Eure nächste OP könntet ihr in VR „verschlafen“

Eure nächste OP könntet ihr in VR „verschlafen“

Kann Virtual Reality Patient:innen die Angst bei Operationen nehmen und Beruhigungsmittel sparen? Eine Studie deutet darauf hin.

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Neue Technologien halten auch in der Medizin Einzug. Chirurgen trainieren in VR oder bereiten sich auf komplexe Operationen vor, etwa die Trennung siamesischer Zwillinge. Doch auch Patient:innen sollen künftig von VR-Brillen im OP profitieren.

Operationen, etwa an den Gliedmaßen, werden üblicherweise mithilfe einer Teilnarkose durchgeführt. Ärzte blockieren dabei lokal einen Nerv, die Patient:innen bleiben jedoch während des chirurgischen Eingriffs bei vollem Bewusstsein.

Damit sie keine Angst- oder Panikattacken während der OP haben, werden sie mit Beruhigungsmitteln in einen Dämmerzustand versetzt. Das hat manchmal unerwünschte Nebenwirkungen.

Verhindert VR Angst im Operationssaal?

Professor Adeel Faruki von der University of Colorado School of Medicine muss als Anästhesist ständig die Schmerzen, aber auch die Ängste von Patient:innen im Griff haben. Die meisten Beruhigungsmittel seien sicher, sagt er, jedoch verlangsamen sie unter anderem die Atmung und erhöhen den Blutdruck.

Für eine Studie untersuchte Faruki mit einem Forscherteam 40 Patient:innen, die sich einer Operation an der Hand unterziehen mussten. Die Idee: Warum lenken wir die Patient:innen nicht mit Virtual Reality ab und verringern dadurch ihre Angst bei geringerem Einsatz von Beruhigungsmitteln?

Die Ergebnisse der Studie aus Colorado sind bemerkenswert. Im Vergleich zu Patient:innen, die herkömmlich sediert werden, kommen bei jenen, die während einer Operation Virtual-Reality-Inhalte in einer VR-Brille ansehen und mit Kopfhörern von den Umgebungsgeräuschen abgeschottet sind, deutlich weniger Beruhigungsmittel pro Stunde zum Einsatz.

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Knapp die Hälfte der Menge des Narkosemittels Propofol konnte bei der Studie eingespart werden. Zum allgemeinen Wohlbefinden während der OP stellten die Proband:innen keine signifikanten Unterschiede zwischen VR oder herkömmlicher Sedierung fest.

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VR auch in deutschen Krankenhäusern

Auch in deutschen Operationssälen hält VR Einzug. Im Klinikum Fichtelgebirge schauen Patient:innen während einer Operation Filme. Mit der VR-Brille sollen sich Patient:innen bei Eingriffen mit Teilnarkose entspannen, erklärt der Klinik-Standort Marktredwitz in Oberfranken.

Patient:innen können aus verschiedenen Kinofilmen wählen, etwa Mission Impossible mit Tom Cruise. Weiterhin sind auch klassische Konzerte im Angebot. Welche App zur Darstellung in VR verwendet wird, ist nicht bekannt. Nach einer Testphase und positiven Rückmeldungen soll Virtual Reality dauerhaft an Standorten der Klinik-Gruppe eingesetzt werden.

Auch in Großbritannien wird VR bereits in Krankenhäusern bei OPs erfolgreich eingesetzt.

Studie: VR im Operationssaal mit Vorteilen

Für die Forschenden in Colorado ist klar: VR im OP-Saal hat große Vorteile, nicht nur zur Beruhigung. Während Patienten im Dämmerzustand keine hilfreichen Rückmeldungen zu ihrem Befinden geben können, ermöglicht die VR-Brille Kommunikation zwischen Ärzt:innen und Patient:innen.

Beispielsweise kann die verbleibende Dauer der OP über in die VR-Brille eingeblendete Textnachrichten mitgeteilt oder das Befinden direkt abgefragt werden, berichtet Faruki. In Zukunft wollen die Forschenden ältere Patient:innen bei Hüft-Operationen in die Virtual Reality schicken – für sie sind die Nebenwirkungen von Beruhigungsmitteln gefährlicher als für junge Menschen.

Quellen: University of Colorado, BR