Virtual Reality-Fitness: Der Muskelkater ist echt

Virtual Reality-Fitness: Der Muskelkater ist echt

In seinem Langzeittest kloppt Josef bunte Kugeln in FitXR. Wie fühlt sich die erste Woche Virtual Reality-Fitness an?

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Mindestens drei Einheiten wöchentlich mit je einer Stunde Training hatte ich mir vorgenommen, um meine mangelnde Fitness aufzupäppeln. Das sollte machbar sein. Ist schließlich nur VR-Fitness. Wie hart kann das schon sein? Ich höre die virtuellen Trainer:innen noch heute über mich lachen.

FitXR bietet im Grunde drei unterschiedliche Trainingsformen: ein Box-Workout, tanzbasierte Aerobic-Kurse und High Intensity Interval Training (HIIT). Schlau wie ich bin, packe ich je einen Kurs aus jeder Trainingsart in meine täglichen Einheiten. Best. Idea. Ever. Es dauert genau zwei Tage, bis ich mich nicht mehr bewegen kann. Aber der Reihe nach.

Boxen in FitXR: Der Klassiker

Montagmorgen. Motiviert bis in die Zehenspitzen suche ich mir als Erstes einen Box-Kurs aus. FitXR stellt seit seinem großen Update regelmäßig neue Trainer:innen vor und bietet Wochen-Challenges unter dem Namen „Find your fit“ an.

Passend zu meinem Vorhaben startet gerade der Box-Kurs „Champ Status“ mit Trainer Adam Rosante. Sechzehn Minuten lang Boxen zu Pop-Musik und dabei 83 kcal verbrennen (in Lebkuchen gerechnet: 0,8). Klingt gut, nehm‘ ich.

Bevor es losgeht, habe ich die Wahl zwischen fünf Umgebungen: einem Park, dem Box-Studio oder einer weihnachtlichen Eislaufbahn mit Tag- und Nacht-Variationen. Obwohl ich geneigt bin, der Festtags-Deko stellvertretend für die Bauchspeck-fördernden Plätzchen der letzten Wochen ordentlich die Visage zu polieren, versuche ich erst mal das klassische Box-Studio.

Rhythmus, bunte Kugeln, drauf hauen – alles wie gehabt

Nach einer kurzen Ladepause begrüßt mich der übermotivierte Adam aus dem Off. Ich bekomme die Anweisung, meine Beine seitlich versetzt zu positionieren, mit dem linken Fuß nach vorn. Fünf Runden stehen an, in denen ich meinen Schultern lockern, die Bauchmuskeln (welche Bauchmuskeln?) anspannen und das Kinn hochhalten soll.

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Während mir seichter Kirmes-Techno in den Ohren dröhnt, fliegen die bekannten farbigen Bälle im Rhythmus des Beats auf mich zu. Blau für die linke Faust, gelb für die Rechte. Gelegentlich muss ich beide Fäuste wie bei einer Deckung vor das Gesicht halten und blauen Schranken mit einer Kniebeuge ausweichen – Ähnlichkeiten mit Beat Saber sind sicher ganz zufällig.

Manche Kugeln wollen mit einem Schwinger von links oder rechts getroffen werden, andere mit einem Uppercut. Seit meinem letzten Besuch vor ein paar Monaten sind zwei neue Varianten mit dabei: Niedrig heran rauschende Kugeln, die ich aus der Hocke treffen muss und einige mit schräg abgesenkter Schlagrichtung. Das macht das Ganze gleich spannender.

Virtuelle Motivations-Coaches mit dem gewissen Cringe-Effekt

Trainer Adam gibt mir zwischendurch immer wieder Anweisungen und versucht mich bei Laune zu halten. Nach einer kurzen Treffer-Serie mit schnellen Schlägen brüllt er mir plötzlich ein lang gezogenes „YEEEAAAAH“ ans Trommelfell. Ich zucke peinlich berührt zusammen und verpasse ein Ziel. An seiner Motivationsfähigkeit muss Digital-Adam noch arbeiten.

Am Ende des Kurses bedankt er sich bei mir für das tolle Training und rät mir „think strong, be strong“ zum Abschluss. Von welchem Platzdeckchen er das wohl hat? Nach dem Training muss ich aber erst mal ordentlich durchatmen.

