Pistol Whip kombiniert das VR-Rhythmusspiel mit John-Wick-Geballer. Geht die Spielspaßformel auf?

Viele Nachahmer zu haben, ist vielleicht das beste Anzeichen dafür, dass man etwas richtig gemacht hat. Für den VR-Superhit Beat Saber gilt das ohne Zweifel. Von Synth Riders, über Audica (Test), bis hin zu Pistol Whip: Sie alle versuchen, den Erfolg der bei VR-Spielern äußerst beliebten Lichtsäbelei mit spielmechanischen Neuerungen zu wiederholen.

Pistol Whip setzt dabei auf John Wick statt Star Wars: Im Spiel bewegt man sich durch Kulissen in cooler Digitalästhetik und pustet im Rhythmus aggressiver Elektromusik Gegner ins Datennirvana.

Je genauer man den Beat und den Gegner trifft, desto mehr Punkte gibt es. Auf Bestenlisten kann man sich mit Freunden und anderen John Wick-Möchtegerns messen.

Pistol Whip: Nichts für Bewegungsmuffel

Pistol Whips Spielprinzip ist so einfach wie effektiv und von Cloudhead Games (The Gallery, Aperture Hand Labs) sehr gut umgesetzt. Das zeigt sich daran, dass dem Spielfluss von Anfang an nichts im Wege steht.

Fitte Spieler haben bei Pistol Whip eindeutig Vorteile, denn das Spiel setzt viel Beweglichkeit voraus: Im Sekundentakt muss man physischen Hindernissen und Kugeln ausweichen. Für Couch-Potatoes ist Pistol Whip jedenfalls nicht gedacht.

Dann schon eher für Menschen, die in der Virtual Reality regelmäßig Fitness betreiben, auch wenn Beat Saber und Box VR (Test) hier wohl physisch fordernder sind. Das VR Health Institute hat den Fitnessfaktor von Pistol Whip noch nicht eingestuft.

Pistol Whip bietet zum Start zehn Songs oder “Szenen”, wie die Entwickler sagen. Die kann man in drei Schwierigkeitsgraden durchspielen. In höheren Stufen erscheinen mehr Gegner, die mehr Kugeln vertragen.

Wem auch das zu einfach ist, kann die sehr großzügige Zielhilfe per Spielmodifikator abschalten. Das hebt den Schwierigkeitsgrad auf eine neue Stufe. Um die Bestenliste zu knacken, muss man die Zielhilfe ohnehin abschalten. Denn nur wer eigenständig zielt, erhält die maximale Zahl an Punkten.

Pistol Whip kombiniert das Rhythmusspiel mit John-Wick-Geballer. Geht die Spielspaßformel auf?

Für Ehrgeizige gibt’s die Bestenlisten. BILD: Cloudhead Games

Hübscher Grafikstil ohne Wow-Momente

Wie bei Rhythmusspielen üblich, geht aber auch Pistol Whip erst richtig ab, wenn man die Musik und den Spielablauf samt auftauchender Gegner verinnerlicht hat: Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto eher spürt man die Musik und den Flow.

In Pistol Whip bewegt man sich von selbst geradeaus durch leicht variierende Umgebungen. Auf die Geschwindigkeit und Richtung hat man keinen Einfluss. Trotz automatisierter künstlicher Fortbewegung wurde mir beim Testen nicht schlecht. Spieler mit empfindlichen Mägen müssen dennoch einschätzen, ob sie mit der automatisierten Bewegung klarkommen.

Der schrille Digitalstil der Grafik gefällt, wirkt unter der VR-Brille jedoch weniger beeindruckend als in den knalligen Spieltrailern. Visuelle Abstraktion hin oder her: Aus dieser Optik hätte man zumindest für PC-VR-Brillen mehr herausholen können. Die Oculus Quest-Version diente offenbar als Entwicklungsgrundlage, was man dem Titel beim Spielen mit Oculus Rift S und Co. ansieht.

Langzeitmotivation? Entwickler verspricht Custom Songs

Cloudhead Games will dem Spiel regelmäßig kostenlose sowie Gratis-Szenen spendieren. Unterstützung für Custom Songs soll ebenfalls kommen.

Die Frage ist nur, in welcher Form: Es wird ganz sicher schwieriger sein, ein Custom Level für Pistol Whip zu erstellen als beispielsweise für Beat Saber, zumal die Umgebungen, die Position der Gegner und ihre Angriffmuster ebenfalls von Hand arrangiert werden müssen.

Pistol Whip kombiniert das Rhythmusspiel mit John-Wick-Geballer. Geht die Spielspaßformel auf?

In höheren Schwierigkeitsgraden muss man kühlen Kopf bewahren. BILD: Cloudhead Games

Bis es so weit ist, müssen Spieler mit den zehn Szenen und Spielmodifikatoren vorlieb nehmen. Letztere bringen wie bei Beat Saber etwas Abwechslung ins Spielgeschehen. So kann man beispielsweise in beiden Händen eine Pistole halten oder ganz ohne Munition spielen.

Musik ist bekanntlich Geschmackssache und das gilt auch für den Pistol Whip-Soundtrack, der ganz auf Elektro setzt. Wer zuerst in die Musik reinhören möchte, findet den von Kannibalen Records zusammengestellten Soundtrack bei Spotify.

Fazit: Gelungene Rhythmusballerei mit Luft nach oben

Die Grundlagen für ein gutes Rhythmusspiel hat Cloudhead Games gelegt. Jetzt muss das Studio zeigen, dass sie die Rhythmusballerei am Leben erhalten und langfristig weiterentwickeln können. Denn was Inhalte betrifft, ist noch viel Luft nach oben.

Ein direkter Vergleich mit Beat Saber ist nicht möglich, dafür spielen sich die Titel zu unterschiedlich. Generell gilt jedoch: Wer VR-Bewegungsspiele mag und viel Zeit mit Beat Saber und Audica verbringt, der wird auch an Pistol Whip Freude haben.

Pistol Whip ist im Oculus Store für Oculus Quest und Oculus Rift (S) für 22,64 Euro und bei Steam und Viveport für HTC Vive, Vive Cosmos, Oculus Rift (S), Valve Index und Windows Mixed Reality für 21 Euro erhältlich.

Pistol Whip ist für etwas für euch, wenn

  • ihr euch gerne bewegt,
  • ihr elektronische Musik mögt,
  • ihr euch wie John Wick fühlen wollt.

Pistol Whip ist nichts für euch, wenn

  • ihr am liebsten auf der Couch Virtual Reality spielt,
  • ihr den Hype um Beat Saber und Co. nicht nachvollziehen könnt,
  • ihr keine Allmachtfantasien habt.

Letzte Aktualisierung am 10.12.2019 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

Titelbild: Cloudhead Games

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