Das Londoner Start-up MelodyVR kauft den Musikstreaming-Dienst Napster und will so einen Musik-Dienst der nächsten Generation erschaffen. Wie soll das aussehen?

In einer Ankündigung auf der eigenen Webseite gibt MelodyVR die Übernahme des Musikstreaming-Diensts Napster bekannt. Napster erlangte als illegale Download-Plattform Ende der Neunziger eine gewisse Berühmtheit, operiert aber nun schon lange im legalen Musik-Streaming. Mit der Zusammenführung der immersiven VR-Konzerterlebnisse von MelodyVR und dem Streaming-Dienst soll ein “Next-Generation”-Musik-Service entstehen.

MelodyVR schnürt hohes zweistelliges Millionen-Paket

Das Nasdaq-Unternehmen RealNetworks besitzt derzeit 84 Prozent der Anteile an Rhapsody International, das als Napster firmiert. Für den Kauf von Rhapsody schnürt MelodyVR ein Gesamtpaket von insgesamt 70 Millionen US-Dollar. Das soll aus rund 15 Millionen US-Dollar und MelodyVR-Aktien im Wert von 11 Millionen US-Dollar bestehen.

Zusätzlich übernimmt MelodyVR 44 Millionen US-Dollar an noch ausstehenden Zahlungsverpflichtungen an verschiedene Unternehmen aus der Musikindustrie. Dabei dürfte es sich unter anderem um Lizenzgebühren für die Nutzung der Musikkataloge der Rechteinhaber handeln. Im Zuge der Übernahme soll Napster eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von MelodyVR werden.

Was ist eigentlich MelodyVR?

MelodyVR ist eine kostenlose App, mit der ihr beispielsweise auf der Oculus Quest (Test) Live-Musik in VR erleben könnt. Derzeit bietet die App Konzerte von Künstlern wie Imagine Dragons, 2Chainz oder dem London Symphony Orchestra an.

In Festival-Gigs oder VIP-Performances springt der Nutzer über mehrere Jump-Spots an verschiedene Stellen des Konzertsaals und erlebt den Auftritt so vom Publikumsbereich bis hin zur Bühne. Auch Napster produziert neben dem Kerngeschäft Musik-Streaming eigene Live-Konzerte.

Mit der Integration von Napster will MelodyVR laut eigener Aussage “den Weg für einen einzigartigen Musik-Dienst ebnen, der sowohl eindrucksvolle Live-Auftritte als auch Musik-Streaming bietet.” Vorerst sollen beide Dienste als unabhängige Unternehmen weitergeführt werden. Genaue Details zur Umsetzung des neuen Angebots sind noch nicht bekannt.

Risikogeschäft Musik-Streaming: Auch Branchenführer Spotify macht Verlust

Napster war zwar im vergangenen Quartal mit 23,3 Millionen US-Dollar das umsatzstärkste Segment von RealNetworks, fuhr aber dennoch einen Betriebsverlust von zwei Millionen US-Dollar ein. Das dürfte an den hohen Kosten liegen, die Musikstreaming-Dienste zu tragen haben. Kaum einer wirft derzeit regelmäßig Gewinn ab.

Vor allem die gewaltigen Tantiemen und Lizenzgebühren, die sich Plattenlabels für ihre Musikkataloge zahlen lassen, bremsen den Profit. Dazu kommt die große Konkurrenz, angeführt von Branchenprimus Spotify. Im ersten Halbjahr 2019 war Napster laut Statista nicht unter den Top-8-Anbietern zu finden, gemessen an zahlenden Abonnenten.

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Ein weiteres Problem der Branche ist, dass sich immer noch viele Nutzer mit der kostenlosen, werbefinanzierten Version der Streaming-Apps zufriedengeben. Marktführer Spotify hatte im vierten Quartal 2019 insgesamt 271 Millionen Nutzer, davon 124 Millionen zahlende Premium-Abonnenten.

Diese Quote reichte nicht aus, um schwarze Zahlen zu schreiben. Trotz des guten Wachstums – die Zahl der Premium-Nutzer stieg um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr –  blieb im Geschäftsbericht ein Nettoverlust im Gesamtjahr von 186 Millionen US-Dollar stehen.

Was war noch mal Napster?

Napster war ursprünglich eine Peer-to-Peer-Musiktauschbörse und um die Jahrtausendwende für einen erdrutschartigen Wandel in der Musikindustrie verantwortlich. Die hatte den digitalen Siegeszug der MP3 völlig verschlafen und setzte weiterhin stur auf CDs als Hauptmedium für Musik.

Über die Napster-Server konnten Nutzer ihre in MP3-Dateien umgewandelten Songs und Alben kostenlos untereinander tauschen. Während Napster immer populärer wurde, mussten die großen Musikkonzerne herbe Verluste einfahren. 2001 war Napster nach langwierigen Rechtsstreitigkeiten allerdings gezwungen, seinen Dienst wegen Urheberrechtsverletzungen einzustellen.

Später gründete sich Napster als Musikstreaming-Dienst neu und wurde 2011 von seinem Konkurrenten Rhapsody aufgekauft, einer Tochtergesellschaft von RealNetworks. 2017 wurden beide Dienste vereint und laufen seitdem unter dem Namen Napster.

Titelbild: Napster / Rhapsody International, Quelle: MelodyVR, Geekwire

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