Das Pokémon-Go-Studio Niantic kennt euren Kalorienverbrauch bei “Harry Potter: Wizards Unite” – und noch ein bisschen mehr.

Im Sommer brachte Niantic nach Pokémon Go mit Harry Potter das zweite Mega-Franchise als AR-Spiel auf die Straßen: Wie beim Überhit Pokémon Go erkunden Spieler mit dem Smartphone in der Hand ihre Umgebung auf der Jagd nach digitalen Monstern und Schätzen.

Nun ist neben dem Spielebetrieb ein weiteres Ziel von Niantic, die Augmented-Reality-Cloud zu entwickeln, ein detailliertes 3D-Koordinatensystem unserer Welt. Dafür muss das Unternehmen, klar, Daten sammeln.

Die Webseite Kotaku hat jetzt mehr als 25.000 Datensätze untersucht, die von zehn Spielern von Niantic-Spielen stammen. Die Spieler forderten die Herausgabe ihrer Daten nach der europäischen Datenschutz-Grundverordnung. Niantic übergab die Daten an die Spieler, diese dann an die Webseite.

Harry Potter trackt mehr Orte als Pokémon Go

Die Datensätze zeigen, dass Niantic die von einem Spieler während des Spiels zurückgelegte Wegstrecke kennt, die Werbung, mit der er interagiert, sowie den wahrscheinlichen Kalorienverbrauch während einer Spiele-Session.

Diese Karte konnte anhand der Ortsangaben in einem einzelnen Datensatz von Wizards Unite erstellt werden. Bild: Kotaku

Diese Karte konnte anhand der Angaben in einem einzelnen Datensatz von Wizards Unite erstellt werden. Die blauen Punkte sind Zeitstempel mit Ortsdaten. Bild: Kotaku

In jedem Datensatz ist außerdem eine lange Ortsliste mit Breiten- und Längengrad samt Zeitstempel angegeben. Interessant ist, dass Niantic den Datenzufluss bei Harry Potter erhöht hat: Wizards Unite legt durchschnittlich rund drei Ortseinträge pro Minute an, bei Pokémon sollen es nur circa 1,5 sein.

Ein mittlerweile behobener Software-Fehler sorgte bei einem Spieler dafür, dass Ortsdaten sogar dann stündlich übermittelt wurden, wenn das Spiel nur im Hintergrund lief.

Bewegungsmuster lassen Rückschlüsse auf den Alltag zu

Ein Höchstwert bei Wizards Unite betrug 13 Ortseinträge innerhalb einer Minute und 2304 Einträge innerhalb von fünf Tagen. Kotaku konnte anhand der Ortsdaten bei einzelnen Spielern erfolgreich Muster identifizieren und daraus Rückschlüsse auf den Alltag ziehen.

Die Rekonstruktion eines Wizards-Unite-Spaziergangs in Google Maps lässt Rückschlüsse auf das Leben des Spielers zu. Video: Kotaku

Konkret konnten der Arbeitgeber und die Wohnadresse korrekt ermittelt werden, der Arbeitsweg, das tägliche Programm sowie das Essverhalten, wenn zum Beispiel häufiger ein Zwischenstopp bei einem Fast-Food-Restaurant eingelegt wurde.

Ebenso ist es möglich, Rückschlüsse aus Änderungen im Verhaltensmuster zu ziehen: Wenn zum Beispiel ein typischer Spaziergang durch den Weg zu einer Apotheke ersetzt wird, dann ist wahrscheinlich der Spieler oder jemand in seiner Familie erkrankt.

Niantic teilt laut eigenen Angaben keine Daten einzelner Spieler mit Dritten. Diese bekämen die Daten nur in Form von aggregierten Statistiken zu sehen, beispielsweise wie viele einzelne Spieler einen bestimmten Spielort aufsuchten. Die Daten würden außerdem so verarbeitet, dass sie nicht mit einzelnen Personen verbunden werden könnten.

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