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Smarter Schrott: Alexa, was kannst du überhaupt?

Smarter Schrott: Alexa, was kannst du überhaupt?

Smart Speaker wie Amazons Alexa sind weit entfernt von ihrem eigentlichen Potenzial. 

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Smarte Geräte sind sehr komfortabel – wenn sie richtig funktionieren. Um direkt zu Beginn einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Ich finde meine Echo-Geräte grundsätzlich gut. Ich kann damit smarte Geräte, etwa Steckdosen, fernsteuern. Ich kann Musik hören, Erinnerungen einstellen oder per Drop-In die Kids zum Essen holen, ohne von oben nach unten brüllen zu müssen. Fragen beantwortet mir Alexa auch – mal mehr, mal weniger gut.

Der Markt wächst auch: Im dritten Quartal 2021 wurden satte 39 Millionen Smart Speaker weltweit verkauft. Laut einer Umfrage nutzen in Deutschland rund 20 Millionen Menschen einen Smart Speaker aktiv. Allerdings bedeutet Aktivität hier schon die einmalige Nutzung innerhalb der letzten zwei Wochen vor der Umfrage.

Ist das wirklich alles, was Amazon, Google & Co. einfällt? Ein bisschen Sprachsuche, ein wenig Licht-an-Licht-aus? Amazons Echo-Geräte gibt es jetzt seit 2016 in Deutschland – zwei Jahre vorher erschienen sie in den USA. Und ich bin ehrlich schockiert, dass die Vision hinter den Smart Speakern acht Jahre später kaum über Videotelefonie hinausgeht.

Dabei haben Smart Speaker meiner Meinung nach ungeheures Potenzial. Richtig eingestellt könnte mir Alexa Bescheid sagen, wenn es eine Neuigkeit zur Playstation VR 2, GTA 6 oder Veranstaltungen meiner favorisierten Künstler und Musiker in der Nähe gibt. Die Quellen und Themen könnte ich vorher konfigurieren und Alexa liest sie mir auf Wunsch vor – egal, ob ich gerade Sport mache, zur Arbeit fahre oder ein Computerspiel spiele. Ich muss nicht mehr ewig durch Feeds am Smartphone scrollen, um aktuelle Informationen zu meinen Themen zu finden und bekomme sie „Just in Time“.

Aber auch die Suche könnte deutlich besser sein. Mit etwas redaktionellem Aufwand und cleverer Architektur könnten wirklich hilfreiche Anleitungen umgesetzt werden. Wenn ich etwa gerade unter der Quest 2 stecke, aber vergessen habe, wie man einen Screenshot macht, könnte Alexa mir direkt helfen. Die Frage kann ich übrigens auch heute schon stellen – das Ergebnis der übersetzten Websuche ist aber Sondermüll.

Ähnliches gilt für Guides für Computerspiele. Wäre es nicht deutlich angenehmer, ohne das Spiel zu verlassen, eine hilfreiche Antwort auf eine Frage zu bekommen und nicht ein halbes Dutzend der üblichen Fast-Food-Artikel der Gaming-Presse durchklicken zu müssen, in denen dann doch nur halbseidene Infos stehen?

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Euch fallen wahrscheinlich noch viele weitere sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten ein. Doch abgesehen von nativen Anwendungen gibt es inhaltlich kaum Fortschritte bei Smart Speakern. Das liegt unter anderem daran, dass die Installation und die Abfrage von Informationen aus Skills schlicht unpraktisch ist und es darüber hinaus wenig gute Skills gibt. Beliebte Skills sind – wer hätte es gedacht – Furzgeräusche und dumme Sprüche. Der Mensch ist am Ende halt doch eher primitiv.

Neben mangelnder Vision und Inspiration seitens der Hersteller gibt es hier aber noch ein anderes Problem: Amazon & Co. bieten keine Möglichkeit, mit Inhalten Geld zu verdienen. Bei DEEP CONTENT haben wir selbst eine Reihe Konzepte für Smarte Skills in der Schublade liegen, allerdings wären Entwicklung und Inhalte eine reine Investition, da es keine vernünftigen Monetarisierungsmöglichkeiten gibt. Aufwand und Kosten stehen in keinerlei Verhältnis zum Nutzen, zumal ein passender Skill noch beworben werden müsste.

Smart Speaker könnten weit mehr sein als nur Schallwellenlichtschalter oder bessere Radios. Aber ähnlich wie bei Virtual Reality will der inhaltliche Durchbruch nicht so richtig kommen. Und deshalb lasse ich mich weiter von Alexa an meinen nächsten Termin erinnern und benutze Echo Show als digitalen Bilderrahmen. Irgendwie enttäuschend.

Ich wünsche euch einen Montag mit deutlich mehr genutztem Potenzial.

Euer Ben