Titelbild: Fantasic VRour; Fotograf: Spiderman

Auf 200 Quadratmetern gibt’s bei Zero Latency reichlich VR-Action. Lohnt sich das Eintrittsgeld?

Im Gewerbepark Neufahrn in einem Entertainment-Komplex am Rande Münchens eröffnete im März die erste deutsche VR-Arcade von Zero Latency. Die Spielhallenmarke expandiert weltweit und steht für VR-Action für acht Spieler auf mindestens 200 Quadratmetern.

Rund 25 Anlagen existieren derzeit, die jeweils den Betreibern gehören. Zero Latency verkauft die Technik, die Software und Training als Gesamtpaket und hilft beim Aufbau.

Die einzelnen Zero-Latency-Arcades sind miteinander vernetzt: Wer sich in München einen Avatar anlegt, könnte in Madrid mit diesem weiterzocken.

Willkommen bei Zero Latency: Die Lobby ist im Sci-Fi-Look gehalten. Bild: Steiner / MIXED

Willkommen bei Zero Latency. Bild: Steiner / MIXED

Hören statt lesen:

Ihr könnt euch unser Arcade-Review auch im MIXED Podcast Folge 146 anhören:

Die Technik

Zero Latency setzt auf die Open-Source-Brille OSVR Razer HDK 2. Die bietet mit zwei RGB-OLED-Displays und einer Auflösung von 2.160 mal 1.200 Pixeln bei 90 Hz leicht bessere Spezifikationen als Oculus Rift und HTC Vive.

Leider sitzt die Brille nicht besonders bequem und die Schärfe muss umständlich für jedes Auge einzeln justiert werden. Bei Einsteigern reicht es dennoch für einen Wow-Moment, Enthusiasten haben schon besseres auf dem Kopf gehabt. Ein Upgrade ist in der Mache.

Blick auf die Hardware: Das Tracking funktioniert gut, die VR-Brille ist so lala, erfüllt aber ihren Zweck. Bild: Steiner / MIXED

Blick auf die Hardware: Das Tracking funktioniert gut, die VR-Brille ist so lala, erfüllt aber ihren Zweck. Bild: Steiner / MIXED

Verkabelt wird die VR-Brille mit einem Rucksack-PC, dank dem man sich frei in der gesamten Halle bewegen kann. In der Halle sind rund 60 Sensoren und Kameras verteilt, die Leuchtkugeln an der VR-Brille und am Zubehör erfassen. Bei unserem Test funktionierte das Tracking fast perfekt und ohne spürbare Latenz.

Der 21-jährige Geschäftsführer Korbinian Gritz und sein Onkel planten und bauten die Anlage rund ein Jahr. Alleine in die Technik investieren die Betreiber laut eigenen Angaben weit über eine Million Euro. Teile der Anlage befinden sich noch im Bau.

Gritz würde jedem empfehlen, eine VR-Spielhalle in der Nähe anderer Entertainment-Angebote aufzubauen. Den typischen VR-Arcade-Besucher gebe es nicht, bei ihm würden Spieler jeden Alters aufschlagen.

Zero Latency in München ist Teil eines größeren Entertainment-Komplex. Bild: Steiner / MIXED

Zero Latency in München ist Teil eines größeren Entertainment-Komplexes. Bild: Steiner / MIXED

Das Spielerlebnis

Zur Auswahl stehen drei Ballerspiele: In zwei davon geht es gegen Zombies, im dritten in den Weltraum. Zusätzlich zur Auswahl steht ein familienfreundliches Puzzlespiel. 90 Prozent der Besucher entscheiden sich laut Gritz für eine Zombie-Ballerei. Machen wir auch, sind halt Mainstream.

Vor dem Spielstart gibt es eine Einweisung, während des Spiels können sich die Spieler über Mikrofone unterhalten. Ein Spielleiter des Arcade-Teams schaut von außen, dass das Spiel reibungslos läuft und gibt im Notfall Tipps per Funk durch. Jedes Spiel dauert circa 30 Minuten bei einem Ticketpreis von 39 Euro.

Spielleiter überwachen den Ablauf von außen. Bild: Steiner / MIXED

Spielleiter überwachen den Ablauf von außen. Bild: Steiner / MIXED

200 Quadratmeter Trackingfläche: Das ist schon richtig viel und eindrucksvoll. Sie sorgt für den magischen Moment in der VR-Arcade.

Denn nichts steigert die Immersion so sehr, wie auf den eigenen Beinen durch die Virtual Reality zu rennen. Das klappt in der eigenen Wohnung immer nur ein paar Schritte – bei Zero Latency die ganze Zeit. Ich legte in knapp 30 Minuten Spielzeit 500 Meter zurück, der Vielläufer in unserer Gruppe schaffte sogar einen Kilometer.

Wir stürmen also von Raum zu Raum, geben uns gegenseitig Rückendeckung, sprechen Strategien ab und fürchten uns vor dem nächsten Zombie, der womöglich hinter der Ecke lauert. Die Plastikknarre in der Hand verwandelt sich in der Virtual Reality in ein detailliertes Gewehr, was die Immersion schön unterstützt im Vergleich zu Heim-VR.

Nach dem Spiel gibt’s umfangreiche Statistiken und Highscore-Listen, die im eigenen Profil hinterlegt und bei einem späteren Zero-Latency-Besuch erneut aufgerufen werden können.

Fazit: Geteilte VR ist die bessere VR

Das Zero-Latency-Erlebnis lebt von der ungebundenen, weitläufigen VR-Fortbewegung und dem sozialen Erlebnis. Unsere Gruppe bestand ausschließlich aus VR-Veteranen, die bei der Technik hier und da ein Auge zudrücken mussten, am Ende aber jede Menge Spaß hatten.

Der Grund: Der Kampf gegen VR-Zombies macht mit Freunden viel mehr Spaß als alleine. Die körperliche Präsenz am selben Ort und die realistische Fortbewegung sorgen für ein VR-Abenteuer, das man weder Zuhause noch online erleben kann.

Der Eintrittspreis ist mit 39 Euro für 30 Minuten Spielspaß eher auf der hohen Seite, allerdings mussten die Betreiber auch kräftig in die Anlage investieren, um das insgesamt außerordentliche VR-Erlebnis überhaupt anbieten zu können.

Hinweis: Zero Latency zahlte meine Anfahrt und übernahm den Eintritt.

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