurat-Programmierung eingestellt.

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