Little Cities im Test: VR-Städtebau mit Flow-Faktor

Little Cities im Test: VR-Städtebau mit Flow-Faktor

Mit Little Cities steht die zweite native Aufbausimulation für die VR-Brille Quest (2) bereit – und macht alles besser als Cities: VR.

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Die Meta Quest 2 hat ihre Grenzen, was Darstellung und Performance angeht. Cities: VR hat gerade erst eindrücklich gezeigt, wie man Spiele nicht für die autarke VR-Brille umsetzt. Wenige Wochen später kommt nun die Konkurrenz zum Zug: Ein Entwickler-Paar baut unter dem Namen Purple Yonder eine Aufbausimulation für Quest und Quest 2 – diesmal ist es aber ein natives VR-Spiel, keine Portierung.

Kollege Tomislav fand das VR-Spiel in seiner Vorschau zu Little Cities super. Können die beiden Entwickler:innen der großen, aber gescheiterten Konkurrenz zeigen, wie man es richtig macht?

Little Cities Review in aller Kürze

Die (gar nicht mal so) kleinen Städte bieten einfache, aber passende Grafik. Kurvenführung suche ich vergebens, dafür gibt es klare Linien und sparsame Animationen sowie viele allgemeine Umgebungsdetails – etwa einen Wasserfall, aktive Vulkane, Heißluftballons, Flugzeuge, Paraglider und Schiffe. Der Verkehr ist wenig dynamisch und ungleich verteilt, Bewohner:innen gibt es nicht.

Die Gebäudevielfalt ist guter Genre-Standard – von Servicegebäuden über Freizeitparks bis zu Flugplätzen ist alles dabei. Damit kann ich recht beeindruckende und vor allem stimmige Städte bauen.

Vier vollgebaute Inseln im VR-Spiel Little Cities

Ganz so klein sind die Städte nun doch nicht in Little Cities. | Bild: Purple Yonder, MIXED

Die Bedienung ist teils erstklassig: 3D-Menüs zeigen nicht nur auf einen Blick wichtige Informationen, ich kann mit schnellen Bewegungen Gebäude und Straßen auswählen und mit einem Wischen der linken Hand einfach wieder abwählen. Leider gibt es keine Möglichkeit, die Karte zu skalieren: Es steht nur „Hoch“ und „Runter“ für Zoom oder mehr Übersicht zur Verfügung und bis auf Straßenniveau geht es nicht. Auch die altbackene Bewegungssteuerung geht besser und intuitiver.

Little Cities verzichtet auf Mikromanagement und ist deshalb ein simples Aufbauspiel in VR, das aber eben durch diese Einfachheit einen coolen Flow erreicht. Zügig füllen sich die Inseln und ich habe kaum Wartezeiten. Wenn doch, bietet sich ein schönes Gesamtbild zum Anschauen und Entspannen.

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Little Cities ist für mich geeignet, wenn …

  • ich einen einfachen, schnellen Citybuilder für zwischendurch möchte,
  • auf angemessene, native Grafik Wert lege,
  • einen coolen Bau-Flow in VR erleben will und
  • eine überwiegend hochklassige Steuerung erwarte.

Little Cities ist für mich weniger geeignet, wenn …

  • ich feine und detaillierte Grafik der Marke Townsmen VR sehen will,
  • das Spielfeld oder die Inseln skalieren möchte,
  • eine intuitive Bewegungssteuerung erwarte und
  • einen komplexen Citybuilder mit Langzeitmotivation wünsche.

Keine steile Lernkurve – aber ein paar Überraschungen

Ein Tutorial begleitet mich durch den Bauprozess auf der ersten Insel: Schritt für Schritt erklärt das VR-Spiel, wie ich Straßen verlege, Wasser und Strom bereitstelle und die ersten Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete anlege. Wasser und Energie kommen von den jeweiligen Gebäuden und verbreiten sich über die Straßen.

