HP Reverb G2 Reviews: So urteilen die Tester

HP Reverb G2 Reviews: So urteilen die Tester

Erste Reviews zur HP Reverb G2 zeigen, ob die neue Windows Mixed Reality VR-Brille die hohen Erwartungen erfüllen kann. Wie urteilen die Tester international?

Im Mai stellte HP seine Weiterentwicklung der HP Reverb offiziell vor. Aus der Zusammenarbeit mit Microsoft und Valve sollte die „nächste Generation VR-Brille ohne Kompromisse“ entstehen. Die HP Reverb G2 bietet mit einer Auflösung von 2.160 x 2.160 Pixeln pro Auge eines der schärfsten Bilder auf dem VR-Markt.

Zwei zusätzliche Kameras sollen das Tracking-Volumen erweitern und neue Controller das Spielerlebnis verbessern. Valve liefert zudem seine offenen Spatial-Sound-Ohrhörer, die schon bei der Valve Index für hervorragenden Klang sorgten.

Noch müssen sich VR-Enthusiasten hierzulande gedulden, um sich selbst ein Bild von der HP Reverb G2 machen zu können. Lieferprobleme seitens HP führen zu Verzögerungen bei der Auslieferung, Neubesteller bekommen ihr Gerät voraussichtlich erst im nächsten Jahr. Einige Tester haben ihr Exemplar allerdings schon erhalten – so urteilen sie über Reverb G2.

Road To VR: Hervorragende Grafik, akzeptables Tracking

Ben Lang von Road To VR attestiert der G2 eine beeindruckende Schärfe, mit der HP die Konkurrenz deutlich auf die Plätze verweise. Im Zusammenspiel mit einem de facto nicht existenten Fliegengitter-Effekt wirke das VR-Erlebnis mit der G2 realer als bei den meisten anderen VR-Brillen (Vergleich). Die scharfe Darstellung führe zu einer überzeugenderen stereoskopischen Tiefe.

https://www.youtube.com/watch?v=Bxp9xxgEfak

Lang stellt fest, dass die Reverb G2 wegen der Fresnellinsen noch immer Probleme mit sogenannten God rays (Lichtspiegelungen in der Linse) habe. Das Sichtfeld von 114 Grad fühle sich an wie auf der Oculus Quest 2, die bei etwa 90 Grad liegt. Bei der Einstellung des Linsenabstandes käme es zu unangenehmen Verzögerungen. Es dauere etwas, bis die Software auf den Schieberegler reagiere.

Die Klettbänder der HP Reverb G2 würden sich nicht immer so dehnen, wie sie sollten und es manchmal schwierig machen, die richtige Spannung einzustellen. Dafür habe die G2 eine geräumigere Nasenhöhle und verhindere dank der weichen Klappen Lichteintritt von außen. Die Audio-Lösung lobt Lang, empfand allerdings manch hohe Frequenz als verzerrt.

Beim Tracking stören laut Lang tote Punkte an bestimmten Stellen. Wenn die Arme beispielsweise seitlich gehalten werden, um mit dem Controller wie mit einem Laserpointer auf eine Menüschaltfläche zu zeigen, fiel das Tracking manchmal aus. Auch beim Halten der Controller über dem Kopf kommt es laut Lang gelegentlich zu Störungen.

Da diese Haltungen während der meisten Spiele nur selten vorkämen, wäre die Instabilität zu verschmerzen. Problematischer sei der Verlust jedoch bei Anwendungen, die auf zweihändige Mechaniken vor dem Gesicht setzen würden. Beim realen Spannen eines virtuellen Bogens käme es beispielsweise oft zu Trackingaussetzern.

Für Lang liefert die HP Reverb G2 dank der hervorragenden Bildqualität viel Gegenwert für die knapp 600 US-Dollar. Das Tracking bezeichnet er als akzeptabel. Die Brille eigne sich, wie das Vorgängermodell Reverb G1 (Test), besonders gut für Simulationen, bei denen hohe Auflösung einen wesentlichen Beitrag zum Erlebnis leistet.

