Autonomes Fahren ohne Lenkrad bald erlaubt, Rückruf von KI-System

Autonomes Fahren ohne Lenkrad bald erlaubt, Rückruf von KI-System

Die US-Behörde NHTSA erlässt neue Richtlinien und ebnet damit den Weg für autonomes Fahren ohne Cockpit. Pony.Ai muss Robo-Taxis zurückrufen und ein Start-up erhält Kapital für ein neuartiges KI-System. Der MIXED Robo-Auto-Wochenrückblick.

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Einer der größten Diskussionspunkte im autonomen Fahren ist und bleibt die Sicherheit aller Verkehrsbeteiligten. Amazons Zoox erhielt in Seattle massiven Gegenwind von Fußgängerorganisationen und Politiker:innen, die kein Vertrauen in die Technologie haben.

Die Branche will dem regelmäßig entgegenwirken: Waymo zeigt in einer Studie, dass reale tödliche Unfälle vom Waymo Driver in fast allen Fällen hätte verhindert werden können. Nuro baut Außenairbags in seine Lieferbots, um Fußgänger zu schützen und Argo AI will Fahrradfahren durch autonomes Fahren sicherer machen.

Die US-Behörde für Verkehrssicherheit will diese Bemühungen nun in einem einheitlichen Regelwerk zum Standard für alle Hersteller machen. Gleichzeitig ruft Pony.Ai sein autonomes Fahrsystem wegen Sicherheitsproblemen zurück und ein israelisches Start-up erhält neue Fördergelder für einen neuen Ansatz im KI-Training für autonomes Fahren.

Pony.ai muss KI-Software zurückrufen

Das von Toyota unterstützte Start-up Pony.Ai gab letzte Woche als erstes Unternehmen in der Branche einen Rückruf seines autonomen Fahrsystems bekannt. Pony.Ai reagierte damit auf eine entsprechende Forderung der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA).

Poiny.ai stellt die in Zusammenarbeit mit Luminar erneuerte Sensor-Plattform vor.

Poiny.Ai kooperiert unter anderem mit Luminar für besonders windschnittige Lidar-Systeme. | Bild: Pony.ai / Luminar

Laut Pony.Ai handle es sich um einen Software-Fehler, der allerdings per Update behoben werden konnte. Pony.Ai gab gegenüber der NHTSA an, dass in außergewöhnlichen Fällen eine Diagnoseprüfung des Planungssystems „einen ‚falsch-positiven‘ Hinweis auf eine Nichtübereinstimmung der Geolokalisierung“ ergeben habe.

Ende letzten Jahres führte dieses Problem zu einem Unfall in Kalifornien, wodurch das Start-up seine Lizenz für fahrerloses autonomes Fahren verlor. Eines der drei für den Rückruf gemeldeten Fahrzeuge rammte Sekunden nach dem Abschalten des Systems ein Verkehrsschild. Verletzt wurde niemand.

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NHTSA ebnet Weg für Cockpit-lose Robo-Taxis

Die US-Behörde für Verkehrssicherheit veröffentlicht neue Regularien für autonomes Fahren. Damit will die NHTSA vorwiegend die Sicherheit von Passagieren in Fahrzeugen gewährleisten, die über keine klassischen Cockpits mit Lenkrädern oder Pedalen mehr verfügen.

Laut eines Sprechers der Behörde werde die Rolle der Fahrenden in autonom fahrenden Vehikeln vom Menschen an die Maschine weitergegeben. Die Sicherheit der Menschen müsse aber weiterhin gewährleistet sein. „Mit dieser Vorschrift stellen wir sicher, dass die Hersteller die Sicherheit in den Vordergrund stellen.“

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Cruise Origin und Zoox-Taxi in den Startlöchern

Die neuen Standards wollen alle unterschiedlichen autonomen Fahrsysteme und Vehikel-Typen auch in ihrer Terminologie einschließen. Waymo betreibt etwa Robo-Taxis mit herkömmlichen Cockpits. Nuros autonome Lieferbots sind rein für Warenlieferungen konzipiert und Zoox und Cruise wollen reine Passagierfahrzeuge etablieren.

Das autonom fahrende Taxi Zoox.

Das Zoox wurde von Grund auf als autonomes Personenbeförderungsmittel konzipiert. Ein Cockpit, Pedale oder Lenkrad gibt es nicht. | Bild: Zoox

Noch sind keine derartigen Vehikel auf öffentlichen Straßen zugelassen, die neuen Regularien ebnen allerdings den Weg. Cruise und GM stehen ohnehin schon kurz vor einer entsprechenden NHTSA-Lizenz. General Motors meldete zuletzt die Einreichung eine Genehmigungsanfrage für den Bau und kommerziellen Betrieb des Cruise Origin.

Auch Amazons Zoox hat längst einen ähnlichen Prototyp in der Pipeline. Das Zoox-Taxi verfügt etwa über einen neuartigen Airbag und ein System, das mithilfe von Sensoren, Kameras und Schaltern sicherstellt, das Sicherheitsgurte richtig angelegt werden. Derartige Maßnahmen sollen künftig bei allen Herstellern der Branche gewährleistet werden. Das vollständige Dokument ist auf der Webseite der NHTSA einsehbar.

Autobrains sichert sich 19 Millionen US-Dollar

In einer Serie-C-Finanzierungsrunde konnte sich das israelische Start-up Autobrains neues Kapital in Höhe von 19 Millionen US-Dollar sichern. Unter den Geldgebern befinden sich Unternehmen wie Temasek, Continental, BMW i Ventures, VinFast und die Knorr-Bremse AG.

Autobrains will mit seinem autonomen Fahrsystem mehr Sicherheit als die Konkurrenz um Mobileye oder Waymo gewährleisten. „Herkömmliche“ KI-Systeme haben Probleme bei der Entscheidungsfindung in Grenzfällen. Für das maschinelle Lernen solcher Situationen werden in der Regel markierte Datensätze in das System eingespeist.

Autobrains KI-System soll lernen wie ein Mensch

„Es ist ein sehr kostspieliger Prozess, an dem Tausende von Menschen beteiligt sind, der aber immer noch mit dem Problem der Genauigkeit konfrontiert ist, weil man nicht alle Grenzfälle abdecken kann“, so Autobrains-Chef Igal Rachelgauz. Das Autobrain-System sei nicht von diesen markierten Datensätzen abhängig und lerne stattdessen „näher an der menschlichen Art des Lernens“.

Das System suche Gemeinsamkeit in zufällig sortierten Daten. Danach überprüft es das Gelernte, um für das weitere Lernen relevante Informationen zu behalten. Details werden dabei zunächst außen vor gelassen. Wichtig wäre etwa ein Objekt, das die gleiche Farbe hat wie der Hintergrund, ein unnötiges Detail hingegen die Form einer Wolke. Was übrig bleibe, bilde demnach das Wissensfundament, das dem System beibringe, auf ähnliche Szenarien besser zu reagieren.

Weiterlesen über autonomes Fahren:

Quellen: Reuters, TechCrunch