Mobileyes Robo-Taxi-Dienst ist eine Zukunftschance für Deutschland

Mobileyes Robo-Taxi-Dienst ist eine Zukunftschance für Deutschland

Mobileye und Sixt bringen autonom fahrende Taxis nach München. Holt Deutschland China und die USA im Wettrennen um die Zukunft noch ein?

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Die Internationale Automobil-Ausstellung fand dieses Jahr erstmals in München unter dem Namen „IAA MOBILITY“ statt – passend zum großen Dachthema der zukunftsorientierten Mobilität. Mit einem modernen Konzept wollte die Veranstaltung Mobilitäts- und Tech-Unternehmen zusammenführen und zukunftsorientierte Innovationen präsentieren.

Eine dieser Neuheiten stellte Intel-CEO Pat Gelsinger in einer showträchtigen Keynote vor. Der Chiphersteller zeigte ein gemeinsames Projekt seiner Tochterfirmen Mobileye und MoovitAV mit dem Mobilitätsdienstleister Sixt. Ab dem kommenden Jahr schicken die Unternehmen einen autonom fahrenden Ride-Hailing-Dienst durch Münchens Straßen.

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Autonomes Fahren als Entlastung für innerstädtischen Verkehr

Öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Straßenbahn verspäten sich häufig, viele Straßen sind gerade in der Rush Hour verstopft und der Schadstoffausstoß ist zu hoch. Der Verkehr in Deutschlands Städten steht vor einem notwendigen Umbruch.

Berichten zufolge übernimmt der Tech-Konzern Xiaomi das Start-up für autonomes Fahren

Autonomes Fahren und KI sollen bei der Verkehrsoptimierung in Innenstädten helfen. | Bild: DeepMotion

Leidgeplagte Bahnkunden könnten künftig von einer effizienteren Streckenausnutzung profitieren. Durch KI und autonom fahrende Züge sollen Fahrpläne optimiert und die allgemeine Fahrdauer verkürzt werden. Die Umstellung auf selbstfahrende Züge kommt bislang nur schleppend voran. Trotz vielversprechender Projekte ist noch kein Robo-Zug im Regelverkehr angekommen.

Beim Kfz-Antrieb haben sich Politik und Industrie weitestgehend geeinigt: Die Zukunft des Automobils ist elektrisch. Dadurch soll die CO2-Belastung reduziert werden. Bleibt noch immer das Problem mit den verstopften Straßen. Schon heute setzen Chinas Smart Citys auf smarte Straßenschilder und von KI-Systemen gesteuerte Ampelnetze, um dem teils chaotischen Verkehrsaufkommen Herr zu werden.

Ein weiterer Schlüsselfaktor für die Verkehrsoptimierung ist autonomes Fahren. Baidus Robo-Taxi-Dienst „Apollo“ greift beispielsweise auf HD-Karten zu, kennt das aktuelle Verkehrsaufkommen der Stadt und nimmt so immer die ideale Route. Durch die Verbindung zu smarten Ampeln weiß das Fahrzeug lange vorher, wann es halten muss und fährt so effizienter als der Mensch. Der Verkehr wird flüssiger und der Frust der Fahrgäste sinkt.

Robo-Taxi-Dienste: Holt Deutschland China und die USA noch ein?

Derartige Fahrdienste kennt man bislang hauptsächlich aus China oder den Vereinigten Staaten. Dort wird die Forschung am autonomen Fahren seit Jahren durch möglichst wenig staatliche Regulierungen gefördert. Der Testbetrieb findet in großem Ausmaß auf vielen öffentlichen Straßen in Kalifornien, Arizona, Peking oder Shanghai statt.

In Kalifornien fahren 8 Start-ups schon fahrerlos durch die Straßen. Fast 100 Unternehmen halten Lizenzen für autonome Testfahrten mit Sicherheitsfahrer. Allerdings scheint dort langsam ein Umdenken einzusetzen. In den USA müssen Hersteller Unfälle künftig melden. Behörden verlangen regelmäßig detaillierte Berichte. Bislang war dies ein weitestgehend freiwilliger Prozess.

In China gab es lange Zeit kaum Regeln zur Datenerfassung. In den kommenden Monaten ändert die Regierung allerdings ihren Kurs und legt Herstellern die Leine an. Chinas neue Datenpolitik könnte zur Gefahr für autonomes Fahren werden. Diese schwindenden Freiheiten auf den führenden Märkten könnten zur Chance für den Mobilitätsstandort Deutschland werden.

