Sci-Fi-Horror „Demonic“: Wie die VR-Traumwelt entstand

Sci-Fi-Horror „Demonic“: Wie die VR-Traumwelt entstand
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WIRED-Interview und Video ergänzt

Update vom 17. September 2021:

WIRED konnte sich mit Blomkamp über den Produktionsprozess der volumetrischen Szenen in Demonic unterhalten. Er benötigte aufgrund der zu verarbeitenden großen Datenmengen laut Blomkamp Monate.

Allein die Sicherung des Filmmaterials war laut Blomkamp ein enormer Aufwand: Pro Filmtag fielen rund zwölf Terabyte an Daten an. 24 Rechner seien nötig gewesen, um das Filmmaterial rechtzeitig zu sichern, damit die Kameras am nächsten Tag wieder einsatzbereit waren. „Um 7 Uhr morgens hatten wir die Daten des Vortags verarbeitet“, sagt Blomkamp.

Dennoch sind die 3D-Aufnahmen rein visuell beurteilt stark fehlerhaft im Vergleich zu herkömmlichen Filmaufnahmen – in Demonic stört das nicht, da die Fehler als visueller Effekt gut zum Inhalt passen.

Volumetrische Aufnahmen stellen laut Blomkamp nicht nur die Technologie vor eine besondere Herausforderung: Für Schauspieler:innen seien die Aufnahmen schwierig, da sie ihre Darbietung in einem recht engen Kamera-Ring präsentieren müssen statt vor einer vollwertigen Kulisse oder in einer realen Umgebung.

Zum VR-Potenzial äußert sich Blomkamp ebenfalls: „Der Film hat 100 Jahre damit verbracht, seine Methoden zu verfeinern. Ich sehe nur einen Weg, wie er sich wirklich verändern könnte, und das ist etwas wie volumetrische Videos, wo man sich hinsetzt und die Schauspieler direkt in VR betrachtet. Man könnte mit den Darstellern am Tisch sitzen, während sie sich unterhalten.“

Blomkamp ist sich allerdings unsicher, ob das 3D-Format auf Gegenliebe stößt: „Vielleicht ist es für das Publikum interessant, vielleicht auch nicht. Es ist schwierig zu sagen, wohin das führt. […] Was wir im Moment sehen, wird es noch für viele Jahre geben.“

Ursprünglicher Artikel vom 6. September 2021:

Neill Blomkamp hält begehbare Marvel-Filme für das nächste große Ding

In seinem neuen Sci-Fi Horrorstreifen Demonic spielte Neill Blomkamp inhaltlich und technisch mit VR-Filmtechnik. Der Regisseur sieht großes Potenzial in Echtzeit-Rendering und volumetrisch gedrehten Szenen.

In Demonic taucht Protagonistin Carly mit einem speziellen Hirn-Interface in simulierte 3D-Welten ein, die aus Träumen und Erinnerungen einer anderen Person zusammengesetzt werden.

Die Szenen in dieser Traumwelt drehte Blomkamp volumetrisch: Die Darsteller:innen betraten einen speziellen Kameraraum (siehe Titelbild), in dem sie von allen Seiten aus vielen Perspektiven gefilmt wurden. Diese Einzelbilder werden dann anschließend am Computer zusammengenäht und in eine frei begehbare 3D-Szene der fotogrammetrisch digitalisierten realen Kulisse gesetzt.

Eine Frau steht in einem Käfig voller Kameras.

So sieht ein volumetrischer Filmkäfig aus, der Schauspieler:innen mit zahlreichen Kameras aus vielen Perspektiven in 3D einfängt. | Bild: IFC Films

Blomkamp: Filmindustrie steht vor einer neuen Echtzeit-Ära

Blomkamp verwendete die volumetrische Filmtechnik in Demonic als visuelles Stilmittel: Räumliche Aufnahmen bieten noch nicht die Auflösung und das Detail herkömmlicher Aufnahmen. Daher wirken sie unfertig, bruchstückhaft, traumähnlich. Das passt zu Demonic.

Über seinen Ansatz hinaus sieht Blomkamp jedoch großes Potenzial in volumetrischen Filmen. Ihn erinnere die aktuelle Phase an jene, in der Filme wie Jurassic Park und Terminator 2 neue Techniken für aufwendige Spezialeffekte einsetzten und am Markt etablierten.

In einigen Jahren, davon ist Blomkamp überzeugt, sei Echtzeit-Rendering die dominante Produktionstechnik in der Filmindustrie. „Ob man einen Marvel-Film schaut oder Call of Duty spielt, alles passiert in Echtzeit gerenderten Umgebungen“, sagt Blomkamp.

Volumetrische Filme: Neue Perspektivenvielfalt in Hollywood

Der Wechsel auf Echtzeit-Rendering und volumetrische Aufnahmen verändert laut Blomkamp wiederum, wie Menschen Filme erleben können. Er verdeutlicht das am Beispiel einer großen Marvel-Produktion.

„Man könnte sich den Film passiv auf einer riesigen Leinwand ansehen, aber später eröffnet der Dreh in Echtzeit dem Publikum Hunderte von verschiedenen Möglichkeiten, mehr vom Film zu erleben, sei es, dass es physisch in die Szene hineingeht und herumläuft, sei es, dass es sich den Film in der virtuellen Realität ansieht oder Augmented Reality nutzt.“

Eine in 3D gefilmte Frau steht in einer in 3D gerenderten Küche.
Volumetrisch gedrehte Szenen wie diese sind mit einer VR- oder AR-Brille frei begehbar. | Bild: IFC Films

Blomkamp stellt in Aussicht, dass für die Traumszenen in Demonic nachträglich noch eine VR-Demo veröffentlicht wird. Diese sei gerade in Arbeit. Er hätte sich die Szenen bereits mit einer VR-Brille (Vergleich) angesehen: „Das ist eine ziemlich coole Erfahrung“, sagt Blomkamp.

„Ich glaube, was das Filmpublikum [bei Demonic] nicht wirklich versteht, ist, dass die Szenen mit Carly in der Simulation mit ihrer Mutter vollständig in richtiger Virtual Reality zu sehen sind. Man kann in dem Raum mit den beiden stehen und sich umschauen, und sie sind da. Und es sieht genau so aus, wie es im Film aussieht. Es ist eine seltsame Sache, mit der die Menschen nicht vertraut sind.“

Wann volumetrische Filmtechnik und durchgängiges Echtzeit-Rendering die notwendige visuelle Qualität für das perfektionistische Marvel-Universum und andere teure Hollywood-Produktionen erreichen, dazu will Blomkamp keine Prognosen abgegeben. Fragen über die technische Entwicklung der Filmindustrie kümmerten ihn nicht, so Blomkamp, da er sich nur dafür interessiere, wie er Technologie für seine eigenen Produktionen nutzen könne.

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Quelle: Polygon, WIRED