Mit ARwall soll dank Augmented Reality und interaktiven Monitoren die Filmproduktion nachhaltig verändert werden. Wie funktioniert das?

Greenscreen war gestern, die Zukunft der Filmproduktion liegt in der Augmented Reality. Zumindest wenn es nach dem kalifornischen Unternehmen ARwall geht. Das setzt auf eine Echtzeit-Render-Technologie zur immersiven Effektdarstellung bei Filmen. Eine AR-Brille wird dafür nicht gebraucht.

ARwall – AR-Lösung für Filmproduktion

Am Filmset ersetzt eine Wand aus Monitoren den klassischen Greenscreen. Auf dem AR-Display wird passend zu der gerade zu drehenden Szene dank Echtzeit-Rendering ein fotorealistisches Bild angezeigt, beispielsweise der Blick in den Weltraum von einem Raumschiff aus.

Dadurch werden die Personen vor dem Monitor besser in die Szene eingebunden und es soll der Eindruck einer realistischen Umgebung im Hintergrund entstehen.

Die Unreal Engine sorgt je nach Kamerawinkel und Position der Kamera für eine Echtzeitaktualisierung des Bildes. Zwei Sensoren an der ARwall erfassen dafür einen speziell kalibrierten Tracker auf der Kamera.

Das Besondere daran ist die Simulation des Parallax-Effekts: Durch Veränderung der Position des Beobachters, also in diesem Fall der Kamera, scheint sich auch die Position des Objekts zu verändern. Das Ergebnis ist ein realistisch erscheinendes Gesamtbild.

Die Lichtverhältnisse des virtuellen Hintergrund-Filmsets werden zudem an das eigentliche Filmset angepasst. Eine spezielle Kamera schickt die Lichtdaten ebenfalls in Echtzeit an die Unreal Engine, die die Ausleuchtung der ARwall entsprechend verändert.

Vor- und Nachteile von ARwall

Im Gegensatz zur klassischen Aufnahme vor einem Greenscreen bietet die AR-Lösung einige Vorteile. Da die Schauspieler und Regisseure die jeweilige Szene direkt vor Augen haben, können sie lebendiger mit den digitalen Figuren und der Umgebung interagieren. Die fette Explosion im Hintergrund muss sich der Schauspieler nicht mehr vorstellen, er sieht sie tatsächlich und kann so bei seiner Darbietung besser auf sie eingehen.

Auch Spezialeffekte können schon im Vorfeld mit eingebunden werden. Die Technologie wurde bereits in der Netflix-Serie Nightflyers von Syfy genutzt, die auf George R. R. Martins gleichnamigen Buch basiert. Neben der Filmproduktion ist der Einsatz natürlich zu Marketing- oder Eventzwecken denkbar.

Dennoch unterliegt die neue Technik noch einigen Einschränkungen. Während die Monitorgröße laut Verantwortlichen keine Rolle spielt, ist die Auflösung bisher auf 6.6K limitiert. Außerdem sollte die Kamera mindestens drei Meter entfernt stehen.

Zwar ist der Einsatz einer zweiten Kamera möglich, empfohlen wird allerdings ein einzelnes Aufnahmegerät. 3D-Aufnahmen dürften damit also schwierig werden. Fraglich ist auch, ob die Vorab-Produktion der Kulisse nicht Probleme bei der Postproduktion macht. Theoretisch könnte sie ja entfallen, dafür müsste die Kulisse aber schon vor dem eigentlichen Dreh detailliert fertiggestellt sein. Eine Nachbearbeitung dürfte aber aufwendiger sein als bei einem Greenscreen.

Der Greenscreen wird also kaum komplett ersetzt werden können, aber in bestimmten Szenen könnte ARwall eine Bereicherung darstellen.

Titelbild: ARwall

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