Wie euch Meta Metaverse-Sneaker verkaufen könnte

Wie euch Meta Metaverse-Sneaker verkaufen könnte

Im Metaverse überschneiden sich Shopping-Systeme und Werbeanzeigen und die Individualisierung nimmt zu. So könnte Meta neue und größere Umsatzströme erschließen – insbesondere dann, wenn der Konzern das Digitale per AR zunehmend in die Realität integriert.

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Ein 2019 genehmigtes Patent „Bestimmung des Aussehens von Objekten in einer virtuellen Welt auf der Grundlage des Sponsorings von Objektaussehen“ von Meta beschreibt ein Werbesystem, das euch auf eure Vorliebe abgestimmte Produktdesigns in einem virtuellen Store anzeigt.

Individuelle VR-Werbewelten

Im Klartext heißt das: Ihr wandert gemeinsam mit euren Metaverse-Freund:innen in einen virtuellen Store, dessen Aufbau für alle gleich ist. Aber: Ihr seht unterschiedliche Produkte, passend zu euren individuellen Vorlieben.

Das von Meta angedachte Online-System empfängt dafür „Sponsoring-Anfragen für das Sponsoring von Erscheinungen eines oder mehrerer Objekte in der virtuellen Welt“. Bei der Präsentation wählt das System dann laut Patent aus den zur Verfügung gestellten Werbedaten ein „zu den Merkmalen des Benutzern“ passendes Erscheinungsbild für das virtuelle Objekt und zeigt es an.

Das ist im Grunde Metas – oder auch Googles – auktionsbasierte Web-Werbemodell übertragen auf eine virtuelle Welt: Es existiert ein fixer Platz für eine Anzeige auf einer Webseite oder in einer App, der vom höchstbietenden Unternehmen mit Werbung gefüllt werden darf.

Schon bei der Metaverse-Vision-Präsentation zeigte Meta E-Commerce mit digitalen Gütern für Avatare. | Bild: Meta

Interessant ist für Meta, dass es – im Falle einer selbst verwalteten Metaverse-Umgebung – neben den Werbegebühren gleichzeitig noch Gebühren für die Transaktion erheben könnte, sollte sich der Benutzer zum Kauf entscheiden. Amazons Marketplace-Strategie könnte hier als Vorbild dienen. Hängt dann am digitalen Gut auch noch ein reales – etwa Sneaker, die für den Avatar und in der Realität geliefert werden – steigt das Umsatzpotenzial weiter.

AR-Mode: Digitale Güter in der Realität

Jetzt stelle man sich vor, dass der Sneaker gar nicht mehr real produziert werden müsste, sondern stattdessen per Augmented Reality die digitale Nutzung in die Realität überführt wird. Menschen könnten maßgeschneiderte „Platzhaltersneaker“ aus dem 3D-Drucker tragen, auf die per AR-Brille das favorisierte Design projiziert wird.

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Das könnte neue Modetrends auslösen, wäre wahrscheinlich ressourcenschonender und dürfte insbesondere bei nachrückenden Generationen Anklang finden, die sich mit ihrer digitalen Identität mindestens ebenso stark identifizieren wie mit ihrer realen Existenz (höre dazu: MIXEDCAST #274 – Metaverse-Trolle).

„Es ist ein interessantes Gedankenexperiment, wenn man einen Tag herumläuft und sich denkt: Wie viele Dinge in meinem Leben müssen gar nicht physisch existieren und könnten leicht durch ein digitales Hologramm ersetzt werden in einer Welt mit einer [Tech-] Brille“, sagte Meta-Chef Mark Zuckerberg im Sommer 2021. „Das ist Teil der Metaverse-Vision, dass wir viele digitale Güter haben wie unter anderem digitale Kleidung.“

Auch das oben beschrieben VR-Shop-Werbesystem könnte mit Augmented Reality auf reale Läden ausgeweitet werden: Man betritt einen physischen Laden und bekommt digitale Güter präsentiert.

Allerdings dürfte in einem so fortschrittlichen Sci-Fi-Szenario der physische Shop in vielen Fällen einfach ausgedient haben. Und es gibt unzählige Fragezeichen bei diesem Beispiel: Die notwendige Technologie existiert nicht, und ob diese Konzepte selbst bei jungen Menschen auf Akzeptanz treffen, ist nicht absehbar. Letztlich würden individuelle digitale Welten, die in die gemeinsame Realität integriert sind, das soziale Miteinander massiv verändern und womöglich spalten. Was sehen die  Menschen, die nicht partizipieren wollen an der Mixed Reality – eine dröge Realität, wie sie Keiichi Matsuda visualisierte?

Vielleicht startet Zuckerberg genau wegen dieser Komplexität mit einem Fokus auf die Virtual Reality. Dort ist die Vielfalt an Umgebungen überschau- und kontrollierbar. Entsprechende Konzepte und Systeme können so leichter erprobt und etabliert, Nutzer an sie gewöhnt und in das Ökosystem integriert werden – bevor dann die weitere Expansion des Metaversums in die Realität technisch möglich und sozial durchsetzbar ist.

Weiterlesen über das Metaverse:

Quellen: Link zum Patent (Patent via FT)