Gestern öffnete Blizzard die Tore ins alte Azeroth und auch ich war einer jener, die nicht widerstehen konnten und der Nostalgie wegen eine Reise in die Vergangenheit unternahmen. Als VR-Enthusiast fragte ich mich dabei, ob und wann ein VR-MMORPG erscheint, das die gleiche Begeisterung auslöst wie damals World of Warcraft?

21 Jahre alt war ich, als World of Warcraft erschien. Ich hatte noch nie ein MMORPG gespielt und wusste nicht so recht, was mich erwartete. Zwar sollte ich nur wenige Monate spielen, dennoch blieb mir kaum eine andere Spielerfahrung so gut in Erinnerung wie das frühe World of Warcraft.

Da war diese gigantische Parallelwelt, die ganz für sich zu existieren schien und von Millionen von Menschen bevölkert und erforscht wurde wie ein digitaler Wilder Westen. Und ich trug meinen Teil dazu bei und erlebte meine Geschichte innerhalb eines ganzen Universums von Geschichten. Ich erinnere mich, wie aufregend und immersiv ich damals fand – auch ohne VR-Brille.

Und dennoch: World of Warcraft ist der Stoff, aus dem Matrix-Träume gemacht sind. Und so frage ich mich heute, 15 Jahre nach Erscheinen des Spiels, wo das große MMORPG der Virtual Reality bleibt? Denn ist dieses Medium nicht wie gemacht für ein Metaversum?

Die Zeit ist noch nicht reif

Aktuell gibt es in Sachen VR-MMORPGs nur wenig Auswahl. Da wäre zum einen OrbusVR, das sich in fast jeder Hinsicht an das große Vorbild World of Warcraft hält, mit dem Unterschied, dass man Spielhandlungen durch Körperbewegungen ausführt. Zum anderen gibt es Zenith, das sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befindet.

Beide Titel werden kaum jemals den Umfang und die Raffinesse eines World of Warcraft erreichen, weil vergleichsweise kleine Teams an den Spielen arbeiten. Virtual Reality ist halt jung und als Medium noch längst nicht so weit: weder technisch noch beim Design.

“VR-Brillen müssen leichter werden, sodass man die Dinger tragen kann. Sie müssen technologisch reifen, sodass einem nicht schlecht wird. Sie brauchen Controller, die für Spiele solcher Art geeignet sind. Und dann müssen wir noch herausfinden, wie die Inhalte und Spielmechaniken funktionieren”, sagte der leitende WoW-Entwickler Rob Pardo vor zwei Jahren über ein mögliches “World of Warcraft VR”.

Anders als Wow VR

Aber auch markttechnisch wird ein VR-MMORPG vom Kaliber World of Warcraft noch lange auf sich warten lassen. Denn was nützt einem eine riesige Welt, wenn sie von kaum jemandem bevölkert wird? Für Oculus-Gründer Palmer Luckey ist genau das der Grund, weshalb noch kein richtiges VR-MMORPG entstehen kann.

Angesichts des kleinen VR-Marktes wird sich kein großes Studio die Mühe machen, ein VR-Spiel solchen Ausmaßes zu entwickeln. Denn nichts ist so teuer, kompliziert und unsicher wie die Entwicklung eines MMOs.

Möglicherweise wird es eines fernen Tages ein VR-MMORPG von der Größe und Vision eines World of Warcraft geben, aber es wird vermutlich ganz anders sein, als wir es heute erwarten. Weil Virtual Reality ein anderes Medium ist, das nach einer eigenen Sprache verlangt. Es wird vollkommen anders als ein WoW VR, aber uns dennoch so magisch vorkommen wie Blizzards Spiel vor 15 Jahren.

Titelbild: Blizzard Entertainment

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