The Marvellous Machine ist eine außergewöhnliche VR-Erfahrung, denn sie führt mitten hinein in den menschlichen Denkapparat. Metaphorisch, versteht sich.

Ich sitze in einem gusseisernen Wagen und fahre senkrecht einen tiefen Schacht hinab in einen gewaltigen, unterirdischen Maschinenkomplex. Die Umgebungen sind im Stil des Steampunk und Art déco gehalten und wecken Erinnerungen an das erste Bioshock.

Ganz unten kommt der Wagen zum Stillstand. Nun fahre ich auf Schienen in einen vor mir liegenden Schacht. Ich bin in einem gemächlichen Tempo unterwegs, denn Marvellous Machine ist keine klassische Achterbahnfahrt.

Ich schaue mich mit großen Augen um und lausche der Stimme einer Frau, die in philosophischer Manier über das menschliche Bewusstsein und die Natur der Wirklichkeit spricht.

Eine Meditation in modernem Gewand

Die Realität, so heißt es, sei nicht per se gegeben, sondern immer schon von uns vorgeprägt und mitgeschaffen: durch unsere Erfahrungen, Wünsche, Ängste und Hoffnungen. Von diesen könne man sich lösen lernen, um eine vorurteilsfreiere Sicht auf die uns umgebenden Dinge und Menschen zu gewinnen.

The Marvellous Machine möchte VR-Nutzer an diesen einfachen Gedanken heranführen. Die VR-Erfahrung tut das sachlich und nüchtern, ohne esoterisch zu werden.

Und sie nutzt eine anschauliche Metapher: Die Maschinenräume sind ein Sinnbild für das ständig arbeitende menschliche Denken. Fahre ich durch die Schächte und Gänge, fahre ich zugleich durch meine eigenen Hirnwindungen.

Das Ziel für den VR-Brillenträger ist, von der Betriebsamkeit dieses Ortes Abstand zu nehmen, ihn gleichsam unbeteiligt von außen zu sehen. The Marvellous Machine ist eine Meditation im modernen Gewand, die sich neue Technologie zunutze macht – in diesem Fall Virtual Reality.

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Unter der VR-Brille wirkt die Maschinenwelt deutlich eindrucksvoller als auf dem Bild. BILD: 1337 Game Design

Virtual Reality als Experimentierfeld

Der Entwickler der VR-Erfahrung Anders Hejdenberg verrät mir, dass das VR-Erlebnis von seinen jahrelangen Erfahrungen mit Psychologie und Hypnose inspiriert ist.

“The Marvellous Machine soll zu einer wichtigen Einsicht verhelfen: Dass man großen Einfluss darauf hat, wie man sich mit dem Leben auseinandersetzt. Man kann sich entscheiden, an welchen Überzeugungen man festhalten und welche man ändern oder lieber ganz loslassen möchte”, sagt der Entwickler.

Die Virtual Reality sei ein sicherer Ort, an dem die Regeln des normalen Lebens nicht gelten und wo man experimentieren könne. Ganz ohne Konsequenz sollen diese Experimente nicht sein: “Die Gefühle, die man während der Erfahrung hat, sind real und können in die reale Welt mitgenommen werden”, meint Hejdenberg.

Technische und gestalterische Brillanz

Rein technisch gehört The Marvellous Machine zum Besten, was Virtual Reality zu bieten hat: Selten habe ich in der VR-Brille so plastische und hübsch ausgeleuchtete virtuelle Umgebungen gesehen. Leider rollt bereits nach fünfzehn Minuten der Abspann.

Die gestalterische und grafische Brillanz kommt nicht von ungefähr: Hejdenberg arbeitete beim Spielestudio DICE an Highend-Games, bevor er als Spieldesign-Berater anfing und sein eigenes Studio 1337 Game Design gründete. The Marvellous Machine sei ein Nebenprojekt. “Ich musste das tun und hoffe, dass es vielen Menschen etwas bringt”, sagt Hejdenberg.

The Marvellous Machine ist im Oculus Store für Oculus Rift und bei Steam für HTC Vive und Oculus Rift für fünf Euro erhältlich.

Titelbild: 1337 Game Design

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