Moss 2 Test: Des Meisterwerks zweiter Teil

Moss 2 Test: Des Meisterwerks zweiter Teil

Das VR-Spiel Moss: Book 2 bringt eine neue Story, clevere Mechaniken und ganz viel Herz. Wer es nicht gespielt hat, hat (erneut) VR verpasst.

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Es gibt Spiele, die prägen einen Menschen. Damals, als ich noch jung war, hießen die Gothic oder Baldur’s Gate. Sie weckten meine Liebe für Videospiele und das hält bis heute an.

2016 erweiterte Virtual Reality meinen Games-Horizont um spannende Erfahrungen. Ich war von Beginn an überzeugt von VR und konnte das Potenzial buchstäblich „sehen“. Doch erst Ende 2018 bekam ich meine persönliche Killer-App für VR: Moss zeigte in Vollendung, dass VR eben nicht First-Person sein muss, dass es weit mehr gibt als Zombie- und Rail-Shooter.

Vier Jahre später ist mit Moss: Book II der Folgetitel erschienen. Schafft Polyarc es wieder, Spielende zu verzaubern?

Moss 2 Review in aller Kürze: Endlich bist du wieder da, Quill!

Moss 2 ist einer von vier VR-Titeln, die ich am Stück durchgesuchtet habe (Moss, Hellblade: Senua’s Sacrifice VR, Half-Life: Alyx.) Sieben Stunden lang begleitete ich die kleine Heldin Quill – zwischendurch sagte mir meine Frau mal „zur Info“ die Zeit an. So gut hat es mich in die VR-Welt von Moss gezogen.

Die Geschichte ist ausgezeichnet (auch auf Deutsch) erzählt – Erzählerin Marianne Graffam macht einen fantastischen Job.  Moss 2 ist die Fortführung der Story des ersten Teils mit behutsamen Erweiterungen des Gameplays. Das macht es so stark: Anstatt irgendwelche Gimmicks einzubauen oder komplett neue Mechaniken zu implementieren, vertraut das Spiel auf Story, fantastische Protagonistin, berührende Momente, grandiose Level und teils knifflige Puzzles.

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Moss und Moss: Book II sind absolute Pflichttitel für VR und perfekt dazu geeignet, anderen Menschen die enormen (Storytelling-)Möglichkeiten von VR zu demonstrieren.

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Hinweis: Moss 2 gibt es derzeit nur für Playstation VR.

Ihr solltet Moss 2 spielen, wenn ihr …

  • Eine PSVR besitzt,
  • den ersten Teil bereits wundervoll fandet und Quill vermisst habt,
  • fantastische Welten und Levels in VR erleben wollt,
  • euch an verschwenderisch detailreichen Kulissen sattsehen sowie
  • clevere Puzzles lösen möchtet und
  • Bosskämpfe gegen riesige Gegner in VR bestreiten wollt.

Ihr solltet Moss 2 eher nicht spielen, wenn ihr …

  • Nichts mit Diorama- oder Tabletop-VR anfangen könnt,
  • ein komplett anderes Spiel als Teil 1 erwartet,
  • euch die immer gleichen Gegner langweilen oder
  • anstelle eines Herzens einen Stein habt.

Eine Geschichte mit Herz

Als Leser nehme ich eine besondere Rolle in der Welt Moss ein: Ich bin eine Art übergeordnetes, ätherisches Geistwesen, das eine besondere Bindung zur kleinen Mäusedame Quill hat. Sie kann mich wahrnehmen und ich kann ihr helfen.

Quill sucht nach unserem ersten gemeinsamen Abenteuer weiter nach ihrem Onkel Argus. Der ist ziemlich mitgenommen, weshalb sich Quill nun selbst auf die Suche nach fünf sagenumwobenen Relikten macht, die die Welt Moss vor der Vernichtung durch die Geheimnisvollen bewahren sollen. Auf der anderen Seite: Wenn die Relikte den Fieslingen in die Krallen geraten, ist „Aus die Maus“.

Die Geschichte wird erneut von Erzählerin Marianne Graffam in deutscher Sprache hervorragend vertont. Einige Überraschungen erwarten mich: Die Story hat Wendungen und ich werde nicht mehr ausschließlich linear von Level zu Level geführt. Einige Levelbereiche kann Quill erst später betreten, wenn ich die entsprechende Fähigkeit gelernt habe. Dazu gehört unter anderem ein Dash über Abgründe, die Fähigkeit, Ranken wachsen zu lassen, an denen Quill hochklettern kann oder mit einem Geisterhammer bestimmte Trigger-Punkte auszulösen.

Moss 2: Knifflige Puzzles und grandioses Leveldesign

Zu Beginn sind die Puzzles recht simpel – erfordern jedoch immer genaues Hinschauen. Später muss ich sogar buchstäblich um die Ecke denken. Wo muss ich Geisterhammer und Quill platzieren, bevor ich den Hammerschlag auslösen kann? Die Lösung eines Gebiets-Puzzles löst jedes Mal Euphorie aus – nicht nur bei mir, auch bei Quill, die Siegestänzchen aufführt oder mir ein High Five gibt. Im Rahmen der Geschichte gibt es zudem einige wirklich herzergreifende Moment, die die Bindung zwischen mir und Quill deutlich verstärken.

