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Meta Horizon OS: Was steckt hinter Metas jüngstem VR-Schachzug?

Meta Horizon OS: Was steckt hinter Metas jüngstem VR-Schachzug?

Meta öffnet nach zehn Jahren sein VR-Ökosystem für andere Hardware-Hersteller. Was bezweckt Meta mit diesem Strategiewechsel?

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Wer es nicht mitbekommen haben sollte, Meta gab gestern drei wichtige Neuigkeiten bekannt:

  1. Hardware-Hersteller können zum ersten Mal das Betriebssystem der Meta Quest lizenzieren und eigene Headsets auf Basis von Meta Horizon OS auf den Markt bringen. Erste OEM-Partner sind Asus, Lenovo und Xbox.
  2. Meta will die Barrieren zwischen dem Quest Store, der nun Meta Horizon Store heißt, und dem unkuratierten App Lab, abbauen. In einem ersten Schritt werden App-Lab-Titel einen eigenen Bereich im Meta Horizon Store erhalten, sodass sie zukünftig leichter gefunden werden können.
  3. Meta arbeitet an einem "Spatial Framework", das es Entwickler:innen erleichtern wird, Smartphone- und Tablet-Apps für Meta Horizon OS herauszubringen.

Alle drei Schritte haben einen Zweck: Die Attraktivität von Metas XR-Ökosystem zu steigern und damit den Druck auf die drohende Konkurrenz seitens Apple und Google zu erhöhen. Doch warum erst jetzt?

Meta bringt sich in Stellung für den Plattformkrieg

Meta ist nicht mehr unangefochten. Im Februar stieg Apple in den VR-Markt ein und Google könnte bis Ende des Jahres mit Hardware-Partner Samsung ebenfalls in den Ring steigen. Alle drei Unternehmen wollen XR dominieren, indem sie ein marktführendes Betriebssystem samt Store etablieren.

Zuckerberg spricht seit Längerem davon, in Abgrenzung zu Apple ein "offenes Modell" nach dem Vorbild von Windows und Android anzustreben und sieht darin ein wichtiges Verkaufsargument für Meta. Tatsächlich verfolgt Apple mit visionOS, dem Betriebssystem der Vision Pro, ein Produkt, das sich nur auf Apples Ökosystem erstreckt, aber hochgradig dafür optimiert ist.

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Im Mai könnte Google auf der eigenen Entwicklerkonferenz ein XR-Betriebssystem für Headsets vorstellen, auf dessen Basis Samsungs kommendes Mixed-Reality-Headset und womöglich weitere OEM-Headsets laufen werden.

Mit der Neuigkeit, das Quest-Betriebssystem für andere Hardware-Hersteller zu öffnen, kommt Meta Googles Ankündigung zuvor und kann mit Asus, Lenovo und wahrscheinlich auch LG bereits drei Hardware-Partner vorweisen. Weit mehr als Google.

Künstliche Barrieren für Entwickler fallen

Mit der zweiten großen Neuigkeit, dass Meta die Barrieren zwischen dem Meta Horizon Store und App Lab abbauen will, sendet Meta ein wichtiges Signal an Entwickelnde.

Laut UploadVR ist Metas langfristiges Ziel, das App Lab gänzlich abzuschaffen und in einen einheitlichen Store zu überführen, der die offeneren Anforderungen des App Lab übernimmt. Der Meta Horizon Store wird dann weniger an Konsolen-Stores erinnern und mehr dem App Store und Google Play Store ähneln, wodurch Meta endlich mit der Konkurrenz mitzieht. Zudem steigt die Attraktivität von Metas XR-Ökosystem für Entwickelnde, da sie ihre Kundschaft in Zukunft besser erreichen können.

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Die Ankündigung eines "Spatial Framework" für Meta Horizon OS kam zuletzt, scheint mir aber enorm wichtig für Metas Strategie im kommenden Plattformkrieg.

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Vision Pro unterstützt durch visionOS Millionen von iOS- und iPad-Apps, während Samsungs kommendes Headset mit Googles XR-Betriebssystem den Google Play Store und Millionen von Android-Apps unterstützen dürfte. Eine der bis dato größten Schwächen von Meta Horizon OS ist, dass es abseits von Metas eigenen Apps wie Facebook, Instagram und Whatsapp nur eine Handvoll mobiler Apps unterstützt. Das Spatial Framework dürfte Metas Mittel werden, dieses Problem anzugehen.

Der Streit um das "Android der XR"

Das Spatial Framework soll es Entwickelnden so leicht wie möglich machen, ihre mobilen Apps für Meta Horizon OS herauszubringen.

"Ganz gleich, ob Sie eine bestehende Anwendung übertragen oder eine neue von Grund auf entwickeln wollen, dieses neue Framework sollte die Arbeit erleichtern, indem es Ihnen die Verwendung von Tools ermöglicht, mit denen Sie bereits vertraut sind", schreibt Meta.

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Die Unterstützung mobiler Apps wird im XR-Plattformkrieg eine große Rolle spielen. Nutzer:innen wollen sich nicht vom Smartphone-Ökosystem abkoppeln, sobald sie ein Headset aufsetzen.

Meta bat Google, den Play Store für Meta Horizon OS herausbringen und bot Google an, die Einnahmen aus dem Store zu behalten. Google wiederum wollte Meta als Partner für das eigene XR-Betriebssystem gewinnen, was mit einer Aufgabe von Meta Horizon OS einhergegangen wäre. Meta schlug das Angebot aus. Der Google Play Store dürfte daher Googles XR-Betriebssystem und Samsungs Headset vorbehalten bleiben, da dieser ein Verkaufsargument für die Plattform ist.

Was haben die OEMs davon?

Wie offen Meta Horizon OS am Ende sein wird, muss sich zeigen. UploadVR berichtet, dass alle Headsets auf Basis von Meta Horizon OS ein Meta-Konto voraussetzen werden und laut RoadtoVR wählt das Unternehmen derzeit seine Hardware-Partner aus, wahrscheinlich um eine Flut an Produkten zu vermeiden und ein gutes Zusammenspiel von Soft- und Hardware sicherzustellen. Ohnehin dürften die neuen Headsets noch eine Weile auf sich warten lassen. Laut Mark Zuckerberg wird es wahrscheinlich "ein paar Jahre" dauern, bis einige dieser Produkte auf den Markt kommen.

Die größte Frage für mich ist, was sich OEMs davon versprechen, eigene Headsets auf Basis von Meta Horizon OS auf den Markt zu bringen. Die Software-Erlöse des Meta Horizon Store gehen an den Plattformbetreiber Meta und an der Hardware dürften die OEMs kaum etwas verdienen, da die Nachfrage nach spezialisierten Headsets (Zuckerberg nennt Produktivität, Medienkonsum, Gaming und Fitness als Beispiele) überschaubar sein dürfte. Darüber hinaus hat Meta Headset-Preise in einen Bereich gedrückt, in dem kaum noch Margen zu erzielen sind.

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