Die 1.219 Schläge machen sich bemerkbar und meine Arme fühlen sich an wie Wackelpudding. Mit 538.949 Punkten und 79,5 verbrannten Kalorien liege ich auf einem mageren vierten Platz. Da geht noch mehr.

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Shut up and dance with me

Nächster Halt: Pop Dance. Mit leicht angeschlagenen Armen zieht es mich in ein Tanz-Workout. Hier kann ich sicher etwas entspannen, bevor es zum HIIT-Finale kommt. Beim Tanzen stehen mir drei Umgebungen zur Auswahl: der Dancefloor und wieder die beiden festlichen Eisbahnen. Natürlich gehe ich erst mal in die klassische Zappelhalle.

Ein kurzes Tutorial-Video zeigt mir die Basics. Wirklich schlauer bin ich danach nicht. Ich soll die Moves der Trainerin nachmachen. Ah ja. Auch Sarah hat heute Morgen einen tiefen Schluck aus dem Motivation-Zaubertrank genommen und wirkt völlig überdreht. Sie beschreibt mir kurz die anstehenden Bewegungen, ich verstehe nicht, wovon sie spricht und los gehts.

Die virtuelle Trainerin legt eine heiße Sohle auf das Parkett und ich muss den Bewegungsablauf erst mal selbst herausfinden. Gelegentlich ploppt ein „gut“ über ihr auf, aber meistens bewege ich mich nur „ok“ oder schaffe den Tanzschritt „beinah“.

Dabei geht es Schlag auf Schlag – ohne, dass der nächste Move erklärt wird. Was ein Glück, dass mich hier niemand zappeln sieht. Ich schmiere völlig ab und belege einen abgeschlagenen letzten Platz auf dem Highscore-Board. Nach acht Minuten ist der Kurs um. Ich solle die Moves gleich noch mal unter der Dusche ausprobieren, hihi. Ja, sehr witzig, Sarah.

HIIT in FitXr: Überfahren vom Fitness-Bus

Die HIIT-Kurse in FitXR sind eindeutig die Königsdisziplin und mir wird mehr als deutlich klargemacht, dass ich in der VR-Fitness-Hierarchie die Rolle des Hofnarren übernehme. Der Mix aus verschiedenen Übungen, die den gesamten Körper fordern und möglichst schnell ausgeführt werden müssen, zwingt mich in die Knie.

In einem kleinen Zeitfenster zwischen den Übungen erklärt Trainerin Dylan die Bewegungen und macht sie vor. Dieses Mal gibt es keine Entschuldigung. In der ersten Runde schlage ich auf je zwei Kugeln rechts oben und links unten in einer fließenden Bewegung. Möglichst schnell versteht sich. Anschließend laufe ich von rechts nach links und wieder zurück, während ich an jeder Position zwei Kugeln boxe.

Während des 15-minütigen Workouts kommen noch weitere Übungen hinzu, manche wiederholen sich. Die schlimmste ist die, bei der sich ein Netz von möglichen Zielpunkten vor mir aufspannt und immer wieder Kugeln an verschiedenen Positionen aufploppen. Wie bei Hau-den-Lukas jage ich den Kugeln hinterher und versuche möglichst viele zu treffen. Am Ende liege ich schweißgebadet mit allen vieren von mir gestreckt am Boden und bete, dass mich jemand findet und aufhebt.

Ich habe dich unterschätzt, FitXR und zwar deutlich

Mit einem derart fiesen Muskelkater habe ich nicht gerechnet. Chapeau, FitXR, ich habe dich unterschätzt. Nach den ersten beiden Trainingstagen muss ich pausieren. Nacken und Schultern streiken. Ich bin mir nicht mal mehr sicher, ob das noch ein Muskelkater ist oder schon in Richtung Zerrung geht.

Eines steht fest: Für die nächsten Trainingseinheiten stelle ich mir ein Aufwärm- und Stretching-Programm mit Cool-down zusammen. Nur mal schnell in die Virtual Reality hüpfen, Vollgas geben und wieder abdampfen ist keine gute Idee.

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