Autonomes Fahren: GM Ultra Cruise fährt teilautonom

Autonomes Fahren: GM Ultra Cruise fährt teilautonom

General Motors entwickelt sein fortschrittliches Fahrassistenzsystem weiter und nähert sich autonomem Fahren an. Was kann Ultra Cruise?

Auf einem Investoren-Event kündigt General Motors ein neues fortschrittliches Fahrassistenzsystem (ADA) an. Die technologische Weiterentwicklung von „Super Cruise“ soll 2023 starten und in 95 Prozent aller Verkehrsszenarien funktionieren. Mit dem neuen „Ultra Cruise“ steht der US-Konzern schon bald in direkter Konkurrenz zu Teslas Autopilot und Full Self-Driving Software.

GMs Ultra Cruise: Zwei Millionen Meilen durch Nordamerika

Mit Super Cruise bietet GM schon heute ein Fahrassistenzsystem an, das teilautomatisiertes Fahren ermöglicht. Dessen Funktionalität ist auf bestimmte Highways in den USA und Kanada beschränkt. Insgesamt können GM-Kund:innen auf einer Gesamtstrecke etwa 200.000 Meilen (ca. 321.869 km) teilautomatisiert fahren.

Der drittgrößte Auto-Konzern der Welt kündigt an, dass Ultra Cruise zum Start auf asphaltierten Straßen mit einer Gesamtstrecke von mehr als zwei Millionen Meilen aktiviert werden könne. Zudem soll das System künftig durch maschinelles Lernen, Erkenntnisse aus der realen Fahrumgebung und Over-the-Air-Updates verbessert werden.

Das Ziel sei, die technologische Weiterentwicklung von Super Cruise auf über 3,4 Millionen Meilen durch die beiden nordamerikanischen Länder einsetzen zu können. Ultra Cruise soll den Luxus-Modellen in GMs Sortiment vorbehalten sein. Als Erstes wird die Marke Cadillac die Technologie 2023 einsetzen, möglicherweise im kommenden E-SUV Lyriq.

GMs Ultra Cruise vs. Teslas Autopilot: Wo liegen die Unterschiede?

Während Teslas Autopilot derzeit Straßen mit Fahrbahnmarkierungen voraussetzt, soll Ultra Cruise auch unterteilte Straßen beherrschen. Die Funktionsweise gleicht der Konkurrenz: Ultra Cruise reagiere laut GM auf Geschwindigkeitsbegrenzungen, Warnschilder und Ampeln, weiche Objekten aus, führe automatische und bedarfsgesteuerte Spurwechsel durch und unterstütze das Einparken in Hofeinfahrten. Das System könne laut GM-Präsident Mark Reuss städtische und ländliche Straßen bewältigen.

Chef-Ingenieur Jaseon Ditman ergänzt: „Die Fahrer können freihändig über fast alle befestigten Straßen fahren, einschließlich Stadtstraßen, Nebenstraßen und ländliche befestigte Straßen.“ Ultra Cruise sei eine Routenverfolgungsfunktion, die Abstände und Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalte.

Mehr Sensoren, weniger Karten

GM verbaut in seinem neuen System eine Kombination aus Kameras, Radar- und Lidar-Sensoren. Super Cruise setzt auf Lidar-basierte HD-Karten, verfügt aber nicht über einen eigenen Lidar-Sensor. Laut Ditman sei es allerdings nicht praktikabel, alle zwei Millionen Meilen für Ultra Cruise vorab zu kartieren.

GMs Ultra Cruise soll 95 Prozent aller Verkehrsszenarien bewältigen können.

GMs Ultra Cruise soll 95 Prozent aller Verkehrsszenarien bewältigen können. | Bild: General Motors

„Wir verlassen uns auf ähnliche Kartendaten. Wenn wir also die Kartengenauigkeit mit dem kombinieren, was unsere Sensoren über die Straßengeometrie und die Straßenmarkierungen sehen, können wir uns immer noch genau positionieren und den richtigen Nennweg fahren“, so Ditman. Konkurrent Tesla musterte das Radar vor kurzem aus und setzt seitdem ausschließlich auf ein KI-System mit Computer Vision. Auf einen Lidar-Sensor verzichtet der E-Autobauer generell.

Auch Ultra Cruise übernimmt das Fahren nicht vollständig

Sowohl Tesla als auch GM erreichen auf der SAE-Norm J3016 Level zwei des autonomen Fahrens. Auf dieser Stufe übernimmt das Fahrzeug das Lenken, gibt selbstständig Gas und bremst. Es überwacht den toten Winkel und wechselt die Spur. Unter bestimmten Bedingungen fährt das Fahrzeug also selbstständig, Fahrer:innen müssen aber stets aufmerksam bleiben und sofort das Steuer übernehmen können.

Hier sehen einige Expert:innen ein Risiko vieler ADA-Systeme der Stufe zwei. Vertrauen Menschen einem System zu schnell, neigen sie dazu, unachtsam zu werden. Aufgrund dieser Sicherheitsbedenken stellte die Google-Schwester Waymo die Entwicklung eines solchen Systems ein. Das Unternehmen stuft autonomes Fahren als sicherer ein. Waymos autonom fahrende Taxis erreichen derzeit Stufe 4.

Ultra Cruise: Sprachassistent warnt bei Ausfall

Ultra Cruise führt die Aufmerksamkeitskamera seines technologischen Vorgängers fort. Die verfügt über eine Eye-Tracking-Technologie, um die Aufmerksamkeit der Fahrenden sicherzustellen. Auch Tesla setzt Sicherheitssysteme ein, die insbesondere die Hände am Lenkrad kontrollieren oder Gewicht auf dem Fahrersitz feststellen. Verschiedene Tests zeigten aber, dass beide Systeme überlistet werden können.

Gerät Ultra Cruise in ein Fahrszenario, das es nicht bewältigen kann, signalisiert es das durch aufsteigende Lichter und haptisches Feedback über das Lenkrad. Zusätzlich informiert ein Sprachassistent Fahrer oder Fahrerin, dass es Zeit wird, das Steuer zu übernehmen. Als Beispiel für eine komplexe Straßenbedingung, die das ADAS („Advanced Driver Assistance System“) nicht schafft, nennt Ditman den Kreisverkehr.

Weiterlesen über autonomes Fahren: