“Star Wars: Vader Immortal II” für Oculus Quest und Rift macht da weiter, wo Episode I aufgehört hat – mit fast denselben Schwächen und Stärken.

Die beste Szene in Vader Immortal II ist die, in der Darth Vader einfach nichts tut. Endlich habe ich Gelegenheit für meine große Mutprobe: Ich stelle mich Fußspitze an Fußspitze mit dem schwarzen Ritter und starre ihm direkt in die ausdruckslose Maske. Er starrt zurück.

So verharre ich voller Ehrfurcht vor dem Albtraum meiner Kindheit, lausche seinem Röcheln und stelle mir vor, wie es wäre, wenn er mich plötzlich packt und durch die Luft schleudert. Gut investierte zehn Euro.

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Hört ihr seinen Atem? Bild: Disney

Eine Disney-Attraktion getarnt als VR-App

Natürlich packt mich Vader nicht aus heiterem Himmel an der Kehle, denn sein VR-Abenteuer ist so linear und vorhersehbar, wie es nur sein kann. Darth wartet einfach, bis ich mich an die richtige Stelle begebe. Dann geht die Handlung weiter.

Wäre Vader Immortal ein Film, ich müsste ihn für den kaum vorhandenen Plot verreißen, der in Episode II noch dazu fast nicht voranschreitet. Wäre Vader Immortal ein Spiel, ich müsste es für eine Spielmechanik verreißen, wie sie flacher kaum sein könnte.

Was Vader Immortal eigentlich ist: Eine Disney-Attraktion für daheim, wie eine Geisterbahn mit virtuellen Schauspielern, in die man für rund 30 Minuten eintaucht. Dazu passt der Eintrittspreis von zehn Euro. Wer mehr erwartet, wird enttäuscht.

Übermächtige Macht

Im Vergleich zur ersten Episode von Star Wars: Vader Immortal (Test) ist die zweite Ausgabe etwas weniger mysteriös, dafür insbesondere dank riesiger Ur-Ungetümer und eindrucksvoller Architektur und Höhlensysteme visuell spektakulärer.

Die Handlung beginnt direkt am Ende der ersten Episode: Mit meinem Kumpel Darth durchschreite ich die Katakomben des Corvax Fortress auf der Suche nach einer mysteriösen Energiequelle. Dort lehrt mich Vader “die Macht” – das dauert rund 30 Sekunden, ich bin halt talentiert. Ich richte meine Hand auf Steine oder Puzzleteile und navigiere die Objekte so zu ihrem Zielort, meist irgendeine Vorrichtung oder der Kopf eines Gegners.

Oculus Quest und Rift: In "Star Wars: Vader Immortal II" trainiert ihr die dunkle Macht

Vader bringt euch bei, wie man mit der Macht Steinchen wirft. Danach müsst ihr oft Steinchen werfen. Bild: Disney

Vader Immortal II setzt hauptsächlich auf diese Machtinteraktionen, die nicht so spektakulär und unterhaltsam sind wie die Lichtschwertkämpfe aus Episode I. Ein Lichtschwert, noch dazu ein besonders schönes, gibt’s natürlich auch, man setzt es nur weniger ein. Im Grunde ist die Macht so mächtig, dass man den Kultsäbel gar nicht benötigt.

Wenigstens im neuen Trainings-Dojo könnt ihr euch mit dem Lichtschwert austoben – es sogar werfen, was Spaß macht – und gegnerische Drohnen und Insekten zusätzlich mit Macht-Attacken ausschalten. Das ist für eine gewisse Zeit unterhaltsam. Wie lange genau, das hängt davon ob, wie sehr ihr euch für die Jagd nach Punkten begeistern könnt.

Im neuen Trainings-Dojo könnt ihr das Lichtschwert dank neuer Machtfähigkeiten jetzt auch werfen. Bild: Disney

Im neuen Trainings-Dojo könnt ihr das Lichtschwert dank neuer Machtfähigkeiten jetzt auch werfen. Bild: Disney

Test-Fazit zu Vader Immortal II: Star Wars sticht und Rift schlägt Quest

Eines ist klar: Würde Vader Immortal anders heißen, beispielsweise Klaus Immortal, würde niemand davon Notiz nehmen. Die VR-Erfahrung lebt davon, dass sie Star-Wars-Feeling bietet und man Darth Vader gegenüberstehen kann. Würde da stattdessen Klaus stehen, die Bewertungen im Oculus Store stünden sicher nicht bei fast fünf von fünf Sternen.

Star-Wars-Fans und -Freunde kaufen Immortal II sowieso. Es gibt ja ohnehin kaum Alternativen. Wer Episode I gut fand, wird sich auch von der Fortsetzung unterhalten fühlen. Wer kein Star-Wars-Fan ist, bekommt immerhin eine stark inszenierte VR-Erfahrung mit einer Produktionsqualität, wie man sie bei VR selten sieht.

In "Star Wars: Vader Immortal II" für Oculus Quest und Rift kommt das Dojo mit Macht zurück. Und es gibt einen noch größeren Gegner als Darth Vader selbst.

Vader Immortal II punktet mit Grafik und Inszenierung. Daher sollte man – wenn möglich – die PC-Version für Oculus Rift vorziehen. Bild: Disney

Das bringt mich zu einem anderen Punkt: Wer kann, der sollte Vader Immortal II unbedingt mit Oculus Rift (Amazon-Link) betrachten statt mit Oculus Quest (Amazon-Link). Der zweite Teil lebt noch stärker als der erste von der visuellen Inszenierung und die steht und fällt eben mit der grafische Leistungsfähigkeit des Abspielgeräts. Am PC bietet Vader Immortal II einige spektakuläre Sequenzen, die auf der mobilen Quest-Hardware weniger eindrücklich wirken. Da man bei Vader Immortal II ohnehin fast nur fix an einer Stelle steht, ist der große Vorteil von Quest – die kabellose Bewegungsfreiheit – weitgehend hinfällig.

Trotz meiner Kritik freue ich mich auf Episode 3, ganz einfach deshalb, weil dann das große Finale ansteht: ein Lichtschwert-Duell mit Darth Vader persönlich. Denn nur dafür wurde die ganze Serie am Ende doch ins Leben gerufen. Oder?

Star Wars: Vader Immortal II ist für euch geeignet, wenn

  • ihr auf Star Wars steht und Darth Vader begegnen wollt,
  • gerne mal ein altertümliches Lichtschwert schwingen möchtet,
  • auf ausschweifende Arena-Duelle steht
  • und Machtfantasien habt.

Star Wars: Vader Immortal II ist nicht für euch geeignet, wenn

  • euch Minimalinteraktion und Auf-Schienen-Unterhaltung abschreckt,
  • ihr gerne große Welten erforscht und eine spielerische Herausforderung sucht
  • oder ihr Angst vor schwarzen Masken habt.

Star Wars: Vader Immortal II bekommt ihr hier:

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