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Pico: Neue Entlassungswelle soll hunderte Mitarbeitende betreffen - Bericht

Pico: Neue Entlassungswelle soll hunderte Mitarbeitende betreffen - Bericht
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10.11.2023

  • Exklusive Informationen, die MIXED vorliegen, zeichnen ein chaotisches internes Bild bei Pico. Offenbar soll ein vielversprechendes und fast fertiges Rhythmus-Spiel im Beat Saber-Stil überraschend eingestellt und das gesamte Team entlassen worden sein. Noch vor knapp drei Wochen hatte das Team ein Meet & Greet mit Closed-Beta-Tester:innen veranstaltet. Lest die ganze Story im verlinkten Artikel.

10.11.2023

  • Gegenüber UploadVR gab Pico auf Nachfrage zu den Zukunftsplänen und den Gerüchten über die Schließung folgende Erklärungen ab:
    • „Pico wird weiterhin normal arbeiten und seinen Nutzern erstklassige Dienste bieten.“
      „Pico-Nutzer können weiterhin auf die auf Pico verfügbaren Spiele und Inhalte zugreifen.“
      „Pico wird weiterhin in Hardware und Kerntechnologien investieren und das Nutzererlebnis für bestehende und neue Kunden verbessern.“
  • Pico ging nicht auf die Detailfragen von UploadVR ein, die etwa wissen wollten, ob das Exklusivspiel „Just Dance“ gestrichen sei, ob eine neue Pico-VR-Brille geplant sei und ob Entwickler:innen ihre VR-Spiele aus dem Pico Store zurückziehen würden.
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07.11.2023

  • Tencent Technology News (Link in den Quellenangaben) berichtet, dass Pico offiziell umfangreiche Entlassungsprozesse begonnen hat. Unter anderem hätten Gespräche über Abfindungen begonnen. Die aktuelle Entlassungswelle werde hunderte Personen betreffen.
    Pico hatte gegenüber MIXED Neuigkeiten zur Strategie des VR-Brillen-Herstellers für 2023 und 2024 angekündigt. Diese Informationen sollten auf der AWE in Wien (24. - 25.10.)  bekanntgegeben werden. Auch auf erneute Nachfrage wurden bis heute keine solchen Informationen mit uns geteilt. Wir diskutieren den Fall Pico ausführlich im MIXEDCAST #365.

24.10.2023

  • Chinaemail, ein seit 2004 operierender Tech-Blog, berichtet, dass „Bytedance die strategische Positionierung“ von VR überdenke. Zudem hätten „eine Reihe Führungspersonen aus Picos Kerngeschäft das Unternehmen verlassen und auf andere Posten gewechselt“. Zwei Drittel der Mitarbeitenden der Marketingabteilung seien mittlerweile weg. Zu Spitzenzeiten habe Pico mehr als 2.000 Mitarbeitende beschäftigt, die Belegschaft wurde seitdem um rund 50 Prozent reduziert (Quellenlink am Ende des Artikels).

21.10.2023:

  • Bytedance hat gegenüber Chinas Financial Associated Press (Link in den Quellenangaben) die Gerüchte als unwahr bezeichnet: „Pico arbeitet normal und das Unternehmen wird noch lange in das XR-Geschäft investieren.“
  • Oliver Wöhler von Bytedance wollte die Gerüchte gegenüber MIXED nicht kommentieren. Pico sei aber in Kürze auf der AWE in Wien und werde dort „aufregende Neuigkeiten über ihre Strategie für den Rest des Jahres und 2024 verkünden“.

Ursprünglicher Artikel:

Einem chinesischen Bericht zufolge geht Pico (Pico 4) die Luft aus. Besitzer Bytedance will den VR-Brillen-Hersteller schließen.

Vor kurzem machten offenbar falsche Gerüchte über eine VR-Brille Pico 5 die Runde. Jetzt kocht die Gerüchteküche in die andere Richtung hoch – und der Inhalt ist katastrophal für die VR-Branche, wenn sie sich bewahrheitet.

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Laut einem Bericht von Equal Ocean, einem 2018 gegründeten internationalen Informationsdienstleister und Investment Research-Unternehmen mit Sitz in China und den USA, will Bytedance (Tiktok) das 2021 gekaufte VR-Unternehmen Pico schrittweise schließen.

Laut dem Artikel soll Picos Chef (wahrscheinlich Henry Zhou) kürzlich zum Rapport bei Bytedance-Chef Zhang Yiming bestellt worden sein. Er sollte dort offenbar persönlich zum Stand der Dinge bei Pico berichten.

Bytedance ist mit der Geschäftsentwicklung bei Pico unzufrieden

Dabei soll Bytedance klargemacht haben, dass sich Picos Geschäft nicht wie erwartet entwickelt hat und Pico daher schrittweise geschlossen werden soll.

