Auf der WWDC 2021 stellte Apple eine eigene Schnittstelle für Photogrammetrie vor. “Object Capture” liefert laut ersten Experimenten hochwertige Ergebnisse und könnte in Zukunft tolle 3D-Scans mit dem iPhone ermöglichen – auch ohne Lidar.

Mit Photogrammetrie lassen sich erstaunlich realistische digitale 3D-Duplikate von Objekten und Orten erstellen. Hierbei wird der Gegenstand des Interesses zuerst aus so vielen Perspektiven wie möglich fotografiert. Eine Software vernäht die Fotografien anschließend in einem rechenintensiven Prozess zu einem detaillierten 3D-Modell samt Textur.

Brauchte man früher hochwertige Kameras, spezielle Photogrammetrie-Programme und viel Rechenleistung, könnte in ein paar Jahren schon ein Smartphone reichen. Mit dem Lidar-Scanner des iPhone 12 Pro (Max) zum Beispiel gelingen schon heute tolle 3D-Scans.

Object Capture – schnell und gut, aber nur auf Macs

Apples Object Capture soll die Hürden für hochwertige Photogrammetrie weiter senken. Mit der Software können Entwickler Apps mit einem Apple-eigenen, optimierten Photogrammetrie-Prozess entwickeln.

Die Schnittstelle richtet sich an Entwickler und Unternehmen, die relativ unkompliziert 3D-Duplikate physischer Gegenstände erstellen wollen und unterstützt derzeit nur Macs. Gut möglich, dass Object Capture in Zukunft den Weg aufs iPhone und iPad findet, damit für Endverbraucher interessant wird und zur Demokratisierung hochwertigen 3D-Scannings beiträgt.

Erste Tests der Schnittstelle deuten auf eine besonders hochwertige und schnelle Photogrammetrie-Lösung.

Lidar-Scanner ist optional

Das Apple-Blog 9to5Mac hat Object Capture ausprobiert. Laut Apple kann die Schnittstelle Fotos einer Digitalkamera, Drohne oder eines iPhones oder iPads verarbeiten. Ein Lidar-Scanner wird nicht benötigt. Der Redakteur nutzte ein iPhone 12 Pro Max mit iOS 15-Beta und fotografierte damit eine Teeverpackung von allen Seiten.

Etwa 30 Fotografien reichen aus. Für beste Ergebnisse empfiehlt Apple mehr Fotografien, optimale Lichtbedingungen, ein Stativ und eine Plattform, die das Objekt dreht, ohne seine räumliche Position zu verändern. Der Redakteur verzichtete für seinen Test auf diese Hilfsmittel.

Object Capture ist ein MacOS 12-Feature. Das neue Betriebssystem mit den Namen Monterey erscheint im Herbst. Da es demzufolge noch keine MacOS-App gibt, die Object Capture unterstützt, kompilierte der Tester eine eigene App basierend auf Anweisungen und Beispielen Apples.

Gute Ergebnisse in kurzer Zeit

In einem nächsten Schritt übertrug der Redakteur die Bilder auf einen Mac und ließ sie von der App zu einem 3D-Modell zusammenfügen.

Laut Apple wird ein Intel-Mac mit 15 Gigabyte Arbeitsspeicher und einer AMD-Grafikkarte mit mindestens 4 Gigabyte Videospeicher benötigt oder aber ein beliebiger Mac mit M1-Chip. Der Tester nutzte ein neues Macbook Air.

Das Gerät vernähte 40 Fotos in weniger als vier Minuten zu einem 3D-Objekt in Apples proprietärem AR-Dateiformat USDZ. Mit dem Fotografieren nahm der Prozess circa zehn Minuten in Anspruch. Das Resultat ist in folgendem Video zu sehen. Die rechte Verpackung ist echt, die linke digital.

Twitter-Stimmen fallen positiv aus

Auf Twitter gibt es ebenfalls schon Beispiele von Testern und Entwicklern. Der 3D-Scanning-Experte Jonathan Stephens digitalisierte mit Object Capture einen Turnschuh. Geometrie und Texturen wurden detailgetreu eingefangen.

Ein Twitter-Nutzer mit dem Namen Chait digitalisierte einen Hut, erneut mit gutem Ergebnis.

Der CEO der weltgrößten 3D-Modellbibliothek Sketchfab sammelt derweil Beispiele für 3D-Scans, die mit Object Capture erstellt wurden. Eines davon ist dieser Bonsai oder die folgende Ananas.

Entwickler Ethan Saadia hat bereits eine MacOS-App mit grafischer Benutzeroberfläche entwickelt, die  die Photogrammetrie mit Object Capture vereinfacht und automatisiert. Wenn MacOS 12 und iOS 15 im Herbst erscheint, sollten dem 3D-Scanning mit Apples neuer Schnittstelle nichts mehr im Wege stehen.

Eine ausführlichere Video-Erklärung von Object Capture samt weiterführenden Ressourcen gibt es auf Apples Entwicklerseite.

Quelle: 9to5Mac, Titelbild: rom4in

Weiterlesen über Apple AR:

steady2

MIXED.de Podcast: VR, AR und KI - jede Woche neu

Jetzt reinhören: Alle Folgen


Hinweis: Links auf Online-Shops in Artikeln können sogenannte Affiliate-Links sein. Wenn ihr über diesen Link einkauft, erhält MIXED.de vom Anbieter eine Provision. Für euch verändert sich der Preis nicht.