Display-Experte Karl Guttag hatte Gelegenheit, den Prototyp einer neuen, vielversprechenden AR-Brille zu testen: Lumus Maximus. Er zeigt sich beeindruckt von der Qualität des Displays.

Lumus ist ein israelisches Unternehmen, das seit mehr als zwanzig Jahren optische Systeme und Wellenleiter für AR-Brillen entwickelt. Seit 2016 sicherte sich das Unternehmen mehr als 50 Millionen US-Dollar Investitionskapital für Forschung und Entwicklung.

Auf dem Papier besitzt der neueste Lumus-Prototyp namens Maximus beeindruckende technische Eigenschaften: Ein LCOS-Mikrodisplay projiziert ein aus 2.048 mal 2.048 Pixeln bestehendes Bild in die Umgebung mit einer maximalen Leuchtdichte von mehr als 3.000 Nits. Zum Vergleich: Hololens 2 nutzt ein laserbasiertes Display, löst mit 1.280 mal 854 Bildpunkten auf und bietet eine Helligkeit von circa 500 Nits. Beide Geräte setzen auf Wellenleiter-Optik: Microsoft auf diffraktive Wellenleiter mit hohem Brechungsindex, Lumus auf reflektierende Wellenleiter, die eine besonders hohe Bildqualität liefern.

Das Sichtfeld ist bei beiden Geräten ähnlich: Die Lumus Maximus kommt auf diagonale 50 Grad (im Seitenverhältnis 1:1), während Hololens 2 auf 52 Grad kommt (im Seitenverhältnis 3:2).

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Dieses Vergleichsbild zwischen Lumus Maximus und Hololens 2 zeigt die Unterschiede in Sachen Bildformat und Bildqualität. Man beachte die uneinheitliche Farbwiedergabe und Helligkeit beim Hololens-Display. Auf Karl Guttags Blog sind bessere Bilder verfügbar, auf denen die Unterschiede in der Auflösung besser sichtbar sind.  | Bild: Karl Guttag

Formfaktor ist nicht final

Der als scharfer AR-Kritiker bekannte Display-Experte Karl Guttag, der auf seinem Blog Hololens 2 und viele andere AR-Brillen auf Herz und Nieren prüfte, konnte den Lumus-Prototyp ausführlich testen. In seinem Test vergleicht er das Display mit dem der Hololens 2, also mehr als zwei Jahre alter Technologie.

Microsofts Gerät gilt als fortschrittlichste AR-Brille, die man derzeit kaufen kann, hat laut Guttag jedoch ein “schreckliches Display”. Der Industrieveteran kritisiert unter anderem die niedrige Auflösung, die uneinheitliche Farbwiedergabe und das Bildflackern des Microsoft-Geräts. Die Display-Messlatte liegt folglich nicht besonders hoch.

Guttag betont, dass die Maximus ein Prototyp ist, der im Gegensatz zur Hololens 2 nur aus dem Brillenrahmen und Display besteht. Trackingkameras für Raumerfassung fehlen ebenso wie die Recheneinheit und Batterien. Betrieben wird der Prototyp von einem Zuspieler, der mit einem Kabel mit der AR-Brille verbunden ist. All das soll sich beim Endprodukt ändern.

Guttag erwartet, dass der derzeitige Formfaktor nicht eingehalten werden kann und dass das finale Gerät eher Hololens 2 als einer herkömmlichen Brille gleichen wird.

Maximus: Bislang bestes Wellenleiterdisplay?

Guttag ist begeistert von der Kombination aus LCOS-Display und reflektierendem Wellenleiter: Die AR-Brille biete ein kontrastreiches, weit höher aufgelöstes Bild mit satten, einheitlichen Farben und hoher Helligkeit.

Dank letzterem kann der Maximus-Prototyp sehr viel mehr natürliches Licht durchlassen: Während die Nreal Light (Test) mehr als 70 Prozent und Hololens 2 circa 60 Prozent des einfallenden Lichts blockt, lässt die Lumus-Brille circa 85 Prozent Licht durch. Das führe dazu, dass man die Augen des Brillennutzers sehr viel besser durch das Glas erkennt. Guttag schätzt, dass der Maximus-Prototyp viermal so transparent ist wie Hololens 2. All das bei einer kleineren optischen Engine und Wellenleitertechnik.

Lumus_Maximus_vs_Hololens_2_Glow

Die Bildprojektion der Hololens 2 erzeugt einen grusligen Cyber-Look, bei dem die Augen des Brillenträgers fast vollständig verschwinden. Bei der Lumus Maximus ist dieser Effekt stark abgeschwächt. Das Endprodukt soll nur noch ein Prozent des Lichts reflektieren. | Bild: Karl Guttag

In seinem Fazit schreibt Guttag, dass der Prototyp “großen Wow-Faktor” habe. Das Bild sei in Sachen Einheitlichkeit, Farbwiedergabe und Helligkeit zwar nicht perfekt, aber weitaus besser als bei jedem anderen Wellenleiter-Display, das er bislang ausprobieren konnte.

Lumus hat laut Guttag den Endverbrauchermarkt im Blick. Die offene Frage sei, ob Lumus das Display zu einem erschwinglichen Preis und in genug hoher Stückzahl produzieren kann, da reflektierende Wellenleiter recht komplex in der Herstellung sind. Für die Produktion hat Lumus eine Partnerschaft mit dem deutschen Glashersteller Schott geschlossen, einem Tochterunternehmen der Carl Zeiss AG.

Den kompletten Maximus-Test mit allen technischen Details findet ihr auf Karl Guttags Blog KGonTech.

Titelbild: Lumus

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