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Die kleine Maus Quill im Schloss im VR-Spiel Moss 2

Die Umgebungen und Räume in Moss 2 sind enorm detailliert. | Bild: Polyarc

Besonders beeindruckt hat mich – erneut – das Leveldesign. Wer gern und viel über detailreiche Umgebungen staunt, bekommt überreichlich geboten. Darunter sind einige Szenarien, die sofort den Wunsch auslösen, ein richtiges Rollenspiel der Marke Baldur’s Gate oder Divinity: Original Sin in solchen VR-Levels erleben zu dürfen.

Dieser Wunsch wird durch die leider seltenen, aber umso beeindruckenderen Interaktionen zwischen Quill und anderen NPCs, etwa ihrem Onkel Argus, verstärkt. Ich kann aus Spoiler-Gründen nicht ins Detail gehen – aber wer diese feinen Animationen in 3D gesehen hat, will nicht wieder zurück zu einer flachen Darstellung am PC-Monitor.

PSVR beweist Komfort und nervt beim Tracking

Für so lange VR-Sessions ist doch ein VR-Headset viel zu unbequem, oder? In diesem Fall nicht: Ich habe sieben Stunden lang mit der PSVR gespielt – und dieses mittlerweile technisch veraltete VR-Headset ist dank der hervorragenden Kopfhalterung weiterhin unglaublich bequem. Allerdings bleibt das Leucht-Tracking des DualShock-Controllers ein Ärgernis und versagt gern an den Rändern des Tracking-Kegels.  Die Kabelkonstruktion kann ebenfalls nur als höchst nervig beschrieben werden. Das wird sich mit Playstation VR 2 ändern – und Sonys kommende VR-Brille setzt ebenfalls auf die höchst bequeme und bewährte Kopfhalterung.

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Es braucht viel mehr solcher VR-Spiele, denn sie bieten nahezu grenzenlose Möglichkeiten für immersives Storytelling. | Bild: Polyarc

Moss 2 beweist, dass diese Art VR-Spiel weiterhin völlig unterschätzt und unterrepräsentiert ist und dass Virtual Reality deutlich mehr und deutlich umfangreichere Inhalte dieser Art verdient. Klar, dazu muss noch einiges geschehen, auch bezüglich der Marktdurchsetzung von VR. Doch der Punkt ist zum zweiten Mal gemacht: Moss 1 und 2 sind mehr als überzeugende Statements für das Genre der Diorama- oder Tabletop-Spiele.

Etwas Kritik habe ich am Ende doch. Dreimal musste ich das Spiel neu laden, weil Quill feststeckte oder die VR-Sicht sich verschoben hatte. Technisch – abgesehen von den bereits angesprochenen Problemen der PSVR-Plattform – lief sonst alles bestens. Mir fehlte in den Kämpfen die Möglichkeit für eine Ausweichrolle oder einen Ausweichsprung. Gegen Ende hatte ich zudem das Gefühl, dass die Story etwas abrupt endete – und damit meine ich nicht die gewollte Dramaturgie. Außerdem hätte ich mir gewünscht, einige der Zwischenszenen, die über die Illustrationen im Buch erzählt wurden, wären zum Zusehen im Spiel umgesetzt worden.

Moss 2 Test-Fazit: Hinreißend, spannend, clever

Klar, man muss diese Art Spiel schon mögen, um es so enthusiastisch zu sehen wie ich. Aber selbst wenn ihr nicht so sehr auf das Genre abfahrt, zeigen euch die Details, die Animationen und das exzellente VR-Handwerk, was mit Virtual Reality noch alles möglich ist. Die Kulissen sind wahre Augenöffner und laden immer wieder zum Staunen ein.

Natürlich ist Quill weiterhin der unumstrittene Mittelpunkt. Ob sie sich ärgert, feiert, trauert oder einfach nur versucht, Hinweise auf die Lösung eines Puzzles zu geben – es gibt wenig Videospielcharaktere, die so liebenswert sind und sich so nachhaltig in meine Erinnerungen gespielt haben wie diese Maus. Da wiegt es doppelt und dreifach schwer, dass sich das Ende des Spiels wie ein Abschied anfühlt.

Moss 2 baut gekonnt auf allem auf, was den ersten Teil groß gemacht hat. Polyarc hat das VR-Spiel mit Fingerspitzengefühl weiterentwickelt und nicht versucht, auf Teufel komm raus irgendwelche fancy Features reinzuquetschen – etwa Sprachsteuerung oder ein Beute-System. Ich finde behutsame Weiterentwicklung generell besser, zudem das Rad nicht immer neu erfunden werden muss. Oft reicht es völlig aus, einfach eine gute Fortsetzung zu machen.

Das ist auch hier der Fall und mich hat es rundum begeistert. Moss I und II sind für mich prägend für VR, so wie mich damals Baldur’s Gate am PC fürs Gaming prägte. Ich freue mich schon auf eine neue Runde, dann mit der Playstation VR 2. Muss nur noch Sony in die Gänge kommen.