VR Oasis: HP Reverb G2 ist die beste Konsumenten-VR-Brille

Das Setup der HP Reverb G2 beschreibt der YouTube-Kanal Virtual Reality Oasis als ein einfaches Plug-and-Play-Prozedere, das keine fünf Minuten dauere. Obwohl die HP Reverb G2 in Zusammenarbeit mit Valve entstanden ist, suche man eine direkte Verbindung im Menü zu SteamVR vergebens.

Für den YouTuber ist die grafische Darstellung der HP Reverb G2 das Beste, das er jemals in einer Konsumenten-VR-Brille gesehen habe. Die HP Reverb G2 habe keinerlei Fliegengittereffekt. Details in Spielen wie Half Life: Alyx (Test) seien überwältigend. Texte seien zudem superscharf. Allerdings brauche es einen starken Rechner, um alles aus ihr herauszuholen. Sogar mit einer RTX 3090 kam es hin und wieder zu Rucklern.

Das Audiosystem der HP Reverb G2 sei fantastisch, wodurch man den fehlenden 3,5 Millimeter Klinkenstecker verschmerzen könne. Probleme gab es hingegen bei den verbauten Mikrofonen. Diese seien zu empfindlich. Eine Anpassung des Eingabelevels in der Windows-Systemsteuerung würde Abhilfe schaffen.

Virtual Reality Oasis sieht in den Controllern den größten Kritikpunkt der HP Reverb G2. Sie seien zwar ergonomischer und komfortabler zu benutzen als andere WMR-Controller. Allerdings wirkten sie schlecht verarbeitet und fühlten sich billig an. Das haptische Feedback sei schwach und Touch-Sensoren fehlten. Die zwei AA-Batterien pro Controller hielten während des Tests nur circa sechs bis sieben Stunden.

Laut Virtual Reality Oasis würde das Controller-Tracking zwar in den meisten Fällen ordentlich funktionieren. In Spielen wie Half Life: Alyx oder Onward kam es allerdings zu Problemen beim zweihändigen Halten und Zielen von Gewehren. In seltenen Fällen fiel das Controller-Tracking komplett aus.

Für Virtual Reality Oasis liefert die HP Reverb G2 die beste Grafik und den besten Sound von allen auf dem Konsumentenmarkt erhältlichen VR-Brillen. Alles in allem sieht er die HP Reverb G2 derzeit als Mittelweg zwischen der Oculus Quest 2 und der Valve Index. Sie eigne sich vor allem für Flug- oder Rennsimulationen und Spiele, die von hoher Grafikleistung profitieren und weniger auf präzises Tracking ausgelegt sind.

Tyriel Wood: Schnäppchen mit starkem Display

YouTuber Tyriel Wood liefert neben seinem Test einen Vergleich durch die Linsen der Quest 2, Valve Index und HP Reverb G2. Von der Darstellung der G2 zeigt er sich beeindruckt. Das Display sei hell, Farben und Kontraste satt und die Grafik stets scharf.

Das neue Layout der Controller empfindet er als geglückt. Die Buttons fühlten sich unterschiedlich an, wodurch man sie besser auseinanderhalten könne. Allerdings fehle es an griffigen Oberflächen. Besonders der Analogstick sei rutschig und die Druckpunkte nicht immer optimal.

Das Tracking sieht Wood im Gegensatz zu den meisten anderen Testern als durchaus gelungen an. Er kann die generelle Tracking-Kritik nicht nachvollziehen. Das Tracking sei nicht perfekt, genüge aber für die meisten Anwendungen. Er konnte keine groben Aussetzer feststellen.

Für den ausgerufenen Preis von 599 US-Dollar sieht Tyriel Wood die HP Reverb G2 als Schnäppchen. Sie sei nur wenig teurer als die Oculus Quest 2 (Test). Für den Mehrpreis bekäme man allerdings eine deutlich bessere Optik, stärkere Linsen und satteren Sound.

UploadVR: Großartige VR-Brille, schlechte Controller

Jamie Feltham von UploadVR sieht bei der HP Reverb G2 zwar noch immer einen leichten Fliegengitter-Effekt, nichtsdestotrotz biete sie das mit Abstand beste visuelle Erlebnis aller aktuellen VR-Brillen.

