In den USA rollt Mercedes-Benz im großen Stil Hololens AR-Brillen für die Autoreparatur aus. Auch Toyota setzt die Technik für die Entwicklung und Wartung von Autos ein.

Exakt 383 Händler in den USA stattet Mercedes-Benz mit Hololens-2-Brillen aus: Mittels Fernwartung über einen digitalen Videoscreen sowie durch Reparaturanleitungen, die direkt in 3D auf Autobauteile projiziert werden können, soll die AR-Technik Autoreparaturen vereinfachen und beschleunigen.

Der umfangreiche Hololens-Rollout folgt auf einen Test mit 13 Händlern, der wiederum als Reaktion auf die Corona-Pandemie im Frühjahr startete. Die Fernwartung per Brillenkamera sowie die digitalen Anleitungen sollten Spezialisten die Reisen in die Werkstätten ersparen.

Fernwartung per AR hilft während der Corona-Pandemie, auch auf Distanz kollaborativ am Auto zu arbeiten. | Bild: Microsoft

Fernwartung per AR hilft während der Corona-Pandemie, auch auf Distanz kollaborativ am Auto zu arbeiten. | Bild: Microsoft

Wenn der Händler eine Reparatur am Auto nicht selbst vornehmen kann, wird für gewöhnlich ein Experte des jeweiligen Herstellers kontaktiert, der dann persönlich anreist und den Fehler behebt. Diese Anreise fällt bei AR-Fernwartung weg: Trägt der Mechaniker vor Ort eine Hololens-Brille, kann der Spezialist über die Kameras der Brille das Auto aus der Ich-Perspektive des Mechanikers begutachten.

Der Spezialist sieht über die AR-Brille den Motor aus Perspektive des Mechanikers. | Bild: Mercedes-Benz, Microsoft

Der Spezialist sieht über die AR-Brille den Motor aus Perspektive des Mechanikers. | Bild: Mercedes-Benz, Microsoft

Der Mechaniker sieht den Spezialisten dabei gleichzeitig in einem Videochat-Fenster und kann gemäß seiner Anweisungen handeln. Zusätzlich kann der Spezialist dem AR-Brillenträger visuelle Hinweise in das Sichtfeld zeichnen, beispielsweise ein wichtiges Bauteil einkringeln.

AR in der Autoindustrie: Auch Toyota setzt auf Hololens

Ähnlich wie Mercedes-Benz verwendet auch Toyota Augmented Reality mit Hololens für die Entwicklung und Wartung von Autos. Beispielsweise kann eine Luftstromanalyse digital direkt auf das Auto gelegt und von mehreren Ingenieuren mit vernetzten Hololens-Brillen gemeinsam besprochen werden.

Eine weitere AR-Simulation zeigt das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten im Motor, beispielsweise bei der Beschleunigung oder beim Abbremsen, ohne dass der Motor dafür laufen muss.

Auf ähnliche Art kann die elektronische Verkabelung des Autos durch die Karosserie sichtbar gemacht werden. Außendiensttechniker von Toyota sollen so den Verlauf der Bordnetze visualisieren, ohne dafür Autoteile abmontieren zu müssen.

AR-Brille mit KI: Die Künstliche Intelligenz guckt mit

Zuletzt soll eine mit KI-Software ausgerüstete Hololens 2 bei der Fehlerfindung helfen: Toyotas Ingenieure trainierten ein auf visuelle Erkennung spezialisiertes neuronales Netz mit 20.000 von Experten kommentierten Motorfotos. Für die Kommentierung der Fotos fielen etwa 200 Arbeitsstunden an – im alten Prozess.

In einem neuen Prozess erstellte Toyota automatisiert einen kommentierten Datensatz anhand eines realistischen 3D-Modells des Autos. Die notwendigen, diesmal synthetischen Daten für das KI-Training sollen so nach 30 Minuten zur Verfügung gestanden haben – die Entwicklung des 3D-Modells nicht eingerechnet.

Durch das Bildertraining lernte die KI, typische und leicht zu übersehende Fehler im Motor zu erkennen. Über die Hololens-Kameras hat die KI den Motor im Blick und weist den Hololens-2-Träger während einer Wartung oder Reparatur auf mögliche Probleme hin. Im folgenden Video erkennt die KI, dass der Ölstandsanzeiger unsachgemäß installiert ist, und hebt ihn für den Brillenträger in roter Schrift hervor.

Quellen: Microsoft, Unity

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