KOMMENTAR

Metas Metaverse-Wette: Ist Zuckerberg zu früh dran?

Metas Metaverse-Wette: Ist Zuckerberg zu früh dran?

VR und AR entwickeln sich blitzschnell und zugleich viel zu langsam. Könnte Zuckerberg zu früh zu hoch gepokert haben?

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Meta steckt in der größten Krise seines 18-jährigen Bestehens. Der Wert des Unternehmens fiel im vergangenen Jahr um 70 Prozent. Vergangene Woche entließ Mark Zuckerberg 11.000 Angestellte. Weitere Sparmaßnahmen und Stellenkürzungen dürften folgen, falls Metas Situation sich nicht verbessert.

Die Gründe für den Absturz sind mannigfaltig: Die schwächelnde Weltwirtschaft, Apples Anti-Tracking-Maßnahme und die starke TikTok-Konkurrenz drücken aufs Anzeigengeschäft. Zudem wachsen die Nutzerzahlen von Facebook, Instagram und WhatsApp längst nicht mehr so wie in den Anfangsjahren.

Und dann wäre da noch das gigantische Metaverse-Projekt, das jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge verschlingt und erst ab der nächsten Dekade Profit abwerfen soll.

Schlechtes Timing für Metaverse-Wette

Metas Probleme sind nicht aufs Zuckerbergs kostspielige und für viele Menschen schwer nachvollziehbare Metaverse-Obsession beschränkt. Aber die höchst riskante Wette kommt zu einem denkbar ungünstigen Moment, in dem das Unternehmen an vielen anderen Fronten gleichzeitig zu kämpfen hat.

„Der Druck, dem sich Metas Geschäft im Jahr 2022 gegenübersieht, ist akut, signifikant und hat nichts mit dem Metaverse zu tun“, sagte der Metaverse-Fürsprecher und Investor Matthew Ball vergangenen Monat gegenüber der New York Times.

Fotorealistischer Codec-Avatar von Mark Zuckerberg.

Zuckerberg sieht in VR-Telefonie eine Killer-App der Virtual Reality. Bis diese Technologie produktreif ist, könnten noch viele Jahre vergehen. Das Bild zeigt Zuckerbergs Codec-Avatar. | Bild: Meta

Das mag etwas übertrieben sein, schließlich begann die Talfahrt von Metas Aktie schon kurz nach der Umbenennung Facebooks in Meta und bevor das Unternehmen Anfang 2022 katastrophale Quartalszahlen offenlegte. Aber Balls Pointe ist eine andere: dass Meta nicht nur den falschen Zeitpunkt wählte, sondern schlicht zu früh dran sein könnte.

„Es besteht das Risiko, dass fast alles, was Mark über das Metaverse gesagt hat, richtig ist, außer dass der Zeitpunkt weiter entfernt ist, als er sich vorgestellt hat.“

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VR und AR könnte länger benötigen, viel länger

Das klingt wie der Klappentext eines Geschichtswerks, das die VR- und AR-Industrie der letzten zehn Jahre beschreibt. Wer die Branche in dieser Zeit mitverfolgt hat, weiß: Die Technologie entwickelt sich blitzschnell und zugleich zermürbend langsam.

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Virtual Reality konnte erste Verkaufserfolge verzeichnen, aber ob viele Menschen ihre Headsets regelmäßig aufsetzen, ist zumindest fraglich. Das liegt auch am Formfaktor, der zehn Jahre (!) nach Beginn dieser VR-Welle zwar endlich Fortschritte macht, aber längst nicht optimal ist.

AR-Avatare samt digitalem Spielbrett in einem Wohnzimmer

Metas AR-Brille Project Nazare ist seit vielen Jahren in Entwicklung. Bislang gibt es jedoch nur Konzepte zu sehen. Die Kommerzialisierung des Geräts soll nach einer Verschiebung nun im Jahre 2026 starten. | Bild: Meta

Und wie steht es um Augmented Reality? Die Schwestertechnologie hat sich trotz ihres gebetsmühlenartig wiederholten Riesenpotenzials bislang kaum in Alltagsgeräten manifestiert, Smartphone-AR außen vor. Seit der Enthüllung von Google Glass sind zehn Jahre vergangen, aber die massentaugliche AR-Brille bleibt mythisch, das heißt: Sie wird alljährlich um ein paar Jahre hinausgeschoben.

Meta benötigt Durchhaltevermögen

Wie sich die beiden Technologien auch entwickeln mögen: Ich bin immer stärker davon überzeugt, dass VR und AR in einem früheren Entwicklungsstadium stecken, als die meisten Beobachter:innen annehmen würden und dass, trotz alledem, was bislang geschah, noch viel mehr geschehen wird, bis sie aus ihren Anfängen herauswachsen. Zumindest, wenn die Entwicklung weiterhin so linear verläuft wie in den vergangenen zehn Jahren.

Dass Virtual Reality erst in 15 bis 20 Jahren Reife erlangt und Augmented Reality erst in 20 bis 30 Jahren ihr Potenzial entfaltet. Wäre dem tatsächlich so, muss man sich Gedanken machen, welche Konsequenzen dies für die Industrie hätte.

Wie viele hervorragende Ideen und Start-ups gab es um das Hype-Jahr 2016 oder früher in der VR-Geschichte, die zu einem guten Teil daran scheiterten, dass die Technologie noch nicht ausgereift war.

„Sie waren ihrer Zeit voraus.“ Ja, aber das ist ein schwacher Trost – und ein beunruhigender Gedanke für Mark Zuckerberg.