Man solle allerdings bedenken, dass die G2 mit LC-Displays arbeite und diese nicht die Schwarzwerte eines OLED-Displays erreichen können. Die hohe Auflösung sei diesen Kompromiss aber wert. Lichtblitzer in der Linse hat Feltham nur bei hellem weißen Text auf dunklem Hintergrund bemerkt.

Bei den meisten VR-Brillen seien gute Kopfhörer eine sinnvolle Ergänzung – nicht bei der HP Reverb G2. Das Onboard-Audiosystem sei nahezu perfekt. Valves Off-Ear-Kopfhörer lieferten kraftvollen Klang, ohne die Ohren komplett von Umgebungsgeräuschen abzuschirmen.

Das Inside-out-Tracking der VR-Brille sei „recht gut“. Mit den zwei zusätzlichen Kameras an den Seiten sei es während des Tests zu keinem einzigen Fehler gekommen. Anders sehe es bei den Controllern aus. Laut Feltham funktionieren sie, solange sie in freiem Blickfeld zu den Kameras gehalten werden. Das vertikale Sichtfeld der Tracking-Kameras sei allerdings weniger gut.

Aussetzer treten laut Feltham vor allem dann auf, wenn die Hände in VR-Spielen (Übersicht) auf Brusthöhe, nah zusammen oder vor dem Gesicht bewegt werden müssen. Das könne zu Ungenauigkeiten bei Box- und Bogenmechaniken und Spielen mit zweihändigen Waffen führen. Auch Anwendungen, bei denen der Controller als Laserpointer benutzt werden soll, hätten Trackingprobleme.

Die Controller der HP Reverb G2

Die Controller der HP Reverb G2 sind laut Testern ergonomisch verbessert worden im Vergleich zum Vorgängermodell, das schwache Tracking als Kritikpunkt wurde jedoch nicht vollständig ausgemerzt. | Bild: HP

Feltham sieht die HP Reverb G2 als eine der komfortabelsten VR-Brillen am Markt. Das Gewicht sei ideal ausbalanciert, wodurch auch stundenlange Spielsession problemlos möglich wären. Mit dem IPD-Slider ließe sich der Augenabstand jederzeit bequem verändern.

Wer sich für die HP Reverb G2 interessiert, müsse abwägen, ob fehlerloses VR-Tracking oder ein klares Bild wichtiger ist. Die G2 habe ein unglaubliches Display, tollen Sound und einen guten Tragekomfort. Demgegenüber stünden die Kritikpunkte maue Controller-Ergonomie, schwaches Tracking und die fast tote Windows Mixed Reality Plattform.

Tom’s Hardware: Tracking-Tragödie trübt starkes Display

Kevin Carbotte von Tom’s Hardware vergleicht die HP Reverb G2 mit dem Vorgänger und lobt das neue Design. Die G2 hätte weniger Stoffanteil im Gehäuse, was sie mühelos zu reinigen mache. Die Headstraps seien bequem und einfach einstellbar. Das Wechseln des Gesichtscovers ginge aufgrund des Magnetsystems schnell von der Hand.

HP Reverb G2 mit Ohrhörern der Valve Index VR-Brille

Von Valve bekommt die HP Reverb G2 die offenen Ohrhörer für 3D-Sound. | Bild: HP

Qualität und Lautstärke des Audiosystems seien beeindruckend und erzeugten ein großartiges Raumgefühl. Das Gehäuse der Lautsprecher fühle sich im Vergleich mit der Valve Index (Test) allerdings eher wie billiges Plastik an und der Einstellmechanismus sei weniger geschmeidig. Die neuen Controller liegen laut Carbotte gut in der Hand, alle Knöpfe seien leicht zu erreichen und logisch platziert.

Die HP Reverb G2 habe ein brillantes Bild, beim Sichtfeld zeige sie allerdings Schwächen. Im FOV-Test sei die G2 auf ein Sichtfeld von 120 Grad vertikal und nur 88 Grad horizontal gekommen. Die Valve Index schaffte zum Vergleich 136 Grad vertikal und 110 Grad horizontal. Im Performance-Test überzeugte die G2 mit hoher Pixeldichte und hellen und lebendigen Displays. Für Carbotte hat die G2 die hochwertigsten Displays aller VR-Brillen, die er bisher auf dem Kopf hatte.

