Der finnische VR-Brillenhersteller Varjo kündigt VR-1 an, eine teure VR-Brille für Geschäftskunden, die mit einem ultrascharfen Fokus-Display Architekten, Konstrukteure und Gestalter überzeugen soll.

Varjo startet den Verkauf und Versand von VR-1 ab heute in 34 Ländern, darunter Deutschland. Ganze 6.000 US-Dollar ruft das Unternehmen pro Brille auf, hinzukommt eine jährliche Service-Pauschale über 1.000 US-Dollar. Das ist selbst für Geschäftskunden ein happiger Preis. Endverbraucher sind ohnehin nicht die Zielgruppe und dürfen das Gerät gar nicht erst kaufen.

Begründet wird der hohe Preis insbesondere durch die aufwendige Doppel-Display-Konstruktion: Ein 3,5 Zoll OLED-Display (Kontext-Display) deckt das periphere Sichtfeld ab mit einer Auflösung von 1.440 mal 1.600 Bildpunkten bei 90 Hz.

Das Bild eines zweiten Micro-OLED-Displays (Fokus-Display) mit 0,7 Zoll wird in die Mitte des Kontextdisplays gespiegelt, genau an die Stelle, die der Brillenträger fokussiert, wenn er geradeaus durch die Linsen schaut.

Dieses zweite Display soll mit rund 60 Pixel pro Grad auflösen, was laut Varjo der 20-fachen Pixeldichte aktueller VR-Brillen entspricht. Der Übergang zwischen den beiden Displays soll laut ersten Berichten wahrnehmbar sein, ohne besonders zu stören.

Varjo_Road_to_VR

In der Mitte sieht man das Fokus-Display, umgeben ist es vom Kontext-Display. So deutlich wie in dieser Illustration soll der Übergang in der Brille nicht sichtbar sein. Bild: Varjo

Das Micro-Display läuft mit 60 Hz und bedeckt 20 Grad des gesamten Sichtfelds von circa 87 Grad. Durch die hohe Auflösung sollen im Fokusbereich der Brille keine einzelnen Pixel oder Pixellücken mehr sichtbar sein und das Bild plastisch wirken.

Die Linsen der Brille sind eine Eigenkonstruktion ohne Fresnel-Schliff. Laut Varjo verursachen sie weder Farbabweichungen noch Lichtblitzer, wie man sie von HTC Vive und Oculus Rift kennt.

Varjo_Vergleich

So deutlich ist laut Varjo der Unterschied zwischen Vive Pro und VR-1 – allerdings nur im rund 20 Grad weiten Fokusbereich. Die Auflösung im peripheren Sichtfeld liegt auf dem gleichen Niveau. Bild: Varjo

Eye-Tracking ist auch verbaut

Weiter hat VR-1 ein Eye-Tracking-System sowie SteamVR Tracking-Sensoren verbaut. Das Eye-Tracking-System wird für die automatische Einmessung des Augenabstands benutzt sowie für Software-Interaktion. Im Kontext des Doppel-Displays spielt es keine Rolle.

Verbunden wird VR-1 über eine USB-C-Linkbox mit einem Hochleistungs-PC, das Verbindungskabel ist zehn Meter lang. Kopfhörer sind nicht integriert. Das Gewicht der Brille liegt bei ordentlichen 905 Gramm, das ist fast doppelt so schwer wie Oculus Rift.

Als potenzielle Anwendungsszenarien nennt Varjo zum Beispiel die Geschäftsfelder Architektur, Training, Simulation, Design und Konstruktion. Varjo unterstützt zum Start gängige 3D-Werkzeuge wie Unreal, Unity oder Autodesk VRED und bietet eine eigene Programmierschnittstelle an. Im Laufe des Jahres soll eine Augmented-Reality-Erweiterung erscheinen, die erstmals im Mai 2018 vorgestellt wurde.

Unter anderem arbeiten Siemens, Saab und Audi (siehe Video unten) mit VR-1. Weitere Informationen sowie eine Bestellmöglichkeit gibt es auf der offiziellen Webseite.

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