Metaverse: „Noch nicht so großartig, wie es in Zukunft sein wird“

Metaverse: „Noch nicht so großartig, wie es in Zukunft sein wird“

Der Podcaster und Unternehmer Gary Vaynerchuk befragte Meta-CEO Mark Zuckerberg unlängst zur Zukunft des Web 3.0, über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Augmented und Virtual Reality und zu dessen Metaverse-Plänen.

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Wie wird die Welt des Web 3.0 in Zukunft aussehen? Wie viele Jahre sind wir von der nächsten Plattform-Transformation entfernt? Was bestimmt meine digitale Identität im Jahr 2030? Welche Rolle spielen dabei virtuelle Währungen?

In einem kürzlich erschienenen Podcast-Interview mit Gary Vaynerchuk gab Mark Zuckerberg seine Antworten auf diese und weitere Fragen preis. Er skizzierte dabei das Bild eines neuen Internets und des Metaverse.

Von Text zu Bild zu Video – was ist die neue digitale Kommunikationsform?

Für Mark Zuckerberg stellt das Metaverse den nächsten wichtigen Schritt in Sachen soziale Kommunikation dar. Den Meta-Konzern will er fortan nicht nur in seiner Rolle als Social-Media-Dienstleister, sondern als eine Tech-Firma sehen, die menschlichen Beziehungen zum nächsten Level verhilft.

Soziale Medien seien ein wesentlicher Aspekt davon, aber nur einer, so Zuckerberg. In Zukunft werde es verstärkt darum gehen, Plattformen und Erfahrungen zu schaffen, die bei den Teilnehmenden den Eindruck erwecken, sich am selben Ort zu befinden. So könnte es bald mittels AR-Technik möglich sein, Gesprächspartner:innen an anderen Orten der Welt als Hologramme im eigenen Zuhause bildhaft vor sich zu sehen.

Der Meta-CEO hält es für wahrscheinlich, dass AR-Brillen, die wie gewöhnliche Brillen aussehen und derartige Hologramme in das Sichtfeld ihrer Träger:innen projizieren können, bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre entwickelt und weitreichendere Anwendung finden werden. Wann und ob diese Aufgabe jemals durch Kontaktlinsen realisiert werden kann, die mit Strom versorgt und an das Internet angeschlossen sein müssten, ist für Zuckerberg eine entfernte Zukunftsfrage.

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Mit der Ray-Ban-Brille experimentiert Meta erstmals mit einer schlanken Tech-Brille. Die bietet allerdings nur integrierte Kameras – ein Display fehlt noch. In den nächsten fünf Jahren sollen solche Brillen laut Zuckerberg viel mehr können. | Bild: Ray-Ban / Facebook

Eine ganz besondere Herausforderung wird bei AR-Brillen Zuckerberg zufolge die Haptik darstellen: Beim Berühren des Hologramms – etwa durch einen Händedruck, beim High five oder auch während eines Spiels mit Ganzkörpereinsatz, wie er es sogar selbst beim Fechten veranschaulicht hat (siehe Titelbild) – müsse für beide Seiten spürbarer Druck entstehen.

An VR-Geräten arbeitet Meta bereits seit sieben Jahren. Die Firma wird viele weitere Milliarden Dollar in die neuen Technologien investieren, die zunächst vorwiegend für den Gaming-Bereich entwickelt wurden, nun aber in Kombination mit AR und Social Media das Metaverse ausmachen sollen.

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Erfindungen mit potenziell disruptiven Folgen

Mit seiner öffentlichen Metaverse-Ankündigung wolle er, so Zuckerberg, als „erstklassige Entwicklungsfirma“ insbesondere für die Bereiche AR und VR auch neues, hoch qualifiziertes Personal anlocken. Aktuellen Meldungen zufolge hat Meta bereits erfolgreich Talente von Apple und Microsoft aus deren XR-Abteilungen abgeworben.

Facebook habe nicht maßgeblich an der Entwicklung des Smartphones mitgewirkt, das rund um Apps konzipiert und hinsichtlich der möglichen sozialen Erfahrungen beschränkt sei: „Wir sind auf dieses kleine Rechteck und seine Regeln angewiesen, die von anderen Firmen festgelegt wurden“, so Zuckerberg.

Sein Ziel sei es daher, die nächste Plattform-Transformation von Anfang an mitzugestalten. „Ich bin überzeugt, dass unsere Plattformen um die menschliche Interaktion herum designt sein sollten. Ich denke, so nehmen wir die Welt als Menschen wahr.“

Im Unterschied zu heutigen Apps sollen die Erlebnisse von Metaverse-Nutzer:innen über alle Anwendungen hinweg kompatibel sein: Man wird „sich selbst“ als Avatar samt Ausrüstung nahtlos überallhin mitbringen können, sich in verschiedenen Räumen bewegen und mit anderen Menschen interagieren.

„All die unterschiedlichen Elemente der Metaverse-Erfahrung sollen sich ebenfalls mit Facebook, Instagram und WhatsApp verbinden lassen können“, so der 37-Jährige. Im neuen Metaverse sollen die Bereiche physische Welt, Virtual und Augmented Reality stärker ineinandergreifen.

Dazu stelle man sich die eigene Person als atomare Einheit vor, die mit eigenen Gegenständen, Freund:innen und Beziehungen, ausgestattet mit digitaler Kleidung, Werkzeug und Währung, im Metaverse existiert.