Gesetz zum autonomen Fahren in Deutschland ebnet den Weg

Hierzulande konnten Forschende bislang nur mit Ausnahmegenehmigungen und in geringem Umfang auf öffentlichen Straßen testen. Mit dem Gesetz zum autonomen Fahren soll sich das nun ändern. Zwar wurde die Gesetzesvorlage des amtierenden Verkehrsministers Andreas Scheuer vielfach kritisiert, schlussendlich wurde das Gesetz aber während der aktuellen Legislaturperiode beschlossen.

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Bundesverkehrsminister Scheuer sieht aus dem Fenster eines autonomfahrenden Busses.

Bundesverkehrsminister Scheuer brachte sein Gesetz zum autonomen Fahren nur schleppend in Fahrt. | Bild: BMVI

Unter bestimmten Auflagen ist es ab dem kommenden Jahr möglich, autonom fahrende Vehikel in den deutschen Regelverkehr einzubinden. Vor allem die Industrie soll so in den kommenden Jahren von selbstfahrenden Nutzfahrzeugen profitieren.

Als Anwendungsszenarien werden immer wieder Hub2Hub-Verkehr oder die „letzte Meile“ genannt. Das sind etwa Transportfahrten von Lager- zu Produktionsstätte oder Warenlieferungen vom Verteilerzentrum zum Empfänger.

Privatpersonen dürften vor allem durch Robo-Taxis mit der neuen Technologie in Berührung kommen. Volkswagen testet derzeit eine Robo-Taxi-Flotte. Im Erfolgsfall führt der Konzern ab 2025 autonome Personenfahrten in verschiedenen deutschen Städten durch. Zum Vergleich: Robotaxis von Waymo fahren seit 2018 durch den US-Bundesstaat Kalifornien.

Das ist Mobileyes autonom fahrender Robo-Taxi-Dienst

Chiphersteller Intel nutzt seine Chance deutlich früher und stellte auf der IAA Mobility 2021 ein Pilot-Projekt vor. Die Intel-Tochter Mobileye startet nächstes Jahr gemeinsam mit dem als Autovermietung groß gewordenen Mobilitätsdienstleister Sixt einen autonom fahrenden Robo-Taxi-Dienst in München.

Im Lauf dieses Jahrzehnts wolle man gemeinsam „Mitfahrdienste auf Basis selbstfahrender Fahrzeuge in Deutschland und anderen europäischen Ländern“ anbieten, heißt es in der Pressemitteilung. Fahrgäste buchen die in den Ride-Hailing-Dienst „SIXT ride“ integrierten autonomen Taxifahren künftig bequem am Smartphone über die Moovit-App oder die SIXT-App.

Mobileye setzt speziell entwickelte Robo-Taxis in Deutschland ein

Mobileye stellte auf der IAA auch ein eigens für den neuen Ride-Hailing-Dienst entworfenes Elektrofahrzeug vor. Die orangefarbenen Autos bieten Platz für bis zu sechs Passagiere und werden ab 2022 in München und Tel Aviv eingesetzt. Mobileye tritt als Eigentümer der Flotte auf und führt sie unter dem Markennamen „MoovitAV“. SIXT wird sich um die Bereitstellung, Wartung und den Betrieb der Fahrzeuge kümmern.

Die Sensorik besteht hauptsächlich aus Radaren und insgesamt elf Kameras, die im Chassis, an den Rückspiegeln und hinter der Windschutzscheibe angebracht sind. Dazu verbaut Mobileye auf dem Dach und über den Radkästen der Fahrzeuge Lidar-Sensoren von Luminar.

Zur besseren Unterscheidung von den herkömmlichen Fahrzeugen des Fahrdienstes werden die Robo-Taxis neben dem SIXT-Logo zusätzlich mit einem „MoovitAV-Service“-Branding versehen. Die Robo-Taxis werden mit dem autonomen Fahrsystem „Mobileye Drive“ betrieben, in dessen Steuergerät acht EyeQ 5-SoCs sitzen. In der SAE-Norm für autonomes Fahren erreicht Mobileye Level 4.

Starten wird der Dienst, sobald alle rechtlichen Fragen geklärt sind, als „Early-Rider“ Pilot-Programm. Nach erfolgreichen Tests und der Freigabe durch die Behörden soll der Mobility-as-a-Service-Dienst für die breite Öffentlichkeit zugänglich werden.

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Quellen: Intel