Autonomer Verkehr: Amazon Zoox will nach Seattle, erntet allerdings Kritik

Autonomer Verkehr: Amazon Zoox will nach Seattle, erntet allerdings Kritik

Amazons Zoox will die eigenen autonom fahrenden Vehikel im regnerischen Seattle testen. Organisationen für Verkehrssicherheit sind nicht begeistert.

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Das 2020 von Amazon übernommene Start-up Zoox kündigte vor wenigen Tagen an, autonome Testfahrten im US-Bundesstaat Washington durchführen zu wollen. In den kommenden Wochen starten erste Fahrten mit Sicherheitsfahrer:innen in Seattle. Eine neue Herausforderung für das KI-System soll her. In der feucht-trüben Stadt im pazifischen Südwesten der USA stößt das Vorhaben allerdings auf Gegenwehr.

Vom sonnigen Kalifornien ins regnerische Washington

Zoox testet seit mehr als vier Jahren autonom fahrende Vehikel in Las Vegas und San Franciscos Bay Area. Das Start-up ist eines von acht Unternehmen, das über die entsprechende Lizenz für fahrerlose Fahrten in Kalifornien verfügt.

Das autonom fahrende Taxi Zoox.

Das Zoox wurde von Grund auf als autonomes Personenbeförderungsmittel konzipiert. | Bild: Zoox

In den US-Bundesstaaten Nevada und Kalifornien herrscht primär sonniges und klares Wetter – ideale Bedingungen für die Sensorik in autonom fahrenden Fahrzeugen. Seattle hingegen trägt nicht umsonst den Beinamen „Rain City“: Im Schnitt kommt die Region auf 122,5 Regentage pro Jahr.

Anpassung von Soft- und Hardware an mehr Niederschlag

Zoox will nach eigenen Angaben die Mobilität in der Welt verändern und sich nicht auf einzelne Städte begrenzen. Deshalb sei es wichtig, sich auf unbekannte Straßen und neue Umweltbedingungen einzulassen. Eine neue Stadt als Testumgebung gebe Zoox die Möglichkeit, KI-System und Hardware auf neue Einflüsse wie Wetterbedingungen, Infrastruktur und Fahrkultur einzustellen.

Das Unternehmen hat seine Fahrzeuge bereits auf das neue Wetter eingestellt. Man habe spezielle Hardware in die Sensorarchitektur eingebaut, um Wasser und Schmutz zu entfernen. Der häufige Regen in Seattle würde helfen, diese Neuerungen zu validieren.

„Die Daten, die wir sammeln, werden für die weitere Entwicklung unseres KI-Stacks von unschätzbarem Wert sein“, schreibt Jesse Levinson, CTO und Co-Gründer, im Firmen-Blog.

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Zoox: Level-3-Fahrzeuge sollen das neue Gebiet erkunden

Seattle wird Zoox‘ vierter Standort. Bislang betreibt die Amazon-Tochter vier Büro- und Testkomplexe in San Francisco, Las Vegas und Foster City. Das Büro in Seattle ist für 2022 geplant. Zoox will in den nächsten Monaten mit einer „kleinen Anzahl“ von Vehikeln starten, die Level 3 auf der SAE-Norm für autonomes Fahren erreichen.

Ein autonom fahrender Toyota Highlander in Seattle.

Für die Fahrt in Seattle stattet Zoox Toyotas Highlander mit der Technologie für autonomes Fahren aus. | Bild: Zoox

Mit der „L3-Flotte“ sollen erste Erfahrungen im Gebiet und Daten für die Kalibrierung, Lokalisierung und das HD-Mapping gesammelt werden. Zoox stattet dazu Toyotas allradgetriebene Highlander mit Technologie für autonomes Fahren aus. Sicherheitsfahrer:innen werden ebenfalls an Bord sein. Zum Einsatz soll die gleiche Ausstattung kommen, die Zoox auch in den selbst konzipierten Level-5-Fahrzeugen verwendet. So werden die Daten für die gesamte Flotte von Nutzen sein.

Regen und Schnee als technische Herausforderung für Robo-Autos

Tatsächlich sind wechselnde Wetterbedingungen eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für Sensorik und KI-System eines autonomen Fahrzeugs. Professor Dr. Philipp Slusallek, wissenschaftlicher Direktor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), sieht primär die Wahrnehmung der Umgebung bei Schnee, Regen oder Nebel problematisch. Für die damit einhergehenden schwierigen Lichtverhältnisse müsse die richtige Kombination verschiedener Sensortypen gefunden werden.

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Aktuelle Systeme setzen deshalb meist auf eine Kombination aus Kameras, Radar- und Lidar-Sensoren. Mit dieser Sensorik sind die Systeme in der Lage, Fahrbahn und Objekte wie Bordsteine, Verkehrsschilder, Ampeln sowie Zweiräder und Fußgänger:innen zuverlässig wahrzunehmen. Mehr zum Stand der Technik beim autonomen Fahren lest ihr im verlinkten Artikel.

Zoox-Pläne für Seattle ernten Kritik

Trotz vieler erfolgreicher Tests in Kalifornien, Nevada oder auch China, in der gerade die erste Straße für autonomes Fahren gebaut wird, sind nicht alle in Seattle überzeugt vom Start der teilautonom fahrenden Flotte.

Vor allem die Sicherheit von Fußgänger:innen und Radfahrer:innen sehen viele als gefährdet an. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt, Mike McGinn, sieht eine städtische Umgebung als zu große Herausforderung für die Technik.

„Viele Menschen sind dem Wirbel um selbstfahrende Autos auf den Leim gegangen und glauben, dass sie den Kompromiss zwischen Sicherheit und Geschwindigkeit aufheben. Aber Sicherheit bedeutet, sich langsam zu bewegen und bei Anzeichen von Gefahr anzuhalten“, so McGinn, der mittlerweile Direktor der Fußgängerschutzorganisation „America Walks“ ist.

Tödlicher Uber-Unfall als mahnendes Beispiel

McGinn spielt damit vor allem auf einen Unfall aus 2018 an, bei dem ein Fußgänger in Arizona während einer Testfahrt mit einem autonom fahrenden Uber-Fahrzeug tödlich verletzt wurde. Untersuchungen zeigten später, dass das verwendete System nicht auf die Erkennung von unvorsichtig auf die Straße laufenden Fußgängern trainiert war. Uber verkaufte seine Sparte für autonomes Fahren später an Aurora, das unter anderem Volvos Robo-Trucks ausstattet.

Ebenfalls 2018 wurde die Washington State Autonomous Vehicle Work Group ins Leben gerufen, um die Einführung der Technologie im Bundesstaat zu begleiten. Anna Zivarts, Mitglied des Exekutivausschusses, blickt autonomem Fahren im innerstädtischen Verkehr ebenfalls skeptisch entgegen.

Selbstfahrende Autos seien nicht nur aus Sicherheitsgründen riskant. Die Technologie lenke zudem von bewährten Lösungen für Probleme wie Fußgängersicherheit und Verkehrsstaus ab. „Wir sollten in Dinge investieren, von denen wir wissen, dass sie funktionieren wie Transit und Bürgersteige“, sagte Zivarts gegenüber der Seattle Times.

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Quelle: Zoox, The Seattle Times