Die Smartphone-AR-Brille Nreal Light hat den Formfaktor einer Sonnenbrille und soll noch im Frühjahr zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt kommen. Auf der CES 2020 zeigte das chinesische Startup zum ersten Mal das proprietäre Nebula-Betriebssystem samt ersten 3D-Anwendungen. Konnte das Gesamtpaket erste Vororttester überzeugen?

Die AR-Brille würde zwar wie eine normale Brille auf der Nase Platz finden, sei jedoch wuchtiger als herkömmliche Brillengestelle, schreibt Android Authority. Das Gewicht gibt Nreal mit 88 Gramm an.

Auch die BBC spricht von einem “schweren Sitz”, das Gerät sei jedoch nicht vergleichbar mit der Klobigkeit einer Hololens. Allerdings hat Microsofts AR-Brille, so muss man fairerweise sagen, auch einiges mehr an Technik und Funktionalität zu bieten wie fortschrittliche Echtzeit-Raumvermessung, Handtracking und eine integrierte Recheneinheit.

Voller Zugriff aufs Android-Ökosystem

Die Nreal Light wird per USB-C Kabel mit einem Android-Smartphone als Zuspieler verbunden, autark funktioniert sie nicht. Mit dem Nreal-eigenen Betriebssystem, Nebula genannt, werden Android-Apps wie Youtube, Spotify oder Facebook via Augmented Reality in den physischen Raum projiziert, wo sie an beliebiger Stelle digital verankert werden können.

Die Bildqualität mit einer Auflösung von 1080p sei “überraschend gut”, schreibt Android Authority. Das Sichtfeld von 52 Grad sei hingegen nicht berauschend, meint Android Central und nimmt folgenden Screenshot als Beispiel. Das Bild wirke  schärfer unter der AR-Brille, das Menü entspräche jedoch dem totalen Sichtfeld.

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Ein Screenshot des Nebula-Menüs mit der integrierten 5-Megapixel-Kamera. BILD: Android Central

Tom’s Hardware hat ebenfalls lobende Worte für das helle Display und die Auflösung. Das Bild sei so scharf und stark, dass der weiße Hintergrund nicht hervortrete.

Proprietäre 3D-Anwendungen, die Nreal vor Ort zeigte, waren ein Zombiespiel und eine immersive Shopping-Erfahrung namens Portal, in der man Fotomodelle in 3D und Lebensgröße mit zum Verkauf angebotener Kleidung in den Raum projizieren kann.

Intuitives 3D-Interface, instabile Software

Als Eingabegerät dient das angeschlossene Smartphone, das dank der bereits eingebauten Sensoren zu einem Dreh- und Zeigecontroller mit drei Freiheitsgraden wird. Auf dem Display des Smartphones befindet sich ein zusätzliches Menü sowie ein digitales Trackpad (siehe folgenden Screenshot). Die Tester von Android Authority und Tom’s Hardware fanden das Nebula-Menü benutzerfreundlich und die Bedienung per Smartphone intuitiv.

Man könne außerdem problemlos mehrere Android-Apps gleichzeitig im Raum verankern und simultan nutzen. Per Bluetooth sei es möglich, Tastaturen oder ein Gamepad mit der AR-Brille zu koppeln.

Nreal Interface Toms Hardware

Das Smartphone-Display wird zum Menü. BILD: Tom’s Hardware.

Derzeit werden nur Android-Smartphones mit dem Snapdragon-Chip 855 oder höher unterstützt. Smartphones wie das Samsung Galaxy S10 oder das Google Pixel 4 nutzen diesen Chip. Android-Apps laufen von Haus aus, ohne dass Entwickler sie für Nebula anpassen müssen. Die 2D-Darstellungen können außerdem mit proprietären 3D-Apps der Nreal im gleichen Raum kombiniert werden.

Bemängelt wurde die unfertige Software, die zu Abstürzen neige. Der Tester von Android Central erlebt drei Abstürze binnen 45 Minuten. Android Authority berichtet zudem über Trackingprobleme: In der Portal-App wäre das Menü nicht stabil im Raum verankert gewesen und der digitale Laserpointer verschwand. Auch UploadVR beschreibt die Software als “unfertig”.

Fazit: Die erste AR-Brille für Verbraucher

Android Authority ist trotz der Probleme begeistert von Nreal Light und hatte viel Spaß mit der AR-Brille. Android Central bezeichnet Nreal Light als erste MR-Brille, die gut genug sei für Verbraucher und die sich zu kaufen lohnte.

Die Erfahrung sei “unglaublich”, jetzt müsse Nreal nur noch die Softwareprobleme in den Griff bekommen. Auch Tom’s Hardware bezeichnet die AR-Brille als bislang verbraucherfreundlichstes AR-System.

Die Nreal Light sehe zwar besser als auch die meisten AR-Brillen, man würde sie wegen ihres Formfaktors aber nicht zu einem Date tragen wollen, schreibt der Tester.

Das Entwicklerkit der AR-Brille samt Taschencomputer kann man bereits auf der offiziellen Internetseite für 1.200 US-Dollar bestellen. Die Verbraucherversion ohne Taschencomputer soll im ersten Quartal 2020 erscheinen und 500 US-Dollar kosten.

Die Nreal Light kann man laut Android Authority nicht über eine herkömmliche Brille tragen, sie unterstützt jedoch Korrekturgläser, die man beim Optiker anfertigen kann.

Das folgende Tested-Video datiert auf den Sommer 2019, als Nebula noch nicht testreif war. Die Eindrücke decken sich ansonsten mit jenen der diesjährigen CES-Vorabtests.

Titelbild: Nreal, Quellen: Android Authority, Android Central, Tom’s Hardware, BBC

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