Dann folgen Polizei, Feuerwehr, Krankenhaus und Schulen, alle mit Einzugsbereich: Etwas rausgezoomt, Einzugsbereich angepasst und gebaut – fertig ist der Stadtservice. Die Gebäude werden von Baufahrzeugen in zwei Stufen errichtet, es gibt keine ausschweifenden Animationen.

Vulkan in Little Cities bricht aus

Tja, da macht der blöde Feuerberg einfach ein Gebäude platt. | Bild: Purple Yonder, MIXED

So funktioniert das mit allen Gebäuden, die ich Level für Level freischalte. Ab Level Sechs kann ich die nächste Region der Tutorial-Insel freischalten, mit Stufe Zehn darf ich auf die Weltkarte springen und neue Inseln besiedeln. Das geht schnell und intuitiv, allerdings werden die bereits bebauten Inseln nicht weiter simuliert. Sim City-Veteranen erinnern sich etwas wehmütig an den von Maxis und Electronic Arts vergeigten letzten Versuch aus dem Jahr 2013, mit einem ähnlichen Konzept an den Erfolg der großen SimCity-Spiele anzuknüpfen.

Mit den neuen und größeren Inseln kommen neue Herausforderungen sowie Gebäude: Erdwärmekraftwerk, Flughafen oder Schwimmbad sorgen für mehr Energie, zusätzliche Anflugrouten für Baufahrzeuge und mehr Zufriedenheit bei den Bewohner:innen der Insel. Plötzlich rumpelt es und der Berg in der Mitte der Insel fängt an, Feuer zu spucken. Na großartig, der Vulkan macht meine Gebäude platt! Zum Glück hält sich das in Grenzen – Geldprobleme habe ich eigentlich nie, maximal muss ich in der ersten Besiedlungszeit ein wenig warten, bis genug Asche (!) da ist.

Erstklassige VR-Bedienung – mit einer Ausnahme

Zufriedenheit, Geld, die Stufe der Stadt und welche Zonen benötigt werden, zeigt ein übersichtliches 3D-Menü an, wenn ich die linke Hand drehe und auf die virtuelle Smartwatch schaue.

Überhaupt ist die Bedienung klasse: Links an der Hand befindet sich eine Bau-Menü-Bubble, die ich mit dem rechten Zeigefinger antippe. Dann bekomme ich weitere Bubbles mit den verschiedenen Gebäuden angezeigt. Darauf getippt erscheint das ausgewählte Haus in der Bubble über dem rechten Handgelenk und ist damit aktiv: Ich kann das Haus oder die Straße jetzt über den Laserpointer der rechten Hand setzen.

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Will ich die Auswahl löschen, wähle ich einfach neu aus oder wische mit der linken Hand durch die Bubble der rechten Hand – schon ist die Auswahl weg. Nach kurzer Zeit geht das Bauen so fix von der Hand, dass ich in einen richtigen Flow komme – und das ist eine, wenn nicht sogar die große Stärke von Little Cities.

Baumenü in Little Cities, unten die Stadt, eine Geisterhand zeigt auf die Feuerwehr im Menü

Einfach antippen, schon kann ich die Feuerwehr hinstellen. Die Bedienung ist in Little Cities hervorragend gelungen. | Bild: Purple Yonder, MIXED

Leider ist die sonstige Bewegungssteuerung altbacken und – wie ich finde – etwas nervig. Halte ich die rechte Grip-Taste gedrückt, kann ich mich mit dem Laserpointer auf eine Stelle zeigen und mich wie an einem Greifhaken, aber eben nur durch Handgelenkbewegungen, vor und zurück ziehen. Das ist wenig intuitiv, auch wenn man sich daran gewöhnt. Mit „Rechts“ und „Links“ auf dem rechten Analogstick drehe ich mich, „Hoch“ und „Runter“ verschaffen mehr Übersicht oder bringen mich nahe an die Stadt, allerdings nicht auf Straßenlevel.

