Boston Dynamics: So entstand der coole Robotertanz

Boston Dynamics: So entstand der coole Robotertanz

Boston Dynamics Ingenieur Aaron Saunders erklärt, wie seiner Firma das Robotertanzvideo gelang, das zum YouTube-Hit wurde.

Boston Dynamics verabschiedete das Jahr 2020 mit einem neuen YouTube-Rekord: Das spektakuläre Robotertanzvideo zum Song „Do You Love Me?“ verzeichnete innerhalb weniger Tage mehr als 20 Millionen Aufrufe.

Für Boston Dynamics war die Video-Kampagne ein großer Erfolg: Die realistischen Tanzbewegungen lassen die Roboter menschlich wirken, stärken so das freundliche Image der Maschinenfirma und drängen Fragen zu kritischen Anwendungsszenarien wie im Militär in den Hintergrund.

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Boston Dynamics wurde nach der Veröffentlichung des Videos laut eigenen Angaben mit Hunderten positiven E-Mails und Anrufen überhäuft. Solltet ihr die Roboter-Tanznummer tatsächlich noch nicht gesehen haben, hier ist noch einmal das Video.

Der Mensch tanzt vor

Im Interview mit IEEE Spectrum erklärt Boston Dynamics Ingenieur Aaron Saunders, wie das Video entstand: Die Choreografie wurde gemeinsam mit Tanzprofis konzipiert und die einzelnen Bewegungen dann so angepasst, dass sie von den Robotern, speziell vom humanoiden Modell Atlas, durchgeführt werden konnten.

Die erste Umsetzungsphase lief in einer Simulation ab: Die Roboter zeigten die Bewegungen, Ingenieure und Choreografen beratschlagten, wie die Umsetzung gelingen könnte. Besonders die Drehbewegungen von Atlas waren ein großer Aufwand, da sie am weitesten entfernt waren von Atlas‘ normalen Schritt- und Sprungbewegungen.

„Es war sehr iterativ – sie (die Choreografen) tanzten buchstäblich aus, was sie von uns wollten, und die Ingenieure schauten auf den Bildschirm und sagten ‚das wäre einfach‘ oder ‚das wäre schwierig‘ oder ‚das macht mir Angst'“, sagt Saunders.

Im Projektverlauf wurde Boston Dynamics so gut in diesem Entwicklungsprozess, dass einzelne Bewegungen für Atlas innerhalb eines Tages programmiert werden konnten.

„Es geht nicht um handgeschriebene oder handcodierte Bewegungen, sondern darum, eine Pipeline zu haben, mit der man verschiedene Bewegungen, die man durch verschiedene Eingaben beschreiben kann, auf den Roboter übertragen kann“, sagt Saunders.

Maschinelles Lernen setzt Boston Dynamics derzeit nicht ein, untersucht aber Anwendungsszenarien. Stattdessen verwendet Atlas für die Tanzperformance eine Kombination aus reflexartiger Reaktion auf Kräfte, Online- und Offline-Trajektorienoptimierung und modellprädiktiver Steuerung.

Tanzen ist die bisher anspruchsvollste Roboterbewegung

Wenn die Roboter die Bewegung einmal gelernt hatten, war die wiederholte Ausführung für die Kamera laut Saunders kein Problem. Der eigentliche Videodreh fiel daher relativ einfach aus und dauerte nur rund zwei Tage. Die größte Herausforderung dabei war, die besten Kameraperspektiven für die ersten zwei Minuten zu finden, in denen das Video durchgängig ohne Schnitt gefilmt wurde.

Die Vorbereitung und Programmierung der Choreografie hingegen dauerte laut Saunders Monate und erforderte sogar Hardware-Upgrades: „Tanzen ist die kraftvollste Leistung, die wir bislang umgesetzt haben. […] Die Menge an Bewegungen und das Tempo beim Tanzen sind unglaublich“, sagt Saunders.

Einige Stürze und Ausfälle gab es laut Saunders zwar, die Tanzbewegungen seien auch nicht als Teil des Produkts gedacht und funktionierten entsprechend nicht in 100 Prozent der Fälle. Dennoch seien sie verlässlich wiederholbar.

„Wir versuchen, ehrlich zu sein und Dinge zu zeigen, die wir tun können, nicht einen Ausschnitt von etwas, das uns nur einmal gelungen ist“, sagt Saunders.

Wer die wirklich wahre Geschichte hinter Boston Dynamics Robotertanz erfahren will und eine Parodie als solche erkennen und verstehen kann, hat Spaß am folgenden Video.

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