Intel bemüht sich um Linseninnovation für eine VR-Brille. Sie gelingt in Ansätzen, hat aber noch Probleme.

Die Physik steht der VR-Branche wie ein Prellbock im Weg: Für mehr Immersion sollen die Geräte technischer werden, mehr Hardware im Gehäuse wie Eye-Tracking oder bewegliche Displays, und noch dazu muss das Sichtfeld weiter werden gegen den Taucherbrilleneffekt.

Auf der anderen Seite steht der Nutzerkomfort: Noch größere, klobigere Brillen helfen der Marktentwicklung nicht. Schon die aktuelle Generation findet nur bei Tech-Enthusiasten Anklang. Wenn schon ein Computer im Gesicht, dann sollte man ihn wenigstens kaum oder besser gar nicht spüren.

180 Grad bei schmalem Formfaktor

Die besondere Herausforderung beim VR-Brillenbau ist das optische System. Speziell die Eigenschaften von Linsen sind im Grunde erforscht und bieten Ingenieuren wenig Spielraum.

Intel-Forscher versuchen sich jetzt an einer Linseninnovation, bei der viele Micro-Linsen zu einer kurvigen Linse verklebt und dann vor zwei kurvige Displays platziert werden. Das Computerbild muss speziell für diese Linsenkonstruktion gerendert werden, damit die Darstellung möglichst verzerrungsfrei gelingt.

Kurvige Micro-Linsen vor kurvigen Displays sollen für mehr Sichtfeld bei einem dennoch kompakten Formfaktor sorgen. Bild: Intel

Kurvige Micro-Linsen vor kurvigen Displays sollen für mehr Sichtfeld bei einem dennoch kompakten Formfaktor sorgen. Bild: Intel

Der Prototyp erreicht laut der Intel-Forscher einen mit aktuellen VR-Brillen vergleichbaren Formfaktor bei einem Sichtfeld von circa 180 Grad. Im Vergleich zu einem Pimax 5k+, die ebenfalls ein Sichtfeld von bis zu circa 180 Grad erreicht, sei der Intel-Prototyp nur circa halb so groß.

Im Vergleich zum optischen System von Pimax ist der Intel-Prototyp kompakter. Mit Verzerreffekten haben beide Systeme zu kämpfen. Bild: Intel

Im Vergleich zum optischen System von Pimax ist der Intel-Prototyp kompakter. Mit Verzerreffekten haben beide Systeme zu kämpfen. Bild: Intel

Prototyp hat noch grundlegende Probleme

Leider überwinden auch die Intel-Forscher physikalische Grenzen nicht ohne weiteres. Entsprechend hat das Linsen-Design neben den zuvor erwähnten Vorteilen einige Nachteile, die nicht ohne sind. So reduziert der Micro-Linsen-Ansatz die Displayauflösung beim Prototyp um circa 65 Prozent.

Die Sichtbox der Linse für scharfes, unverzerrtes Sehen ist noch schmaler als bei aktuellen VR-Brillen. Verzerreffekte werden durch die vielen kleinen Linsen betont. Hinzu kommt, dass das aktuelle Design für Brillenträger ungeeignet ist.

Das aufwendige Linsenmodul besteht aus vielen kleinen, miteinander verbundenen Linsen. Bild: Intel

Das aufwendige Linsenmodul besteht aus vielen kleinen, miteinander verbundenen Linsen. Bild: Intel

Die Forscher sind zuversichtlich, dass diese Probleme mit weiterer Forschung und höheren Investitionen gelöst werden könnten. Ihre Arbeit habe bewiesen, dass der vorgestellte Ansatz im Kern funktioniere. Die Probleme des Prototyps seien zum Teil mit dem vereinfachten Herstellungsprozess zu erklären.

“Wir hoffen, dass diese vielversprechenden Ergebnisse neue Ansätze zur Überwindung der aktuellen Probleme mit VR-Displays anregen und schneller zu einer größeren Akzeptanz von VR führen”, heißt es im Forschungspapier. Auf der Fachkonferenz IEEE VR 2020 wurde es mit einem Best-Paper-Award ausgezeichnet.

Unklar ist, ob Intel direkt die Weiterentwicklung übernimmt: Nachdem der Konzern zunächst signifikant in VR und AR investierte, stoppte er schon 2017 ein vielversprechendes Mixed-Reality-Experiment. Seitdem ist es still geworden um XR-Hardware aus eigener Herstellung.

Mehr zur Forschungsarbeit steht auf der offiziellen Projektseite.

Via: Reddit

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