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Eine realistischere Form der Kommunikation?

Mit Web3 (auch: Web 3.0) ist die Idee der nächsten auf Blockchain-Technologien basierenden Internet-Iteration gemeint, die Elemente der Dezentralisierung und Token-Systeme in sich vereint. Der Begriff fand im Jahr 2021 erstmals weite Verbreitung. Einige erhoffen sich davon ein weniger auf Big Tech fokussiertes Internet, das Lösungen zu aktuellen Datenschutz- und Skalierbarkeitsfragen bietet.

Andere sehen die Vorhersagen dieser bahnbrechenden Entwicklungen kritisch. Sie bezweifeln etwa die Umsetzbarkeit der Demokratisierung des Internets und halten „Web3“ vielmehr für eine Fortsetzung kapitalistischer, nicht nachhaltiger Funktionsweisen und für ein Buzzword.

Für Zuckerberg steht fest: Einen wesentlichen Bestandteil unserer Web3-Interaktionen werden virtuelle Güter ausmachen, mit denen über die einzelnen Anwendungen hinweg mittels Non-Fungible Tokens (NFTs) gehandelt werden soll. „Die Interoperabilität ist der Schlüssel zu mehr Dynamik“, so der Meta-Chef.

Mark Zuckerberg stellt sein virtuelles Wohnzimmer vor

Wenn sich Menschen zukünftig stärker mit einer digitalen Identität identifizieren, die eine digitale Lebensumgebung hat und digitale Güter konsumiert, könnte ein neuer Wirtschaftszweig entstehen. In Ansätzen existiert dieser bereits etwa in Multiplayer-Computerspielen wie World of Warcraft oder Second Life. | Bild: Meta | Bild: Meta

Vaynerchuk sieht das Metaverse mitsamt NFTs gar als künftiges Bringsystem von realem sozialem Kapital, in das die Nutzer:innen investieren werden, genauso wie man in der wirklichen Welt aktuellen Modetrends folgt, um sich durch die eigene Kleidung auszudrücken und zu profilieren.

„Die digitale Version hiervon wird einen unglaublichen Einfluss auf die Gesellschaft haben. Das Web3-Metaverse wird uns an einen völlig anderen Ort bringen, von dem wir im Web 2.0 nur eine kurze Vorschau erhalten haben“, so Vaynerchuks Einschätzung.

Dass der neue digitale Raum für unsere Kommunikation visueller, expressiver und offensichtlicher sein wird, bezeichnet Zuckerberg als großes Geschäft. Die Kombination aus persönlichem Ausdruck, eigener Identität und dem Kommerz drumherum werde durch die Interoperabilität fluider Marktplätze nur noch wirksamer.

Zweifel, dass das Metaverse mit Web 3.0 und NFTs diese Versprechen nicht werden halten können, räumt der Meta-CEO aus der Welt: „Ein Großteil der möglichen Erfahrungen heute sind noch ziemlich früh. Ich würde es nicht mangelhaft nennen. Meine Einstellung ist eher: Es ist einfach noch nicht so großartig, wie es in Zukunft sein wird“, so Zuckerberg.

Auf der Meta-Ebene: Zuckerbergs Flucht in eine andere Cyberwelt?

Abzuwarten bleibt, inwiefern sich Zuckerbergs optimistisch formulierte Prophezeiungen in Zukunft erfüllen werden, oder ob die vermeintlich spektakulären Möglichkeiten des Metaverse auch als Ablenkungsmanöver von den aktuellen Schwierigkeiten des Konzerns dienen.

Denn Facebook, heute Meta, steckt schon seit Längerem in einer tiefen Markenkrise, und Zuckerberg steht unter Druck, seine Unternehmensstrategie unter unliebsamen Gewinneinbußen anzupassen, um weltweiten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Sicherheitsstandards zu genügen.

Um Big-Tech-Plattformen wie Meta künftig stärker regulieren zu können, läuft in Washington aktuell etwa eine Wettbewerbsklage der US-Regierung, die den Konzern aufgrund seiner Monopolstellung dazu zwingen will, WhatsApp und Instagram zu verkaufen. Die erste Etappe in diesem langjährigen Prozess hat die US-Regierung bereits geschafft.

Und auch die EU will Metas Vormachtstellung künftig durch stringentere rechtliche Kontrollmechanismen eindämmen. Hierzu stehen aktuell zwei große Gesetzesvorhaben an: Der „Digital Markets Act“ (DMA), das Gesetz für digitale Märkte, sowie der „Digital Services Act“ (DAS), das gesellschaftlich orientierte Gesetz für digitale Dienste. Die Gesetzesänderungen könnten frühestens Anfang 2023 in Kraft treten.

Vor diesem Hintergrund könnten Zuckerbergs Meta-Pläne eine willkommene Gelegenheit sein, sich in virtuelle Räume zu flüchten, die noch nicht von der neuen Gesetzgebung tangiert und in Sachen Datensammlung darüber hinaus weitaus größere Chancen bieten werden, weil es völlig neue Daten sind – zu Bewegungen, Umgebungen, Körpern und mehr. VR und AR ermöglichen eine Verhaltensmessung, die weit über Klicks hinausgeht, und auf die Meta erstmals ohne Einschränkungen durch Google und Apple Zugriff hat.

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Quellen: YouTube