„Der Grund dafür ist, dass der Hardwarebereich, in dem PICO angesiedelt ist, nicht zu den Stärken von ByteDance gehört und die Ergebnisse seit mehreren Jahren nicht den Erwartungen entsprechen und es keine Hoffnung für die Zukunft gibt“, sollen Quellen aus dem direkten Pico-Umfeld gegenüber Equal Ocean angegeben haben.

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Das passt zu diversen Informationen der letzten Monate. Bereits im November 2022 berichtete die chinesische Webseite Sina Technology, dass es bei Pico kriseln würde. Das von Pico-Chef Zhou angegebene Verkaufsziel von einer Million Pico-4-Brillen konnte demnach nicht erreicht werden. Außerdem seien sich die Angestellten bewusst, dass die Hardware und Software der Konkurrenz teilweise Jahre hinterherhinken würde. Im Februar bestätigte Pico dann die Entlassung von rund 200 Mitarbeitenden.

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Gründe für eine mögliche Schließung von Pico Interactive

Eine Quelle aus dem Pico-Umfeld gab an, dass Pico zu aggressiv in einen nicht ausgereiften Markt eingestiegen sei. „Pico denkt, dass es einen Markt schaffen kann, indem es viel Geld ausgibt. Aber wenn man sich die aktuelle Entwicklung der VR-Branche ansieht, dann ist die Akzeptanz von VR-Produkten bei den heimischen Nutzern immer noch klein. Die meisten Verbraucher wissen nicht einmal, welche Erfahrung VR bringen kann.“

Virtual Reality und Augmented Reality konnten tatsächlich bislang nie dem Hype gerecht werden. Zwar haben diese Technologien weiterhin enormes Potenzial, allerdings stehen der Entfaltung und einem Durchbruch in den sagenumwobenen Massenmarkt viele Herausforderungen im Weg: Die Brillen sind weiter zu groß und oft zu unbequem für längere Nutzung, vor allem fehlen aber Inhalte, die langfristig Nutzer:innen binden. Dazu kommt, dass VR und AR ausprobiert werden muss, um den Nutzen oder das Potenzial nachvollziehen zu können, was nur eine langsame Verbreitung zulässt. Das alles verlangt viel und langes Durchhaltevermögen im Markt.

Bytedance kaufte Pico vor nur zwei Jahren für etwa 600 Millionen Dollar. Auch wenn die Pico 4 einen deutlichen Fortschritt zu den bisherigen VR-Brillen darstellte und erstmals Meta ernsthaft Konkurrenz machte, kämpfte Pico Interactive jedoch bei der Distribution im Westen. Sie ist bis heute offiziell nur Ostasien und Europa verfügbar. Zumindest hierzulande wurde kein signifikantes Marketing betrieben, obwohl Tiktok eigentlich eine perfekte Marketing-Plattform gewesen wäre.

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Ein weiterer Grund für den mangelnden Erfolg im Westen sind die eingeschränkten Inhalte für die Standalone-Nutzung. Im Prinzip ist die Pico 4 nur als PC-VR-Brille sinnvoll nutzbar, was aber wiederum die Zielgruppe verkleinert, die einen passenden PC besitzen muss.

Kein Durchhaltevermögen in einem schwierigen Markt

Bytedance scheint auf schnellen Erfolg gehofft zu haben – ein weitverbreitetes Phänomen in der VR-Branche, in der immer wieder große Hypes für völlig unrealistische Erwartungen sorgen. Offenbar ist die Geduld des Social-Media-Riesen bereits am Ende.

Für den VR-Markt an sich ist das ein denkbar schlechtes Signal, zumal auch andere große Player kämpfen müssen. Sony macht seit gut sechs Monaten nichts mehr mit seiner Playstation VR 2, obwohl sie ein wirklich gutes VR-Headset für PS5-Gaming ist.

Derzeit treibt einzig Meta VR und AR voran. Die Veröffentlichung der Quest 3 verläuft aber auch nicht ohne Schwierigkeiten: Breite Lieferprobleme lassen vermuten, dass der Veröffentlichung keine zuversichtliche Marktprognose zugrunde lag. Auf der Connect 2023 rutschte Meta-Chef Zuckerberg zudem in nur zehn Minuten über das XR-Thema.

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Konkurrenz ist besonders im Mixed-Reality-Sektor wichtig, denn die Verbreitung immersiver Technologien benötigt Auswahl und Inhalte. Je weniger es davon gibt, desto langsamer wird das Wachstum sein. Wenn sich der Bericht bewahrheitet, dann ist heute ein trauriger Tag für XR.

Wir haben Pico um einen Kommentar gebeten und werden den Artikel aktualisieren, sobald uns eine Stellungnahme vorliegt.

Quellen: Equal Ocean, Financial Associated Press CN, Chinaemail, QQ News (Tencent), UploadVR