Killing a Superstar wurde auf den Filmfestspielen von Venedig mit einem Preis ausgezeichnet. Nun ist der interaktive VR-Film auf Steam erschienen. Was ist so besonders daran?

Der plötzliche Tod einer bekannten Persönlichkeit schockt China. Das Unglaubliche an dem Vorfall: Der Mord geschah live während eines Fernsehinterviews. Wie konnte das passieren und wer ist der Mörder? In Killing a Superstar muss man das mit Hilfe eines holografisch rekonstruierten Tatorts herausfinden.

Die Sci-Fi-Technik transportiert euch nicht nur in die Wohnung, in der das Unglück seinen Lauf nahm. Sie zeigt auch alles, was sich in den 15 Minuten vor dem Interview darin ereignete. Als digitaler Ermittler hat man dank einer interaktiven Karte nachträglich die Möglichkeit, von Raum zu Raum zu springen und den Anwesenden zuzuschauen und zuzuhören.

Man kann beliebig auf der Zeitachse hin- und herspringen, das Geschehene vor- und zurückzuspulen. Das Ziel: Antworten auf drei kritische Fragen zu finden. Beantwortet man sie richtig, ist der Fall gelöst und man sieht, was wirklich passiert ist.

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So sehen die interaktiven Elemente aus. Sie bewegen sich mit dem Blick und lassen sich bei Bedarf ausblenden. | Screenshot: MIXED / iQiyi

 

Ein Skandal und Morddrohungen

Killing a Superstar ist ein aufwendiger produzierter 360-Grad-Film. In fünf Räumen wurden entsprechende Kameras platziert: im Wohnzimmer, Schlafzimmer, in der Garderobe, dem Korridor und einem Büroraum. Die Handlung spielt sich simultan in mehreren Räumen gleichzeitig ab, sodass man mehrere Durchgänge braucht, um die kritischen Hinweise zu finden.

Die sechs Anwesenden sind: der titelgebende chinesische Superstar Lisa und ihr Agent Bin, die Fernsehmoderatorin Shan, sowie eine Assistentin, ein Kameramann und ein Beleuchter. Über genaue Beobachtung rekonstruiert man Stück für Stück den narrativen Kontext und analysiert das Beziehungsnetz der Figuren.

So erfährt man, dass es einen Skandal um Lisa gegeben und dass sie Morddrohungen erhalten hat. Weil man weiß, dass nach Ablauf der Viertelstunde ein Mord passieren wird, spitzt sich die Spannung gegen Ende zu. Auf die Handlung Einfluss nehmen kann man nicht, denn die hat ja bereits stattgefunden.

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Die Inszenierung und Schauspieler überzeugen nur bedingt. | Bild: iQiyi

Kein neues Konzept

Der Dreh muss recht aufwendig gewesen sein: Die Figuren wechseln ständig die Räume, was nahelegt, dass die Viertelstunde Film ohne Unterbrechung aufgenommen wurde. Die Szenen müssen daher zeitlich perfekt koordiniert gewesen mit wenig Spielraum für Fehler.

Die interaktiven Elemente, darunter die manipulierbare Zeitachse und Karte der Wohnung, die stets zeigt, wo sich die Figuren gerade befinden, fügen sich nahtlos in die Erfahrung und reagieren ohne Verzögerung. Die Aufnahmen sind von guter Qualität, wenn auch ohne stereoskopischen Tiefeneffekt.

Die Idee hinter dem VR-Film ist nicht neu: Der VR-Krimi The Invisible Hours setzte das gleiche Konzept schon vor drei Jahren um, allerdings in Form eines voll animierten Spiels. In dessen fiktivem Szenario schlüpft man in die Rolle eines unsichtbaren Geistes, der auf einer abgeschiedenen Insel den Mord an Nikola Tesla aufklären muss.

The Invisible Hours ist wesentlich komplexer als Killing a Superstar, da der Schauplatz und die Zahl der Figuren größer ist. Weil alles computergeneriert ist, können Spieler Teslas Anwesen frei erkunden anstatt von Punkt zu Punkt zu springen. Das Detektivspiel ist gut gelungen und wird derzeit für Oculus Quest umgesetzt.

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Nur wer gut aufgepasst hat, kann den Mord aufklären. | Bild: iQiyi

Detektivarbeit in Zeit und Raum

So spannend das beiden VR-Erfahrungen zugrunde liegende narrative Konzept auch klingt, es hat seine Grenzen: Zuschauer sind gezwungen, alle Handlungsstränge einzeln durchzugehen, was ermüdend sein kann.

Während ein herkömmlicher Film in kondensierter Form alles zeigt, was man gesehen haben muss, leben Erfahrungen wie Killing a Superstar und The Invisible Hours von detektivischer Kleinarbeit. Das muss man mögen.

Killing a Superstar dürfte als Testballon gedacht gewesen sein, als Versuch, etwas Neues im Medium des 360-Grad-Films auszuprobieren. Es ist ein spannendes Konzept, dessen Potenzial hier noch nicht in Gänze abgerufen wird, was an der trockenen Inszenierung und der schauspielerischen Leistung der Darsteller liegt.

Produziert wurde der VR-Film von dem chinesischen Streamingdienst iQiyi, der als “Netflix Chinas” bezeichnet wird und 500 Millionen monatliche Nutzer hat.

Den interaktiven VR-Film könnt ihr für zehn Euro auf Steam kaufen. Der VR-Film liegt in chinesischer Sprache mit englischen Untertiteln vor.

Titelbild: iQiyi

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