Im Metaverse leben: Dieser Philosoph befürwortet die Sci-Fi-Vision

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David Chalmers' neues Buch Reality+: Virtual Worlds and the Problems of Philosophy ist ab sofort bei Amazon.de erhältlich.

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Der australische Philosoph David Chalmers fragt in seinem neuen Buch, was passiert, wenn man virtuelle und physische Realität nicht mehr unterscheiden kann.

Chalmers ist Professor für Philosophie und Neurowissenschaften an der New York University. Sein Fachgebiet ist die Philosophie des Geistes, eine philosophische Strömung, die sich mit der Natur des Bewusstseins befasst. Der Anti-Materialist Chalmers ist bekannt für seine Überzeugung, dass sich Erlebnisse nicht vollständig auf physische Eigenschaften reduzieren und durch diese erklären lassen.

In seinem neuen Buch Reality+ (siehe Quellenangabe am Ende des Artikels) setzt er sich mit der technologischen Zukunft und deren möglichen Folgen auseinander. Chalmers geht davon aus, dass sich Virtual Reality und Augmented Reality in den nächsten hundert Jahren so stark weiterentwickeln könnten, dass es schwierig oder gar unmöglich wird, Digitales und Physisches voneinander zu unterscheiden.

Vor diesem Hintergrund und ausgehend von der eigenen Bewusstseinsphilosophie arbeitet Chalmers einen neuen Realitätsbegriff heraus, der beide Sphären umfasst.

Realität Plus: Bits statt Quarks und Elektronen

„Eine weitverbreitete Vorstellung virtueller Realitäten ist, dass es sich dabei um eine Art Scheinrealität handelt, dass das, was man in VR wahrnimmt, nicht real ist. Ich denke, das ist falsch“, sagte Chalmers in einem Gespräch mit dem britischen Guardian.

Die virtuellen Welten, mit denen wir interagieren, können genauso real sein wie unsere normale physische Welt. Virtuelle Realität ist echte Realität, meint der Philosoph. Der Wirklichkeitsstatus der Virtual Reality sollte nicht abgewertet werden, nur weil sie auf Bits statt Quarks und Elektronen basiert.

In einer weit entfernten Zukunft könnten klobige VR-Brillen durch Hirn-Computer-Interfaces ersetzt werden, die ein vollsensorisches Einklinken in virtuelle Welten erlaubten – so wie in den Matrix-Kinofilmen.

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Statt gegen die zunehmende Digitalisierung des Lebens auf die Barrikaden zu gehen, empfiehlt Chalmers, sich in dieses Schicksal zu fügen und noch mehr: es willkommen zu heißen. „Die meisten Faktoren, die dem Leben Sinn geben, werden auch in virtuellen Welten vorhanden sein“, sagt er. „Es gibt keinen guten Grund zu glauben, dass das Leben in der VR bedeutungslos oder wertlos sein wird“, sagt der Philosoph.

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Digitale Welten: Flucht oder sicherer Hafen?

In der Virtual Reality könnten Menschen Superkräfte besitzen, andere Körper ausprobieren, neue Sinneserfahrungen machen und Welten erkunden, die nicht an die Gesetze der Physik gebunden sind. Sie werden virtuelle Jobs haben sowie Wünsche und Ziele, die sich auf virtuellen Umgebungen beziehen, prophezeit Chalmers. Das klingt nach Mark Zuckerbergs Metaverse-Fantasie, seinem Wunsch, eine virtuelle Parallelwelt zu errichten.

Von dieser Vorstellung losgelöst, versucht Chalmers, sich vorzustellen, wie ein „gutes Leben“ im Zeitalter der Virtual Reality aussehen könnte. Dabei warnt er vor neuen Risiken, die mit dem Übergang in ein zunehmend digitales Leben einhergehen, etwa der Vernachlässigung des physischen Körpers oder der physischen Welt selbst. „Die physische Realität ist wichtig. Wir müssen in ihr verankert bleiben und sie gut behandeln“, sagt der Philosoph.

Würde die Lebensqualität gleichwohl erodieren, etwa durch Naturkatastrophen, nukleare Kriege oder Pandemien, so könnte die Virtual Reality einen „sicheren Hafen“ bieten, meint Chalmers. Hat der Philosoph eine Sci-Fi-Dystopie im Stile eines Ready Player One (Amazon-Link) im Sinn?

Virtual Reality: Die perfekte Manipulationsmaschine

In Ernest Clines Buch hat sich die Menschheit wegen globaler Krisen in eine virtuelle Welt geflüchtet. Die wiederum droht in die Hände eines korrupten, geldgierigen Großkonzerns zu fallen, der sie zur Manipulation der Massen nutzen könnte. Ein Szenario, das laut dem VR-Pionier und Social-Media-Kritiker Jaron Lanier nicht allzu weit von der Realität ist.

„Wenn virtuelle Welten von Unternehmen kontrolliert werden, wie es im Moment der Fall zu sein scheint, wird das zu einer potenziell dystopischen Realität führen, in der die Unternehmen alles in unserer Umgebung kontrollieren? Ich denke, es gibt gute Gründe, sich darüber Sorgen zu machen“, sagt Chalmers.

Die Thesen des Philosophen sind provokant, was ihm sicher viel Aufmerksamkeit einbringen wird. Wie fundiert und bereichernd seine Gedanken und Ideen wirklich sind, können wir ab nächster Woche erfahren. Reality+ (Amazon-Link) erscheint am 25. Januar 2022.

Letzte Aktualisierung am 29.09.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten

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Quellen: The Guardian