Ready Player Two: So urteilen die ersten Kritiker

Ready Player Two: So urteilen die ersten Kritiker

Update 28. November 2020: Wired ergänzt

Diese Woche erschien der Nachfolger des New York Times Bestsellers Ready Player One. Wie urteilen die ersten Kritiker?

In der Fortsetzung des Kultbuchs, das 2018 von Steven Spielberg verfilmt wurde (Filmkritik Ready Player One), kommt eine hochentwickelte VR-Brille des verstorbenen Oasis-Schöpfers James Halliday auf den Markt, die imstande ist, alle Sinne zu simulieren. Die neue Technologie führt dazu, dass sich die Menschheit vollends in der Parallelwelt der Virtual Reality verliert.

Als eine Super-KI den ehemaligen Chef des korrupten und machtgierigen IOI-Konzerns aus dem Gefängnis befreit, machen sich Watts und seine Freunde auf eine neue, von Halliday orchestrierte Easteregg-Suche.

Das Original erschien im Jahre 2011, erntete viel Lob und wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt. Der Nachfolger wird kritischer aufgenommen. Erste Netz-Reaktionen drücken Enttäuschung aus. Auf Twitter heißt es unter anderem, das Buch sei „seelenlos“, „schlecht geschrieben“ und „jenseits einer Parodie“. Die Kritik ist so beißend, dass der Verlag offenbar Buchzitate per Copyright-Schutz ausblenden lässt.

Unklar ist, ob es sich hier um eine laute Minderheit handelt. Auf Goodreads und Amazon kommt das Buch nicht so schlecht weg, wie es Twitter vermuten lässt. Was sagen Berufskritiker über die Fortsetzung?

Watts ist keine Identifikationsfigur mehr

Felecia Wellington Radel von USA Today bemängelt, dass man das erste Buch gelesen haben müsse, um zu verstehen, was in Ready Player Two vor sich geht. Die Hauptfigur Wade Watts habe sich in der virtuellen Welt verloren, sei arrogant geworden und daher keine Bezugsperson mehr wie im Original. Das könne zwar ein Kalkül des Autors sein, aber: „Wenn das eine Erlösungsgeschichte ist, dann ist sie unvollständig und unverdient“, schreibt Radel.

Die Geschichte bestünde aus vorhersehbaren Wendungen und wirke schnell vorgespult, sodass Watts‘ Verfehlungen und deren Preis vom Leser nicht ernst genommen werden könnten.

„Wenn ‚Ready Player Two‘ ein Videospiel wäre, dann wäre es ein Side-Scroller, der einen nach vorne treibt, ohne dass man Zeit hat, die Welt zu erkunden. Aber wie bei unerwarteten Filmfortsetzungen, könnte Nostalgie hier dazu beitragen, dass Leser über die Schwächen des Buchs hinwegsehen“, schreibt Radel.

Zitate-Selbstparodie

Ready Player Two schicke sich an, die „Ethik des Eskapismus“ zu erforschen und scheitere daran, schreibt Natalie Zutter von Den of Geek. Das Buch überspringe große Zeiträume, ohne gewichtige Umwälzungen seines Erzähluniversums literarisch auszuarbeiten. Das führe zu einer „emotionslosen narrativen Unschärfe“. Als die eigentliche Geschichte beginnt, sei man derart von Wade Watts distanziert, dass einen seine Handlungen kalt ließen.

Das rückwärts erzählte Narrativ der Fortsetzung sei nicht so fesselnd wie das des ersten Teils und scheitere an der mangelnden Charakterentwicklung. Watts‘ Freunde kämen noch weniger zur Geltung als im Original und seien Nebendarsteller, die mit Wades Krise nicht viel zu tun hätten. „Die Welt dieser Bücher bleibt anders als die Oasis statisch und unverändert“, meint Zutter.

Sie kritisiert die Überfülle von Popkultur-Referenzen, die auch das erste Buch ausmachten. „Die 80er-Jahre-Obsession der Easteregg-Jäger fühlte sich im Original wie ein cleverer Kommentar an. In der Fortsetzung grenzt sie an Selbstparodie“, schreibt Zutter.

Eine erschöpfende Lektüre

Daniel Cohen von Book and Film Globe ist ebenfalls genervt von Clines Anspielungsexzessen. „Cline stellt zu keinem Zeitpunkt die Weisheit einer allumfassenden Monokultur in Frage, die um 1988 zum Stillstand kommt, während sich die Technologie mit Hochgeschwindigkeit weiterentwickelte“, schreibt Cohen.

Der Autor habe im Original einige recht gute Ideen gehabt. Sein Buch habe in Zeiten sozialer Umwälzungen die Natur des Eskapismus befragt. Dieses Mal jedoch verliere sich Cline in langatmigen und detaillierten Beschreibungen von Kämpfen und virtuellen Welten, statt seine Charaktere zu entwickeln.

„Nach knapp 400 Seiten in Ernest Clines Kopf, neben Animotion und Van Hagar, John-Hughes-Filmen und schlechten Videospielen, fühlte ich mich ausgelaugt und erschöpft“, schreibt Cohen.

Ready Player Two: Geschrieben von einer KI?

Auch die Wired lässt kaum ein gutes Haar an Ready Player Two: Die Fortsetzung sei dem ersten Buch sehr ähnlich, aber „beim zweiten Mal viel nerviger“. Wade Watts neues Abenteuer fühle sich wegen der ständigen Retro-Referenzen an, als sei es von einer Text-KI wie GPT-3 generiert worden.

Ready Player Two sei letztlich „Fan-Fiction im Twilight-Stil“ für „Teenager-Jungen mit Eselsohr-Kopien von The Hobbit und einer ungesunden Besessenheit für Marty McFly“. Daran sei zwar nichts verkehrt, viele Leute würden das Buch wahrscheinlich mögen, aber Amit Katwala kritisiert die fehlende Entwicklung.

Letztlich sei es schade, da die Handlung im Kern nicht schlecht sei: „Unter all den Filmzitaten und nachgestellten Szenen aus ‚Ferris macht blau‘ finden sich in Ready Player Two einige interessante Ideen über Mensch-Maschine-Schnittstellen, Virtual Reality und die Ethik des interstellaren Reisens.“

Wer zukunftsgerichtete Lektüre-Alternativen sucht, findet sie in unserer Liste der besten Sci-Fi-Bücher mit VR-Fokus.

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