Warum Entwicklerstudio Purple Yonder nicht auf eine Steuerung wie in Demeo oder Townsmen VR gesetzt hat (beide Grip-Tasten gedrückt halten und dann das Bild drehen, ziehen, schieben oder durch auseinander- und zusammenführen der Hände zoomen), erschließt sich mir nicht. Skalieren lässt sich die Welt auch nicht. Gerade die Ansicht von ganz oben auf die kleine Stadt sieht ganz hervorragend aus – wenn ich die Stadt so näher an mich ran holen könnte, das wäre toll!

Little Cities auf Quest 2: Einfache Grafik, aber stimmiges Gesamtbild

Grafisch macht Little Cities alles richtig: Die Ästhetik ist an die Plattform angepasst, etwas sparsam und detailarm in der Nähe, aber stimmig und ansehnlich im Gesamtbild.

Ab einer bestimmten Entfernung werden leider die Straßen unscharf, was den positiven Gesamteindruck trübt. Dass die Fahrzeuge wenig dynamisch wirken und an ihrem jeweiligen Zielort eher ein“sliden“ als einparken, nehme ich so hin.

Stadt in Little Cities aus der Nähe mit Häusern und Straßen

Die Grafik ist einfach, aber stimmig. Im Hintergrund sieht man übrigens eine andere spielbare Insel als Umriss. | Bild: Purple Yonder, MIXED

Kraftfahrzeuge bleiben übrigens nicht stehen, sondern verschwinden am Zielort wieder. Personen gibt es auch nicht, was die Lebendigkeit in der Stadt vermissen lässt. Die kommt erst wieder im Gesamtbild, wenn Möwen, Heißluftballons, Paraglider, Flugzeuge, Hubschrauber und Boote durchs Bild fliegen und fahren.

Little Cities Review-Fazit: Gelungenes Aufbauspiel für Zwischendurch

Little Cities verzichtet auf Mikromanagement. Ich muss keine Bilanzen anpassen, keine Rohre verlegen, keine Stromleitungen legen. Das System ist stattdessen einfach, baut auf Einflussbereiche von Gebäuden und auf eine intuitive, überwiegend erstklassige VR-Bedienung. Wermutstropfen hier: die Bewegung auf der Karte ist veraltet und uninspiriert.

Dafür glänzt der Rest mit einem zeitweise süchtig machenden Flow: Das Bauen der Stadt geht so gut von der Hand, die Inseln füllen sich so leicht und problemlos, dass erst der Akku meiner Quest 2 nach gut zwei Stunden erstmals für eine Zwangspause sorgt.

Allerdings ist irgendwann eben alles gebaut, Optimierungen kaum sinnvoll und ich habe schon diverse Inseln und Inselketten voll gepflastert. Dann lässt die Motivation nach und ich sehe keine allzu große Langzeitmotivation in Little Cities. Für etwas Entspannung zwischendurch beim zügigen Städtebau taugt es aber allemal und auch, um VR-Neulingen zu zeigen, was heute schon mit einer autarken VR-Brille möglich ist.

Wenn man es eben richtig macht – und Entwicklerstudio Purple Yonder hat mit ihrem Erstlingswerk bewiesen, dass sie Virtual Reality und die Plattform, die Quest (2), verstanden haben.

Little Cities könnt ihr ab 12.05. hier kaufen:

Stores Unterstützte Geräte Preis
Quest Store Quest (2) tbd

Meta Quest 2 aus Deutschland bestellen

Meta Quest 2 wird in Deutschland vorerst nicht verkauft. Wie lange dieser Verkaufsstopp anhält, ist nicht bekannt.

Bei Amazon Frankreich könnt ihr die Meta Quest 2 ganz normal kaufen. Tipp: Rechtsklick auf die Webseite und “Übersetzen” wählen.

Meta Quest – 128 GB | Oculus Quest – 256 GB

Hinweis: Ihr könnt bei Amazon Frankreich über euren deutschen Account bestellen. Die VR-Brille unterstützt deutsche Sprache in den Menüs. Eine regionale Sperre seitens Facebook ist derzeit nicht aktiv - Quest 2 funktioniert ganz normal. Amazon Frankreich liefert innerhalb weniger Tage, zum Teil werden die Geräte sogar aus Lagern in Deutschland verschickt.