Kalter Krieg: AR-Erfahrung soll Maueralltag rekonstruieren

Kalter Krieg: AR-Erfahrung soll Maueralltag rekonstruieren

Das AR-Spiel „Border Zone“ möchte Nutzern die Teilung Deutschlands am Beispiel der preußischen Schlösser und Gärten näherbringen.

Über drei Jahrhunderte hinweg ließen die dortigen Herrscher prächtige Schlösser und Gartenanlagen errichten, die 1990 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt wurden. Dazu gehört auch der im 19. Jahrhundert entstandene Park Babelsberg. In Auftrag gegeben vom späteren Kaiser Wilhelm, wurde der Park von den berühmten Garten- und Landschaftsarchitekten Joseph von Lenné und Hermann von Pückler entworfen.

1961 wurde die Mauer durch den nördlichen Teil des Parks gebaut und dieser durch Grenzschutzanlagen verunstaltet. Diese historische Ereignis ist das Thema des AR-Spiels Border Zone, das vom Cologne Game Lab (CGL) gemeinsam mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) entwickelt wird. Es soll Besuchern des Parks dieses dunkle Kapitel der Geschichte vor Ort virtuell rekonstruieren.

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Konkrete Momente mit AR erfahrbar machen

Übers Smartphone oder Tablet können die Besucher verschiedene Fußspuren in der Umgebung ausmachen und sich entscheiden, welchen Spuren sie folgen möchten. So stoßen sie nach einer gewissen Zeit auf interaktive 3D-Szenen, in denen sie verschiedenen Charakteren und Elementen dieser Zeit in Lebensgröße begegnen.

„Wir möchten den Besuchern des Parks den Alltag an der Mauer näherbringen und konkrete Momente erfahrbar machen. Das kann zum Beispiel eine Situation mit einer Familie sein, die einen Ausflug im Park unternimmt, davon ein Foto machen möchte und von Grenzsoldaten angesprochen wird“, sagt Sebastian Stricker, der gemeinsam mit Rebecca Nöll und Pierre Schlömp vom CGL an der jetzt abgeschlossenen Vorproduktion beteiligt war.

Ein virtueller Querschnitt durch die Geschichte

Als Grundlage der kurzen, interaktiven Missionen dienen historische Ereignisse und persönliche Schicksale im ehemaligen Grenzgebiet, die auf Archivmaterial, digitalen Sammlungen und Zeitzeugenberichten beruhen. Dabei lernen die Besucher wichtige Perioden der Parkgeschichte kennen: von der Entwicklung des Gartenkunstwerks durch Peter Joseph Lenné und Fürst Pückler über die Grenzzeit bis hin zur Wiedervereinigung und Gegenwart.

Das Projekt wird zunächst bis Ende 2021 von der Staatsministerin für Kultur und Medien gefördert. Bis dahin sollen zwei bis drei Episoden entstehen, die Besucher der Parkanlagen kostenlos ausprobieren können.

„Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten möchte mit diesem kostenlosen Park-Game multiperspektivische Wissensvermittlung fördern, Teilhabe ermöglichen und zu einem Diskurs über den Umgang mit dem Weltkultur­erbe einladen“, heißt es in der Ankündigung.

Quellen: SPSG, TH Köln, Titelbild: CGL/TH Köln

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