Um in actionlastigen Titeln wie Serious Sam VR auf höchster Detailstufe zu liefern, brauche es allerdings ein sehr potentes PC-Setup. Bei der verwendeten Nvidia GeForce RTX 2080 kam es beispielsweise bei großen Gegnerwellen zu Framerate-Einbrüchen, Tracking- und Soundaussetzern.

Stichwort Tracking: Hier sieht Carbotte ebenfalls die große Schwäche der HP Reverb G2. Die neuen seitlichen Kameras seien eine sinnvolle Ergänzung, allerdings fehle der G2 eine abwärts gerichtete Kamera. Befänden sich die Hände zu nah an der Brust, verliere die VR-Brille die Controller aus dem Blick. Schnelle Bewegungen verkrafte Microsofts Tracking-System ebenfalls nicht gut.

Als schwerwiegendstes Problem der G2 sieht auch Carbotte das Tracking an. Er bezeichnet das Controller-Tracking als Tragödie. Es sei der einzige Grund, der HP Reverb G2 keine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen. Ansonsten sei die HP Reverb G2 sehr komfortabel zu tragen, liefere tollen Sound und ein fantastisches Bild. Die Sichtfeldweite könne dagegen etwas größer sein.

Tested: Überlegene Grafik, frustrierendes Tracking

Norman Chan von Adam Savage’s Tested durfte sich schon vor Produktionsbeginn einen frühen Prototyp der G2 genauer ansehen. Im Vergleich zu diesem sei die finale Version der HP Reverb G2 deutlich verbessert worden. So hätte HP beispielsweise die Linsen ausgetauscht.

Artefakte und chromatische Aberrationen seien jetzt kaum noch ein Thema und träten nur am äußersten Rand des Blickfelds auf. Der Sweetspot sei leicht zu finden. Wer die VR-Brille einmal aufhabe, müsse nicht mehr viel anpassen.

Chan war beim Spielen von Half Life: Alyx begeistert von den Details, die durch die HP Reverb G2 überhaupt erst erkennbar wurden. Mit einer Nvidia GeForce RTX 2070 Super auf voller Detailstufe sei die G2 bei 90 Hertz ohne Performance-Einbrüche gelaufen.

Auch bei anderen Spielen sei die Grafikleistung der HP Reverb G2 durchgehend beeindruckend. Das Gesichtspolster sei zwar grundsätzlich bequem, allerdings etwas eng. Wer größere Brillen trage, könne Probleme bekommen, diese unter der VR-Brille zu verstauen. Drittanbieter würden aber bald mit neuen VR-Covers Abhilfe leisten.

Chan bezeichnet das Tracking der VR-Brille selbst als gelungen. Das Controller-Tracking hingegen hätte ihn frustriert und enttäuscht. Aus ergonomischer Sicht seien die Controller zwar eine enorme Verbesserung im Vergleich zu früheren Windows Mixed Reality-Controllern. Das Trackingverhalten sei allerdings unterdurchschnittlich

Chan stellt wie die meisten Tester Probleme fest, wenn die Controller zu nah beieinander oder nah am Gesicht gehalten werden. Nahfeld-Interaktionen beispielsweise in Puzzle-Spielen führten zu kreiselähnlichen Rotationen der VR-Hände. Bewegungen über dem Kopf und im Hüftbereich ließen das Tracking total ausfallen.

Auch die Akkuleistung kritisiert Chan. Nach anderthalb Wochen hätte er die zwei AA-Batterien an beiden Controllern austauschen müssen. Die Quest 2-Controller brauchten im Vergleich nur je eine Batterie und hielten über anderthalb Monate.

Wer sich eine reine PC-VR-Brille zulegen möchte, hat laut Chan zwei Optionen: Valve Index oder HP Reverb G2. In Sachen Tracking und Controller sei die Index der G2 haushoch überlegen. Preis und grafische Darstellung sprächen für die HP, vor allem für Spieler, die Cockpit- und Simulator-Games bevorzugen. In Sachen Grafik gebe es – einen leistungsstarken Computer vorausgesetzt – derzeit keine bessere Option.

Titelbild: HP, Quellen: Virtual Reality Oasis, Tyriel Wood – VR Tech, Roadtovr.com, Uploadvr.com, Tomshardware.com

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